Fall Dubler
Vizeammann Huwiler: «Möglich, dass wir externe Hilfe in Anspruch nehmen»

Nach der Suspendierung des Wohler Ammanns Walter Dubler wartet auf die übrigen Mitglieder des Gemeinderats – und insbesondere auf Vizeammann Paul Huwiler – viel zusätzliche Arbeit.

Toni Widmer
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Vizeammann Paul Huwiler am 9. Oktober bei der Pressekonferenz, an welcher der Gemeinderat Wohlen über sein Gesuch an den Regierungsrat zur Suspendierung von Gemeindeammann Walter Dubler informierte.

Vizeammann Paul Huwiler am 9. Oktober bei der Pressekonferenz, an welcher der Gemeinderat Wohlen über sein Gesuch an den Regierungsrat zur Suspendierung von Gemeindeammann Walter Dubler informierte.

Chris Iseli

Seit gestern Freitag ist der vollamtliche Gemeindeammann Walter Dubler von seinem Amt suspendiert. Schon seit dem gesundheitlich bedingten Rücktritt von Markus Gsell im August haben die einzelnen Mitglieder des Wohler Gemeinderates zusätzliche Aufgaben übernehmen müssen, jetzt wartet – voraussichtlich für Monate oder gar Jahre – noch mehr Arbeit. Die az hat Vizeammann Paul Huwiler dazu und zu weiteren Themen befragt.

Paul Huwiler, ich gehe davon aus, dass Sie als gewählter Vizeammann nach der Suspendierung von Walter Dubler die Führung der Gemeinde Wohlen übernehmen müssen.

Paul Huwiler: Was nie so geplant war, trifft nun ein. Aus gelegentlichen Ferienvertretungen wird eine feste Verpflichtung. Das gilt allerdings auch für alle anderen Mitglieder des Gemeinderates. Auch sie müssen Dossiers übernehmen. Die Arbeit verteilt sich ein Stück weit neu.

Sie sind nicht hauptberuflich Politiker, Sie haben noch einen anderen Job. Jetzt wartet eine grosse Mehrbelastung. Können Sie sich beruflich arrangieren oder hat der Tag für Sie mehr als 24 Stunden?

Wenn die 24 Stunden nicht reichen, nehme ich auch noch die Nacht hinzu, besagt ein Bonmot. Allerdings hilft das in der aktuellen Situation nicht weiter. Ich muss mein Arbeitspensum reduzieren, um mehr Zeit für die Gemeinde zur Verfügung zu haben. Allerdings kann ich nicht alle Aufgaben alleine abdecken. Auch auf die anderen Gemeinderäte wird daher eine Mehrbelastung zukommen.

Wie sieht die finanzielle Seite aus? Ich gehe nicht davon aus, dass Sie die Zusatzaufgaben zum Gotteslohn übernehmen wollen, bzw. können?

Für mich ist klar, dass die Reduktion auf der einen Seite durch eine Erhöhung auf der anderen Seite kompensiert werden muss. Gotteslohn kann ich mir leider nicht leisten.

Offenbar hat der Kanton empfohlen, Unterstützung von dritter Seite zu holen. Ist das eine Option, wie könnte das stattfinden und wie würden die finanziellen Aspekte geregelt?

Der Beschluss des Aargauer Regierungsrates, in welchem Gemeindeammann Walter Dubler bis zum Abschluss des Strafverfahrens in seinem Amt eingestellt wird, ist zehn A4-Seiten stark. Es ist die Aufgabe des Gemeinderates Wohlen, diesen Beschluss zu analysieren und umzusetzen. Die Arbeit beginnt an der nächsten Gemeinderatssitzung am kommenden Montag, 16. November. Es ist durchaus möglich, dass wir im einen oder anderen Bereich externe Hilfe in Anspruch nehmen müssen.

Der Gemeinderat Wohlen wird wohl längere Zeit als Sechsergremium funktionieren müssen. Ist es vorstellbar, dass die einzelnen Gemeinderäte für den zu leistenden Mehraufwand finanziell entschädigt werden?

Walter Dubler, der sich in einem laufenden Verfahren befindet, ist weder abgesetzt noch verurteilt. Es gilt für ihn nach wie vor die Unschuldsvermutung. Selbstverständlich muss aber wegen der vorläufigen Suspendierung eine Neuverteilung der Arbeitslast vorgenommen werden. Deshalb ist sicher auch eine entsprechende finanzielle Entschädigung des Mehraufwands zu prüfen.

Wer die Berichte von Finanzkommission und externer Treuhandfirma gelesen hat, kommt zum Schluss, dass insbesondere im Finanzbereich Führung und Kontrolle mangelhaft sind. Das erwähnt auch die Finanzkommission in einem Bericht zum internen Kontrollsystem. Wird der Gemeinderat Wohlen dieses Thema angehen oder sieht er keinen Handlungsbedarf?

Ich gehe davon aus, dass an verschiedenen Stellen Handlungsbedarf besteht. Das ist keine Erfindung von mir, sondern das steht in den vorher bereits erwähnten Berichten des Regierungsrates. Der Gemeinderat muss jetzt den Handlungsbedarf ermitteln und die notwendigen Schritte einleiten. Man darf allerdings keine Wunder erwarten. Solche Prozesse benötigen ihre Zeit, was aber nicht bedeutet, dass die Behebung von allfälligen Mängeln vom Gemeinderat auf die lange Bank geschoben werden soll.

Was erwartet der Gemeinderat vom Einwohnerrat? Wie kann das Wohler Parlament dazu beitragen, dass die nächsten Monate und eventuell Jahre von einem personell reduzierten Gemeinderat optimal bewältigt werden können?

Einwohnerrat und Gemeinderat müssen in den ihnen zugedachten Rollen aufeinander zugehen und sachlich und konstruktiv zusammenarbeiten. Im einen oder anderen Fall wird Mehrarbeit in Form von zusätzlichen Sitzungen auf alle Beteiligen zukommen. Alle politischen Parteien und Gremien müssen jetzt zusammenstehen und die Gemeinde Wohlen gemeinsam mit der Verwaltung vorwärtsbringen.

Hat die Situation der letzten Monate dazu geführt, dass sich Geschäfte verzögern, oder können die bereits publizieren «Fahrpläne», beispielsweise Badisanierung und Eisbahnneubau, eingehalten werden?

Die erwähnten Grossprojekte sind auf Kurs. Die Vorlagen für Badisanierung und den Eisbahnneubau sind so terminiert, dass die Wohler Stimmberechtigten am 5. Juni 2016 darüber abstimmen können. Bereits am nächsten Montag stehen an der nächsten Sitzung im Einwohnerrat drei ganz wichtige Vorlagen zur Beschlussfassung an. Die zwei Informatikprojekte sind für die Gemeindeverwaltung und die Schule schlicht notwendig. Der Kredit für das Bahnhofareal ist Voraussetzung für die Umgestaltung und Verbesserung des unbefriedigenden Zustands. Bund und Kanton finanzieren diese Massnahmen mit rund je einem Drittel mit.

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