Villmergen
Sinnespark beim Altersheim nimmt Gestalt an – «Jung und Alt sollen spielerisch aktiv sein»

Mit dem Sinnespark möchte der Altersheim-Verein Obere Mühle in Villmergen ein Generationenprojekt schaffen. Die Bauarbeiten sind in vollem Gang und auf Kurs, wie ein Rundgang mit Vereinspräsident Mike Lauper zeigt.

Marc Ribolla
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Rund um das Alterszentrum Obere Mühle in Villmergen wird ein Sinnespark gebaut. Die Arbeiten haben vor wenigen Wochen begonnen.

Rund um das Alterszentrum Obere Mühle in Villmergen wird ein Sinnespark gebaut. Die Arbeiten haben vor wenigen Wochen begonnen.

Britta Gut

«Es wird danach fast ein bisschen wie im Tessin aussehen», schwärmt Mike Lauper. Er meint die bereits bestehende Pergola im oberen Eingangsbereich des Alterszentrums Obere Mühle in Villmergen. Auch die Pergola ist ein Teil des grossen Bauprojekts unter dem Namen «Sinnespark». Die Terrasse wird neu mit Hochbeeten und vielen zusätzlichen Blumen gemütlicher gestaltet.

Viel eindrücklicher ist jedoch, was im seitlichen und hinteren Bereich des Alterszentrums entsteht, wo die Bagger und Baumaschinen seit einigen Wochen am Werk sind. Unter anderem das Areal des ehemaligen Hirschgeheges verwandelt sich in eine Parklandschaft mit interaktiven Möglichkeiten für alle Generationen.

Dieser Bereich ist Naturschutzzone und darf nicht bebaut werden. Eine Expertin wird allerdings das beinahe ausgetrocknete Biotop wieder instand setzen, und von einem Holzsteg aus kann man dann die Fläche bewundern.

Dieser Bereich ist Naturschutzzone und darf nicht bebaut werden. Eine Expertin wird allerdings das beinahe ausgetrocknete Biotop wieder instand setzen, und von einem Holzsteg aus kann man dann die Fläche bewundern.

Britta Gut

Grünes Licht aus Aarau fürs Biotop wird bald erwartet

Das Projekt ist in zwei Phasen aufgeteilt, wie Mike Lauper bei einem Rundgang durch die Baustelle erklärt. «Mit der ersten sind wir bereits voll unterwegs, bei der zweiten sieht es ebenfalls gut aus», sagt er. Dort sei der geplante Naturgarten mit vergrössertem Biotop ganz am Rand des Geländes das «Pièce de Résistance» wegen der Natur- und Landwirtschaftszone, die tangiert wird.

Mike Lauper, Präsident des Altersheim-Vereins Villmergen/Dintikon.

Mike Lauper, Präsident des Altersheim-Vereins Villmergen/Dintikon.

Britta Gut

Lauper ist aber zuversichtlich bezüglich der Zustimmung des Kantons und meint:

«Mittlerweile wurde alles geregelt und wir erwarten praktisch täglich grünes Licht aus Aarau. Wohl noch diesen Monat.»

Gemäss Bauleiter Werner Meier ist die Bewilligung des Kantons in Aussicht gestellt worden. Trifft sie ein, kann der geplante Holzsteg im Naturgarten gebaut werden. Für diese Arbeiten würden Zivilschützer im Juni ihren WK dort leisten.

Der Villmerger Werner Meier ist Bauleiter des Sinnesparks.

Der Villmerger Werner Meier ist Bauleiter des Sinnesparks.

Britta Gut

Zur ersten Phase gehört die Kneippanlage, die schon im Bau ist und in die der Mühlebach integriert wird. Beratend zur Seite steht Albert Strebel, Ehrenpräsident des Kneipp-Vereins Muri-Freiamt. Mike Lauper sagt:

«Wir erhalten eine wunderschöne Barfussanlage, bei der man durch den Bach waten kann.»

Weil die Kneippanlage dort vor allem von betagteren Menschen benutzt werden dürfte, wird mit den Steinen der Emil Fischer AG ein spezieller Brunnen gebaut, der es auch Rollstuhlfahrenden ermöglicht, Arme und Füsse ins Wasser zu halten. Lauper erklärt: «Das ist zwar etwas teurer, aber diesen Mehrwert müssen wir uns erlauben.»

Der erste Aushub für die Kneippanlage ist gemacht. Diese wird am Ende auf Höhe des Teichs (links im Bild) sein.

Der erste Aushub für die Kneippanlage ist gemacht. Diese wird am Ende auf Höhe des Teichs (links im Bild) sein.

Britta Gut

Hirschunterstände werden für Alpakas, Geissen und Co. umgebaut

Nebst der Kneippanlage gehören auch der Kleintierpark und ein Pétanque­platz zur ersten Phase. Die bestehenden bisherigen Hirschunterstände werden in Stallungen für die neuen Alpakas sowie Zwerggeissen, Kaninchen und Hühner umgebaut.

