Villmergen
Sesselrücken im Gemeinderat: Vizeammann Klemenz Hegglin ist nach 27 Amtsjahren abgewählt

Klemenz Hegglin muss seinen Sessel im Villmerger Gemeinderat ganz räumen. Neu in die Exekutive gewählt wurde an seiner Stelle der 38-jährige Daniel Füglistaler. Nachfolger Hegglins als Vizeammann wird Renato Sanvido.

Nathalie Wolgensinger
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Klemenz Hegglin ist nur noch bis Ende Jahr Vizeammann in Villmergen.

Klemenz Hegglin ist nur noch bis Ende Jahr Vizeammann in Villmergen.

Nathalie Wolgensinger

Deutlicher hätte das Resultat nicht sein können: Vizeammann Klemenz Hegglin (SP) erreichte magere 619 Stimmen, zum Vizeammann wählten ihn gerade mal 438 Villmergerinnen und Villmerger. Sein Herausforderer, der bisherige Gemeinderat Renato Sanvido (FDP), vereinigte 809 Stimmen auf sich. «Diese Deutlichkeit überrascht mich doch sehr», kommentiert Sanvido seine Wahl.

Klemenz Hegglin hingegen nimmt die Abwahl aus dem Gemeinderat und dem Amt des Vizeammanns sportlich, er sagt: «Es ist, wie es ist. Offenbar wünscht sich die Stimmbevölkerung einen jüngeren Rat und hat entsprechend gewählt.» Er habe sich nichts vorzuwerfen, blickt der 68-Jährige auf seine 27 Amtsjahre zurück. Er habe seine Ressorts stets gut geführt und sei bestens informiert gewesen.

Renato Sanvido wurde zum Vizeammann gewählt.

Renato Sanvido wurde zum Vizeammann gewählt.

zvg

Er macht aber auch keinen Hehl daraus, dass er gerne eine weitere Legislatur angehängt hätte. Dass nun jüngere Kräfte in den Rat gewählt worden seien, das sei absolut verständlich. Unverständnis hegt er hingegen für seinen Herausforderer Renato Sanvido: «Das hat mich enttäuscht, dass dieser Angriff von einem Ratskollegen kam.»

Dem 38-jährigen Daniel Füglistaler gelingt der Einzug

Dass man sich in Villmergen jüngere Kräfte wünscht, das zeichnete sich bereits im Wahlkampf ab. Mit Fabian Lupp (parteilos) und Daniel Füglistaler (parteilos) meldeten zwei junge Kandidaten ihre Ambitionen an und auch Daniel Duss (Die Mitte) wollte Verantwortung übernehmen. Gewählt wurde schliesslich Daniel Füglistaler (1186 Stimmen).

Sein Einzug in den Rat kam für viele unerwartet. Für den 38-Jährigen war die Wahl ebenfalls eine Überraschung. Er erzählt: «Ich habe mit meinem Vater eine gute Flasche Wein gewettet, dass es ganz bestimmt einen zweiten Wahlgang gibt.» Dass er bereits am Sonntagabend gemeinsam mit Familie und Freunden feiern und auf seine Wahl anstossen durfte, das freute den Handballer sehr.

Er werde sich für Villmergen einsetzen, das Dorf liege ihm am Herzen, erklärt er am Telefon. Es sei wohl nicht nur seine Jugend, die ihm zum Amt verholfen habe, vermutet er. Als Sohn eines engagierten Elternpaares kenne man ihn im Dorf und als engagierter Jungwächtler und Mitglied des letzten Jugendfest-OKs sei auch er gut vernetzt im Dorf.

Weitaus am wenigsten Stimmen vereinte die bisherige Gemeinderätin Rosmarie Schneider (SVP) auf sich. Mit 850 Stimmen nahm sie die Hürde des absoluten Mehrs von 785 Stimmen nur knapp.

Das beste Resultat in Villmergen erreichte hingegen René Schmidli (1405 Stimmen). Auch er gehört mit seinen 41 Jahren zu den jüngeren Ratsmitgliedern und fiel in den letzten Wochen auf Social Media mit seiner engagierten Werbung in eigener Sache positiv auf.

Der neue Vizeammann will Sparringpartner für Lütolf sein

Gemeindeammann Ueli Lütolf (Die Mitte) erhielt 1333 Stimmen. Er startet mit diesem guten Resultat in die neunte Amtsperiode. Mit 31 Amtsjahren gehört er zu den dienstältesten Gemeinderäten im Kanton Aargau. Lütolf betont immer wieder, dass er alles andere als amtsmüde sei.

Der 59-Jährige wurde 1990 in den Hilfiker Gemeinderat gewählt. Nach der Fusion mit Villmergen trat der Inhaber eines Kaminfegerbetriebes vorerst vom Amt zurück. 2010 liess er sich dann aber nochmals portieren und wurde zum Nachfolger des langjährigen Gemeindeammannes Paul Meyer gewählt.

In der neuen Amtsperiode steht ihm nun also Renato Sanvido als Vizeammann zur Seite. Dieser wiederum freut sich auf die neue Herausforderung. Er verstehe das Amt im Gegensatz zu seinem Vorgänger Klemenz Hegglin als eine Verpflichtung, gemeinsam zu gestalten und mitzuprägen, sagt er.

Er wolle dem Amme ein Sparringpartner sein. Nach zwei Legislaturen sei er zudem auch bereit, mehr Verantwortung im Gemeinderat zu tragen, sagt der 53-Jährige.

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