Villmergen

Villmergen will Gemeindewerke in eigenständiges Unternehmen überführen

Gemeinderat und Ressortvorsteher Renato Sanvido und Martin Hössli, Betriebsleiter der Gemeindewerke Villmergen.

Gemeinderat und Ressortvorsteher Renato Sanvido und Martin Hössli, Betriebsleiter der Gemeindewerke Villmergen.

Für Gemeinderat Renato Sanvido und Betriebsleiter Martin Hössli entspricht die Struktur der Gemeindewerke Villmergen (GWV) nicht mehr den Marktanforderungen. Zum Problem würden die langen Entscheidungswege.

Mit Wasserversorgung, Elektrizitätsversorgung und Elektroinstallation haben die Gemeindewerke Villmergen (GWV) 2013 einen operativen Umsatz von 15,7 Mio. Franken erzielt. Der Betriebsgewinn lag bei soliden rund 1,5 Mio. Franken.

Die Investitionen in die Versorgungssicherheit betrugen 2,3 Mio. Franken und die liquiden Mittel 2,7 Mio. Franken. Zahlen, die für eine gesunde Unternehmung sprechen. Dennoch sind jetzt Bestrebungen im Gang, die Gemeindewerke auf eine neue Basis zu stellen. Sie sollen in ein eigenständiges Unternehmen überführt werden.

Wieso ein Konzept verändern, das so gut funktioniert? «Unser Konzept funktioniert noch gut. Das könnte sich jedoch in Zukunft ändern, wenn wir keine Anpassungen vornehmen», halten der als Gemeinderat zuständige Ressortvorsteher Renato Sanvido und GWV-Betriebsleiter Martin Hössli übereinstimmend fest.

Die Struktur der GWV entspreche dem wirtschaftlichen Umfeld, das immer komplexer wird und den sich ständig ändernden Marktanforderungen, nicht mehr. «Das hat nichts mit unserer Leistung zu tun. Wir dürfen uns auch im Vergleich mit Mitbewerbern durchaus zeigen», hält Hössli fest.

Entscheidungswege sind zu lang

Zunehmend ein Problem für die GWV sind die langen Entscheidungswege: «Wer heute am Markt, insbesondere am teilweise geöffneten Strommarkt, bestehen will, muss rascher reagieren können, als das für uns zurzeit möglich ist», erklärt der Betriebsleiter.

Ein Beispiel kann er anhand der grossen Solarstromanlagen aufzeigen, die von Privaten in immer kürzeren Abständen realisiert werden: «Wir sind verpflichtet, den dort produzierten Strom in unser Netz einzuspeisen. Das bedingt jedoch meist einen Ausbau der Infrastruktur und diesen können wir nur vornehmen, wenn uns auch die entsprechenden Mittel zeitgerecht zur Verfügung stehen.»

«Unter Umständen müssen die GWV mit einer Investition bis zur Bewilligung durch die nächste Gemeindeversammlung warten. Das war früher meist kein Problem. Heute kann es die vom Markt geforderte Reaktionsfähigkeit des Unternehmens stark einschränken», doppelt Renato Sanvido nach.

Der Gemeinderat Villmergen hat das Problem schon länger erkannt und eine Kommission beauftragt, die Strategie der Gemeindewerke zu überprüfen. Die Kommission ist zum Schluss gekommen, den Gemeindewerken eine neue privatrechtliche Struktur zu geben und damit auch die Kompetenzen für die Unternehmensleitung neu festzulegen.

Ein Grobkonzept liegt vor und ebenso ein ungefährer Zeitplan. In einem Jahr soll die Gemeindeversammlung über die Neuorganisation der GWV befinden können.

Organisationsform noch offen

«Wir wissen noch nicht, welches von mehreren möglichen Modellen wir wählen. Die für uns beste Organisationsform wird in den nächsten Monaten seriös abgeklärt. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Es gibt genügend Gemeindewerke, die diesen den Wandel schon vollzogen haben», erklären Renato Sanvido und Martin Hössli.

Wichtig für den Bürger zu wissen sei, dass Villmergen seine Gemeindewerke nicht verkaufen, sondern lediglich auf die zukünftigen Anforderungen ausrichten wolle: «Die Gemeinde bleibt Alleinbesitzerin und sie bestimmt auch den generellen Kurs des Unternehmens. Aber sie kann natürlich auf die einzelnen operativen Entscheide nicht mehr so stark Einfluss nehmen wie heute», erläutert Sanvido.

Doch auch das sei kein Problem: «Der Verwaltungsrat, der die Firma strategisch führt, wird vom Gemeinderat gewählt. Somit ist – wenn auch indirekt – der politische Einfluss auf die operative Ausrichtung weiterhin gewährleistet.

Mit einer Professionalisierung der Führungsorganisation durch einen Verwaltungsrat steigt nicht nur die Flexibilität des Unternehmens. Sowohl Renato Sanvido wie Martin Hössli sind davon überzeugt, dass die neue Organisation auch kompetenter wird.

«Heute liegt die Verantwortung über das Umsatzvolumen der GWV von 15,7 Mio. Franken letztendlich beim Gemeinderat. In einem zukünftigen Verwaltungsrat würde die Politik zwar auch vertreten sein. Grundsätzlich wird jedoch bei der Besetzung eines solchen Gremiums zukünftig auf die nötige Fachkompetenz geachtet.

Für das Personal ändert sich nichts

Für das Personal – die Gemeindewerke beschäftigen aktuell 22 Personen, davon 3 Lernende – würde sich im Falle einer Verselbstständigung nichts ändern: «Wir arbeiten schon heute stark markt- und leistungsorientiert und bezahlen auch marktgerechte Löhne», sagt Martin Hössli.

Renato Sanvido ergänzt: «Auch nach einer Neuorganisation würden die Gemeindewerke eine Firma bleiben, welche zwar gewinnorientiert arbeitet, um die Finanzierung der Versorgungsinvestitionen sicherzustellen. Die reine Gewinnmaximierung steht dabei nicht im Zentrum.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1