Der Sinnespark entsteht.

Der Sinnespark entsteht.

Britta Gut

«Für unsere vier Hirsche haben wir eine gute Lösung gefunden. Sie wurden im März ins Gehege bei der Dottikon ES umgesiedelt», erzählt Lauper. Die Inspiration für den Kleintierpark habe ihnen die Klinik Barmelweid geliefert.

Zentrumsleiterin Marianne Busslinger nimmt acht Schildkröten auf.

Zentrumsleiterin Marianne Busslinger nimmt acht Schildkröten auf.

Britta Gut

Im Bereich der Cafeteriaterrasse werden zudem Schildkröten einziehen. Eine Aktion, die spontan entstanden ist. Obere-Mühle-Geschäftsführerin Marianne Busslinger sagt: «Ein Schildkrötenbesitzer aus der Region Aarau hat sich kürzlich bei uns gemeldet. Wir übernehmen nun acht seiner Tiere.»

Enge Zusammenarbeit mit der Stiftung Hopp-La

Das eigentliche Herzstück in der zweiten Phase, die bei optimalem Verlauf nächsten Monat starten kann, werden der Generationenspielpark und der Naturgarten sein. Die Ausstattung des Parks erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Stiftung Hopp-La, die sich für Bewegungs- und Gesundheitsförderung zwischen Generationen einsetzt.

Überall verteilt wird es verschiedene Geräte mit Bewegungs- oder Sinnesspielen geben. Mike Lauper erläutert: «Es sind nicht nur Geräte, bei denen einfach konsumiert wird, sondern wo interaktiv etwas geleistet werden muss. Jung und Alt sollen spielerisch etwas machen können, das passt hervorragend hierhin.»

Der Mühlebach ist für die Bauarbeiten vorläufig trockengelegt.

Der Mühlebach ist für die Bauarbeiten vorläufig trockengelegt.

Britta Gut

Stolz ist Lauper auch auf die kommende Zusammenarbeit mit dem Naturama in Aarau und dessen E-Learning-Plattform Expedio. Auf einem Parcours im Sinnespark können Schüler mittels QR-Codes an verschiedenen Stellen etwas über die Natur lernen. Das ehemalige Besucherchalet aus Lockdown-Zeiten ist bereits in den Park umgesiedelt und könnte als Schulungsraum für Schulklassen verwendet werden.

Dieses Häuschen wurde während Corona als Besucherhäuschen für die Angehörigen genutzt, in Zukunft soll es ein kleiner Schulungsraum für interessierte Schüler im Sinnespark werden.

Dieses Häuschen wurde während Corona als Besucherhäuschen für die Angehörigen genutzt, in Zukunft soll es ein kleiner Schulungsraum für interessierte Schüler im Sinnespark werden.

Britta Gut

Verläuft alles plangemäss, könnte schon im August die Kneippanlage eingeweiht werden, die Einweihung des ganzen Parks wäre im Frühling 2022. Obwohl viel gerodet werden musste, verspricht Lauper: «Jeder gerodete Baum wird wieder aufgeforstet, es wird nachher sogar mehr Bäume haben als vor dem Umbau.»

Für den Sinnespark generell und die Tierbetreuung wird ein Betriebskonzept erstellt. Es wird in der Grössenordnung einer Vollzeitstelle gerechnet. «Wir rechnen aber, dass sich ein gewisser Teil der Arbeit auch durch freiwillige Helfer abdecken lässt. Der Park sollte am Ende selbsttragend sein. Wir gehen aber zum Beispiel auch von einem grösseren Umsatz in der Gastronomie aus, den die Besucher generieren», sagt Lauper.

Die Übersichtskarte zum Sinnespark beim Alterszentrum Obere Mühle in Villmergen.

Die Übersichtskarte zum Sinnespark beim Alterszentrum Obere Mühle in Villmergen.

zvg
  1. Pergola: Neugestaltung der Terrasse mit Hochbeeten und vielen Blumen
  2. Kneippanlage: ein mit Handlauf gesicherter Barfuss- und Kneippweg in der Nähe des heutigen Entenweihers
  3. Mühlebach: natürliche Planschbecken im ökologisch angepassten Bachlauf
  4. Kinderspielplatz: erweiterter Kinderspielplatz mit Naturholz aus dem Villmerger Wald
  5. Pétanque-Anlage: zum spannenden Geschicklichkeitsspiel für jedes Alter
  6. Kleintierpark: mit Alpakas, Zwergziegen, Kaninchen und Hühnern
  7. Generationenspielpark: mit verschiedenen Geräten und Einrichtungen, die zu Spiel, Bildung und Geschicklichkeitsübungen anregen
  8. Naturgarten: mit Labyrinth, Insektenhotels sowie Stein- und Holzhaufen und Naturblumenwiese als Erlebniswelt.