Villmergen/Sins/Mutschellen
Expansion ins Freiamt: Übernimmt Valiant die Filialen der Neuen Aargauer Bank?

Seit längerem plant die Valiant Bank Niederlassungen in den Bezirken Bremgarten und Muri. Nun stehen die ehemaligen Freiämter NAB-Filialen zur Vermietung ausgeschrieben. Die AZ hat nachgefragt.

Pascal Bruhin
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Die Valiant Bank – hier die Eröffnung der Filiale in St.Gallen – wird im Sommer nach Wohlen ziehen.

Die Valiant Bank – hier die Eröffnung der Filiale in St.Gallen – wird im Sommer nach Wohlen ziehen.

Ralph Ribi

Mit dem Verschwinden der Neuen Aargauer Bank (NAB) Ende letzten Jahres sorgte die Muttergesellschaft Credit Suisse (CS) für einen Sturm in der Aargauer Bankenlandschaft. Auch das Freiamt war davon betroffen. Die ehemaligen Filialen in Sins, Villmergen und auf dem Mutschellen wurden aufgelöst, die Sitze in Wohlen, Bremgarten und Muri zu Filialen der Credit Suisse. Seit wenigen Tagen stehen nun die Standorte Villmergen und Sins auf den bekannten Immobilienplattformen zur Vermietung ausgeschrieben.

Valiant zieht Mitte 2021 nach Wohlen und plant weiteren Ausbau

Fast gleichzeitig mit dem Verschwinden der NAB gab Konkurrentin Valiant im Herbst ihre Expansionspläne bekannt. 14 neue Standorte sollen bis 2024 zwischen Boden- und Genfersee entstehen. Ein besonderes Augenmerk legt die Regionalbank mit Hauptsitz in Bern dabei auf das Freiamt, wo sie bislang nicht präsent ist. «Das Freiamt ist für Valiant eine attraktive Marktregion», schreibt Mediensprecher Simon Bickel auf Anfrage.

«Seit längerer Zeit planen wir die Erschliessung der Achse Aarau-Zug, wobei die Expansion im Freiamt im Zentrum steht.»

Das Verschwinden der drei NAB-Filialen kam der Valiant also mehr als gelegen. Bickel betont aber:

«Diese Absicht hatte die Valiant, bevor die Fusion von NAB und Credit Suisse bekannt wurde.» Dass mit Alexander Müller und Martin Schertenleib zwei hochrangige Freiämter NABler zu Valiant wechselten, unterstreicht deren Expansionspläne weiter.

Die ehemalige NAB-Filiale in Sins wartet hinter abgedeckten Scheiben auf neue Mieter.

Die ehemalige NAB-Filiale in Sins wartet hinter abgedeckten Scheiben auf neue Mieter.

Andrea Weibel

Nun läge es doch umso näher, dass die Bank mit dem violetten Schriftzug die drei aufgegebenen NAB-Filialen übernehmen würde. Dem sei vorderhand nicht so, versichert Bickel. Er sagt:

«Wir konzentrieren uns vorerst auf den Standort Wohlen.»

In Wohlen habe die Valiant einen passenden Standort gefunden, wie Bickel verrät. Eine Absichtserklärung sei unterzeichnet, letzte Einzelheiten seien noch zu klären. «Wir gehen aber davon aus, dass wir bis im Sommer 2021 einziehen werden.» Langfristig will die Valiant im ganzen Freiamt Kunden gewinnen.

AKB will Filiale in Villmergen nicht übernehmen

Ebenfalls nicht an einer Übernahme der ehemaligen NAB-Standorte interessiert ist die Aargauische Kantonalbank (AKB). In Sins und auf dem Mutschellen betreibt sie bereits eigene Filialen, ebenso in Wohlen, Bremgarten, und Muri. Kommunikationsleiterin Christine Honegger schreibt:

«Für eine Übernahme des Standorts Villmergen besteht für die AKB kein Bedarf.»

Dass die AKB vom Verschwinden der NAB profitieren konnte, ist kein Geheimnis: «Seit Bekanntgabe der Integration der NAB in die CS haben sich die Kontoeröffnungen von Neukunden verdoppelt. Das gilt auch für das Freiamt», sagt Honegger. Genaue Zahlen zu den einzelnen Standorten gibt die AKB nicht bekannt.

Der allfälligen Übernahme der NAB-Standorte durch eine andere Bank blickt die AKB aber gelassen entgegen: «Der Kanton Aargau ist ein sehr kompetitives Marktgebiet. Es steht jedem Marktteilnehmer frei, Niederlassungen zu eröffnen.» Die AKB selbst plant bis auf weiteres keine Veränderungen ihrer Standorte im Freiamt.

Raiffeisen hat schon Filialen an den ehemaligen NAB-Standorten

Für Raiffeisen ist mit der NAB die direkteste Konkurrentin im Freiamt verschwunden. An allen drei ehemaligen NAB-Standorten betreibt die Genossenschafts-Bank eigene Filialen. Raiffeisen bestätigt zwar, dass sie Neukunden generieren konnte. In welchem Ausmass sie vom Verschwinden der NAB profitieren konnte, gibt das Unternehmen aber nicht bekannt. Mediensprecher Joël Grandchamp schreibt:

«Raiffeisen macht keine genauen Angaben zu den Ursprungsbanken von Neukunden.»

Der Übernahme der NAB-Filialen durch eine andere Bank stehe Raiffeisen jedoch offen gegenüber.

CS bestätigt Kundenabgänge im tiefen einstelligen Prozentbereich

Dass mit der Integration der NAB auch Arbeitsplätze verloren gingen, bestätigt die Credit Suisse: «Im Freiamt werden aufgrund der reduzierten Zahl der Geschäftsstellen insgesamt weniger Arbeitsplätze angeboten», schreibt Mediensprecher Roland Teuscher. Oberstes Ziel sei es aber gewesen, dass alle von der Schliessung betroffenen Mitarbeitenden eine Weiterbeschäftigung finden. Teuscher betont:

«Sämtliche Mitarbeitenden, die weiterhin bei der Credit Suisse beschäftigt sein wollten, erhielten ein Angebot.»

Alle anderen hätten sich inzwischen erfolgreich neu orientiert. Dass auch nicht alle Kunden den Übertritt zur CS mitzogen, war zu erwarten. Teuscher sagt aber: «Die meisten Kunden halten uns die Treue. Die Zahl der Kundenabgänge bewegt sich insgesamt im tiefen einstelligen Prozentbereich.»

Wincasa äussert sich nicht zu möglichen Interessenten

Auf die Frage, wie die CS einer allfälligen Übernahme der Standorte durch eine andere Bank gegenüberstehe, antwortet Teuscher: «Die Büroflächen waren gemietet und die Mietverträge wurden entsprechend aufgelöst. Der Entscheid, was mit den Flächen geschieht, liegt beim Eigentümer.»

Zuständig für die Vermietung der drei ehemaligen NAB-Filialen ist Immobilien-Dienstleisterin Wincasa. Auf Anfrage wollte sich das Unternehmen nicht zu allfälligen Interessenten äussern und verwies zurück an die Medienstelle der Credit Suisse.