Villmergen
Das Aus für die Elektrotöffs: Der Enduro Fun Park liegt in der falschen Zone

Ende Oktober muss Marc Ryser seinen Enduro Fun Park schliessen. Die Rennstrecke im Garten hinter seinem Haus steht in der Landwirtschaftszone, eine Bewilligung für die Rennstrecke fehlt.

Nathalie Wolgensinger
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Lauschig gelegen und eine begehrte Trainingspiste für Töfffahrer: der Enduro Fun Park in Villmergen.

Lauschig gelegen und eine begehrte Trainingspiste für Töfffahrer: der Enduro Fun Park in Villmergen.

Nathalie Wolgensinger

Eine 560 Meter lange Rennstrecke, wie sie jeder Enduro-Fahrer gern daheim hätte, steht hinter Marc Rysers Wohnhaus in Villmergen. Der 61-Jährige hat sich dort, am südlichen Ortsrand von Villmergen, einen Traum erfüllt. Doch dieser scheint nun endgültig zu platzen.

Begonnen hat alles mit einer einfachen Piste, die er für sich und seinen Sohn einrichtete, um gemeinsam ihrem geliebten Hobby zu frönen. Die Strecke lockte bald einmal Freunde und Bekannte an. So wurde aus dem Freizeitspass der Enduro Fun Park, der ein wahres kleines Paradies für Biker ist. Ryser baute sein Angebot Stück für Stück aus. In den vergangenen Jahren strömten Jung und Alt nach Villmergen, um ihr Können auf der Piste unter Beweis zu stellen. Kindergeburtstage wurden hier gefeiert und Events für Firmen und Gruppen fanden statt.

Ende Oktober schliesst Marc Ryser den Park und wird die Piste zurückbauen.

Ende Oktober schliesst Marc Ryser den Park und wird die Piste zurückbauen.

Nathalie Wolgensinger

Diese Veranstaltungen waren beliebt und entsprechend gut besucht. Dass man von aussen praktisch nichts mitbekommt vom Betrieb, liegt daran, dass Ryser lautlose Elektrobikes zur Verfügung stellt. Aufgeladen wurden deren Akkus mit Sonnenenergie, die er auf dem 8000 Quadratmeter grossen Gelände selber produziert. Mit den Nachbarn pflegte Ryser ein gutes Einvernehmen. Er erzählt:

Hat bis zuletzt gehofft, dass er eine Bewilligung für seinen Enduro Fun Park erhält: Marc Ryser.

Hat bis zuletzt gehofft, dass er eine Bewilligung für seinen Enduro Fun Park erhält: Marc Ryser.

Nathalie Wolgensinger
«In all den Jahren habe ich kein einziges Mal eine Klage wegen Lärm erhalten. Im Gegenteil, die Nachbarn haben sich jeweils gewundert, dass sie praktisch keinen Ton hörten.»

Werbung musste Ryser keine machen. Er kommentiert: «Das hat sich herumgesprochen, dass hier neben dem Fahren auch die Gemütlichkeit und die Pflege der Kameradschaft einen hohen Stellenwert haben.»

Auch die Gemeinde liess ihn gewähren. Gemeindeammann Ueli Lütolf kommentiert: «Wir haben das zur Kenntnis genommen.» Doch damit ist nun Schluss.

Das Problem: Der Park liegt in der Landwirtschaftszone

Dass er mit seiner Anlage an einem heiklen Ort steht, das war Ryser durchaus bewusst. Das Haus und das Gelände des Enduro Fun Parks befinden sich in der Landwirtschaftszone. Und da liegt das grosse Problem. Vor zwei Jahren wurde die Abteilung für Baubewilligungen des Departements Bau, Verkehr und Umwelt auf den Enduro Fun Park aufmerksam.

Auf seiner Facebook-Seite schrieb Ryser damals: «Kein Lärm, keine Abgase, keine Nachbarn, mit Solarzellen geladen. Und Tausende zufriedene Kunden in den letzten vier Jahren. Grüne und alle anderen Parteien geben uns mit ihren Wahlplakaten zu verstehen, dass das der richtige Weg sei. CO2-neutral, Elektrofahrzeuge seien die Zukunft.»

Was er ahnte, ist nun Tatsache geworden. Daran änderte auch sein nachträglich eingereichtes Baugesuch nichts mehr. Dieses wurde abgewiesen. Der Kanton gewährte ihm eine Frist bis Ende 2020, um den Park zurückzubauen. Auch die Gemeinde Villmergen konnte nichts mehr erreichen. Ueli Lütolf sagt: «Der Park befindet sich ausserhalb des Baugebietes. Für eine Bewilligung ist der Kanton zuständig.»

Das Haus ist bereits verkauft, der Park wird zurückgebaut

Wegen der Coronapandemie wurde die Frist um ein Jahr verlängert. Er verfüge nicht über die notwendigen finanziellen Mittel, um einen Anwalt zu engagieren, um in dieser Sache weiterzukämpfen, sagt Ryser. Sein Haus hat er deshalb verkauft und zieht Ende Oktober aus. Die Rennpiste wird er bis dahin zurückbauen, wie dies der Kanton verlangt. Doch so richtig verstehen kann Ryser das alles nicht. Er sagt:

«Das ist der ideale Platz hier, das hat nie jemanden gestört, und nun muss ich weg, das kann doch nicht die Lösung sein!»

Vergeblich suchte er in den letzten Wochen ein Stück Land, auf dem er einen neuen Enduro Fun Park erstellen könnte. Bisher erhielt er nur Absagen. Dass er noch etwas finden wird, daran glaubt er schon gar nicht mehr. «Ich müsste ein Stück Land in der Gewerbezone finden, das ich bezahlen könnte. Das ist leider ein Ding der Unmöglichkeit.»