Villmergen
«Villmerger Zeitung» in Finanznöten – Gmeind soll das Lokalblatt retten

Die Villmerger Zeitung existiert seit 2013 und kommt im Dorf recht gut an – doch die Inserateeinnahmen fallen deutlich tiefer aus als budgetiert. An der Gmeind vom Freitag wird deshalb um die Erhöhung des Gemeindebeitrags ersucht.

Toni Widmer
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Die «Villmerger Zeitung» hat sich nach dem Start finanziell nicht wie erhofft entwickelt.

Die «Villmerger Zeitung» hat sich nach dem Start finanziell nicht wie erhofft entwickelt.

Screenshot v-medien.ch

Seit dem 5. Juli 2013 wird die Villmerger Zeitung in einer Auflage von 3600 Exemplaren wöchentlich in alle Haushaltungen der Gemeinde zugestellt. Das Lokalblatt mit ist mit vielen eigenrecherchierten Geschichten und Reportagen redaktionell sehr aufwendig und spannend gemacht. Auch grafisch vermag das farbig gedruckte Wochenblatt zu überzeugen.

Wie die regelmässigen Leserredaktionen zeigen, kommt die Villmerger Zeitung im Dorf recht gut an. Der erhoffte finanzielle Erfolg hat sich bisher allerdings nicht eingestellt. Die Erträge aus dem Inseratengeschäft hinken weit hinter den budgetierten Einnahmen zurück.

Schon vor einem Jahr musste Bruno Leuppi, Verwaltungsratspräsident der extra für die Lancierung der Dorfzeitung gegründeten Villmerger Medien AG, bei der Ortsbürgerstiftung um eine zusätzliche Anschubfinanzierung von 50'000 Franken ersuchen.

Der Betrag wurde bewilligt. Die Ortsbürger haben 2012 für die Startphase der Zeitung 150'000 Franken bewilligt, zahlbar ab 2013 bis 2018 in jährlichen Raten von 25'000 Franken. Am 6. November 2015 hat Leuppi an der Stifterversammlung nun den Antrag gestellt, den gesamten Restbetrag von 75'000 Franken sofort auszuzahlen, um die Liquidität der Zeitung zu gewährleisten.

Auch diesem Antrag wurde entsprochen. Wegen einer Aufsichtsbeschwerde gegen diesen Beschluss sind die Gelder vorderhand jedoch blockiert (wir berichteten). Jetzt wird es finanziell eng, wie Leuppi auf Anfrage der az bestätigt hat.

Was ist die eigene Zeitung wert?

Morgen Freitag, 27. November, wird Leuppi an der Gmeind im Rahmen der Budgetberatung den Antrag für eine massive Erhöhung des jährlichen Beitrages der Einwohnergemeinde stellen. Bisher bezahlt diese jährlich bescheidene 25'000 Franken an die Dorfzeitung. Deutlich weniger als – beispielsweise – die Nachbargemeinde Dottikon an ihren «Generalanzeiger» beisteuert oder Hägglingen an das «Echo vom Maiengrün».

Unter anderem damit will Leuppi an der Gmeind auch argumentieren: «Unsere Leistung für die Gemeinde wird von dieser nicht zu marktkonformen Bedingungen honoriert. Andere Gemeinden zahlen für ihr amtliches Publikationsorgan wesentlich mehr.»

Es stelle sich die grundsätzliche Frage, wie viel der Dorfbevölkerung eine eigene, gute gemacht Zeitung wert sei, erklärte Leuppi weiter. Lehnt die Gmeind einen höheren Beitrag ab, ist die weitere Existenz der Villmerger Zeitung laut seinen Aussagen akut gefährdet. Man werde aber nicht so rasch aufgeben und andere Wege suchen, etwa den eines Freiwilligen-Abobeitrags.