Villmergen
Verspäteter Grundstein ist gelegt: «Am Dorfplatz» sollen neue spannende Geschichten geschrieben werden

Am Donnerstag fand die Aufrichtefeier und die verspätete Grundsteinlegung für das Villmerger Grossprojekt mit seinen 31 Wohnungen, Büro- und Gewerbeflächen, Restaurant und Migros-Einkaufszentrum statt.

Toni Widmer
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Die Grundsteinlegung für den Bau «Am Dorfplatz»: Investor Ahmed Sari und Alex Meyer (rechts) von der Xaver Meyer AG vergraben im zweiten Untergeschoss des Neubaus eine Zeitkapsel.

Die Grundsteinlegung für den Bau «Am Dorfplatz»: Investor Ahmed Sari und Alex Meyer (rechts) von der Xaver Meyer AG vergraben im zweiten Untergeschoss des Neubaus eine Zeitkapsel.

Toni Widmer

«Das 1800 erbaute ‹Rössli› und der zwölf Jahre später realisierte ‹Ochsen› waren für Villmergen von grosser Bedeutung. Hier wurden unvergessliche Geschichten geschrieben – an Hochzeiten und Geburtstagsfesten, an der Fasnacht und an Vereinsanlässen», weiss Ahmed Sari, der Inhaber der Aveco Services AG. Dennoch hat der Investor die beiden geschichtsträchtigen Häuser abreissen lassen.

An ihrer Stelle entsteht das Projekt «Am Dorfplatz» – eine Überbauung mit 31 Mietwohnungen, drei Büro- und Gewerbeflächen, einem Restaurant mit Galerie, einem 840 Quadratmeter grossen Migros-Einkaufsladen sowie 85 Parkplätzen in den beiden Tiefgeschossen. Gebaut wird seit rund einem Jahr, coronabedingt konnte die Grundsteinlegung erst jetzt stattfinden.

«Rössli»-Fassade mit Wappentafel in Neubau integriert

Das «Rössli» und der «Ochsen» in Villmergen gehörten neben dem ehemaligen Gasthof Ochsen in Sarmenstorf, dem «Sternen» in Boswil und dem «Einhorn» in Sins zu den ältesten Freiämter Wirtschaften, die in ihren Grundzügen bis in die Neuzeit erhalten geblieben sind. Ihre Ursprünge liegen laut historischen Untersuchungen schon im 13. Jahrhundert.

An die glorreichen Zeiten wird künftig noch die «Rössli»-Fassade erinnern. Sie blieb stehen und wurde in den Neubau integriert. Erhalten bleibt auch das in diese Vorderfront eingemauerte Relief mit dem Königsfelder Wappen und der Jahrzahl 1685. Die Tafel nimmt Bezug auf die früheren grundherrlichen Verhältnisse, bei denen die Aargauer Klöster eine wesentliche Rolle gespielt haben.

Die Überbauung «Am Dorfplatz» in Villmergen mit der ehemaligen Rössli-Fassade (links) sieht Ende Oktober so aus.

Die Überbauung «Am Dorfplatz» in Villmergen mit der ehemaligen Rössli-Fassade (links) sieht Ende Oktober so aus.

zvg

«Der bauliche Zustand der beiden Häuser hat es uns leider nicht erlaubt, sie zu erhalten», bedauerte Sari am nachgeholten Spatenstich. Mit dem Neubau wolle man sie nicht ersetzen, aber eine Ära fortsetzen:

«Unser Projekt soll dazu beitragen, das Zentrum von Villmergen zu beleben und neue, spannende Geschichten entstehen zu lassen.»

Mit dem Baufortschritt des von der Villmerger Xaver Meyer AG geplanten und umgesetzten Projekts ist er sehr zufrieden: «Wir haben die coronabedingte Verspätung praktisch aufgeholt. Wenn es weiterhin so gut läuft, können wir den Neubau allenfalls bereits im Frühsommer 2022 beziehen statt wie geplant im Herbst.»

Ahmed Sari sieht in der Überbauung am Dorfplatz, in die er – inklusive Erwerb von «Rössli» und «Ochsen» – rund 25 Mio. Franken investiert, ein zukunftsträchtiges Engagement. Deshalb ist ihm auch das geplante neue Restaurant wichtig: «Wir sind mit zwei konkreten Interessenten in Verhandlung, die dort eine Cafeteria mit Patisserie, Gelateria und allenfalls einer Bar einrichten wollen. Dabei legen wir grossen Wert auf ein Konzept, das längerfristig erfolgversprechend ist.»

Ein Projekt mit sehr vielen Herausforderungen

Alex Meyer, Geschäftsführer der Xaver Meyer AG, bezeichnete den Neubau als «ein Projekt mit grossen Herausforderungen.» Nicht nur, weil auch verschiedene Auflagen der Kantonalen Denkmalpflege hätten berücksichtigt werden müssen. Bisher sei alles rund gelaufen.

Heikel und aufwendig, erklärte Meyer, sei es nicht nur gewesen, die «Rössli»-Fassade zu erhalten. Auch beim Aushub der Tiefgeschosse entlang der stark befahrenen Kantonsstrasse sei grosse Umsicht nötig gewesen.

Zur Grundsteinlegung haben Ahmed Sari und Alex Meyer im zweiten Untergeschoss eine Zeitkapsel in den Boden eingemauert. Im verlöteten Messingrohr für die Nachwelt erhalten bleiben sollen dort eine Aargauer Tageszeitung vom Donnerstag, 28. Oktober 2021, die Baupläne des Projekts inklusive der Kostenvorschläge, eine Liste aller am Bau beteiligten Firmen sowie ein Kurzporträt des Investors.

Zufrieden an seiner Tabakpfeife gezogen hat am Festakt auch Xaver-Meyer-AG-Teamsenior Paul Meyer. Eine gute Zukunft des Villmerger Zentrums war für ihn stets ein grosses Anliegen, für die insbesondere auch in seiner langen Amtszeit als Gemeindeammann wichtige Weichen gestellt worden sind.

Auf das Projekt, an dessen Gestaltung er nicht unerheblich beteiligt ist, schaut er deshalb mit Genugtuung: «Damit wird neues Leben in unseren Dorfkern einkehren, der lange Zeit von vielen Unsicherheiten geprägt war.»

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