Die Gemeinde Villmergen will ihren kommunalen Gesamtplan Verkehr umsetzen und damit auch die Kantonsstrasse entlasten, die durch das Dorfzentrum führt. Die Mittel- und Unterdorfstrasse ist (noch) eine viel befahrene Durchgangsstrasse, auf welcher der Verkehr vom Bünztal ins Seetal und umgekehrt fliesst. Rund 10'000 Fahrzeugbewegungen werden dort täglich registriert. Das sollen deutlich weniger werden. Dem Gemeinderat schwebt die Einführung von Tempo 30 auf einem rund 370 Meter langen Strassenabschnitt vor. Damit will man diese Route für den Durchgangsverkehr unattraktiv machen und ihn über Wohlerstrasse und Knoten Bullenberg von und zu der Bünztalachse führen.

«Wir sind weder Tempo-30-Fanatiker, noch wollen wir den Durchgangsverkehr aus dem Dorf verbannen. Aber wir müssen die Situation im Dorfkern irgendwie beruhigen. Mit einer Geschwindigkeitsreduktion würde uns das auf relativ einfache und vor allem kostengünstige Art gelingen», sagt Gemeindeammann Ueli Lütolf dazu. Lütolf spricht dabei vor allem den Knoten Mitteldorfstrasse/Anglikerstrasse an. Er ist sehr stark befahren, wird aber auch von sehr vielen Fussgängern überquert. Zum einen, weil sich dort Läden und Restaurants befinden, zum andern liegt der Knoten auch im Bereich des Schulweges. Über die Kreuzung fahren weiter auch die Linienbusse, welche in den Stosszeiten wegen des dichten Verkehrs dort oft Verspätungen einfangen.

Neue Situation mit Migros

Mit der Verlegung der Bushaltestellen auf die Fahrbahn sowie einer anderen Vortrittsregelung bei der Einmündung der Oberdorf- in die Mitteldorfstrasse hat man bereits eine leichte Verkehrsberuhigung im Ortskern erreicht. Doch für den Gemeinderat reicht das nicht: «Mit der Migros, die in die neue Überbauung einziehen wird, die anstelle von ‹Rössli› und ‹Ochsen› geplant ist, wird sich die Situation verschärfen. Mit Tempo 30 könnten wir hier bezüglich Verkehrssicherheit viel erreichen und unseren Dorfkern entschieden aufwerten», sagt er.

Dem Gemeinderat Villmergen ist klar, dass er mit seinem Anliegen beim Kanton nicht sofort auf offene Ohren stossen wird. Lütolf sagt dazu: «Ich bin der Meinung, dass der Kanton in dieser Beziehung umdenken und dort für Tempo 30 auf Kantonsstrassen Hand bieten muss, wo es aus strategischer Sicht Sinn macht.»

Er plane an der nächsten Versammlung der Gemeindeammänner aus dem Bezirk auch eine Umfrage: «Wenn es weitere Gemeinden mit ähnlich gelagerten Problemen gibt, könnten wir so beim Kanton gemeinsam Druck für mehr Flexibilität bei der Einführung von Tempo 30 auf Kantonsstrassen machen.»

Bisher haben Gemeinden mit ähnlichen Anliegen in «Aarau» auf Granit gebissen. Es ist bekannt, dass im Departement Bau, Verkehr und Umwelt die Auffassung hochgehalten wird, dass der Verkehr auf den Kantonsstrassen möglichst fliessen soll. Bisher gibt es im Aargau lediglich zwei Ausnahmen: In Olsberg und in Windisch ist auf zwei schmalen Kantonsstrassen mit wenig Verkehr Tempo 30 beschildert.

«Wir meinen es ernst»

Der Gemeinderat Villmergen weiss, wie der Kanton denkt, und lanciert trotzdem einen offiziellen Vorstoss für Tempo 30 auf einer Kantonsstrasse. Ein Schuss ins Leere? «Nein, wir meinen es ernst und werden uns nicht einfach so abspeisen lassen. Mann darf ja auch in ‹Aarau› umdenken und Flexibilität an den Tag legen, wenn es die Situation erlaubt», sagt der Gemeindeammann.

Flexibilität wünschte er sich auch im Ortsteil Hilfikon, wo nach wie vor oft zu schnell gefahren wird. Man könnte das Problem mit einer Einfahrtsbremse entschärfen, doch eine solche Massnahme ist teuer: «Die Regionalpolizei hat ein paar Tage eine semistationäre Radaranlage aufgestellt, und schon hat sich die Situation entspannt. Wir suchen auch dort eine kostengünstige Lösung», erklärt Lütolf.