Grossinvestition
Villmerger Bierbrauer wollen eine Erlebnisbrauerei mit Biergarten bauen

Die Erusbacher & Paul AG ist am Markt sehr erfolgreich und plant einen Neubau. Dafür legt man einen grossen Geldbetrag zur Seite.

Toni Widmer
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Visualisierung der geplanten neuen Erlebnisbrauerei mit Laden und Biergarten am Mattenweg in Villmergen.

Visualisierung der geplanten neuen Erlebnisbrauerei mit Laden und Biergarten am Mattenweg in Villmergen.

zvg

Villmerger Bier gibt es seit mittlerweile 17 Jahren. Damals haben Otto Sorg und Hansruedi Schädeli die Brauerei Erusbacher gegründet. Es war der richtige Zeitpunkt. Wenige Monate zuvor hatte die traditionsreiche Schweizer Brauerei Feldschlösschen mit der dänischen Carlsberg-Gruppe einen neuen Besitzer bekommen. Der Aufschrei im Land war gross und die Suche nach Alternativen auch. 2002 begann man in Villmergen mit dem Brauen der Bier-Paul-Linie. Zwei Jahre später wurde die Firma als Brauerei Erusbacher & Paul AG in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Der Schwerpunkt der Verkäufe liegt heute in den Kantonen Zürich und Aargau. Aber auch in Städten wie Bern und Genf verzeichnet das Bier aus Villmergen eine immer stärkere Nachfrage.

Platz ist zu eng geworden

In den Räumlichkeiten der ehemaligen Färberei Stäger, wo die Brauerei vor 17 Jahren eingerichtet worden ist, reicht der Platz nicht mehr aus. Geplant ist deshalb ein neues Brauereigebäude mit Schankwirtschaft und Biergarten. Dafür will das Unternehmen laut Braumeister Otto Sorg «mehrere Millionen Franken» investieren. Geplant ist dieser Neubau am Mattenweg, auf dem ehemaligen Betriebsareal der Xaver Meyer AG. Die beiden noch dort stehenden Gebäude – das alte Wohnhaus und das alte Betriebsgebäude – sollen abgebrochen werden.

Bierausstoss vervierfacht

Der Bierausstoss der handwerklichen Kleinbrauerei sei seit der Gründung stetig angestiegen, erklären die Villmerger Brauer. Diesen Erfolg schreiben sie vor allem der «anhaltenden Qualität der Biere sowie ihrem unverwechselbaren Geschmack» zu. In den letzten 15 Jahren habe sich die Produktion auf über 5000 Hektoliter pro Jahr vervierfacht. Gestiegen ist auch der Personalbestand. Zu Beginn waren lediglich die beiden Gründer Sorg und Schädeli im Betrieb tätig, inzwischen sind sechs Personen fest angestellt.

Das anhaltende Wachstum ist bisher am alten Standort an der Büttikerstrasse durch den kontinuierlichen Ausbau der Produktionskapazitäten aufgefangen worden. Doch jetzt sind die Platzreserven in der grossen Halle der ehemaligen Färberei erschöpft. Eine Lösung hat sich in Zusammenarbeit mit der Xaver Meyer AG ergeben, der seit einigen Jahren auch die alte Färberei gehört.

Garten, Laden, Erlebnisbrauerei

Im neuen Brauereigebäude sind moderne Produktions- und Büroräume, eine grosszügige Werkstatt sowie ein gedeckter Umschlagplatz mit Verladerampe geplant. Eine Schankwirtschaft mit einem Sommerbiergarten und ein kleiner Biershop komplettieren das Projekt. Der Neubau wird als Erlebnisbrauerei geplant. Der gesamte Brauprozess soll auf Führungen hautnah miterlebt werden können. Und auch vom Gastraum der Schankwirtschaft aus können die Gäste durch grosse Fenster direkt in das Sudhaus und in den Gär- und Lagerraum blicken.

Das Baugesuch ist eingereicht. Wenn es keine grösseren Verzögerungen gibt, soll der Umzug der Brauerei bis Mitte 2018 abgeschlossen sein, erklären die Betreiber.

Vom Chemielaboranten zum Braumeister

"Der erste Versuch war für die Kanalisation", blickte Otto Sorg bei der Firmengründung vor 17 Jahren auf seine Anfänge zurück. Der Chemielaborant ging der Sache auf den Grund und kam zur Erkenntnis: "Für gutes Bier braucht es mehr als Hopfen und Malz. Bierbrauen ist ein Handwerk mit jahrtausendealter Tradition. Das muss man gründlich lernen." Erkannt und getan: Sorg machte sich, zuerst bei Feldschlösschen in Rheinfelden und danach in einem zweijährigen Diplomstudium in München, dem Mekka aller Bierbrauer und -geniesser, gründlich mit dem Metier vertraut. In seinem Jugendfreund Hansruedi Schädeli fand er den richtigen Partner und gemeinsam verwirklichten sie 2000 ihren jahrelangen Traum von der eigenen Brauerei. Mit durchschlagendem Erfolg, wie die Erusbacher-Geschichte belegt.