Das pastellgelbe Haus an der Ammerswilerstrasse 24 in Dottikon fällt im Quartier mit den vielen Einfamilienhäusern kaum auf. Hohe Mauern, Büsche und Bäume schützen die Bewohner vor neugierigen Blicken. Nur der grosse rostfarbene Stier auf dem Eingangstor ist aussergewöhnlich.

Aussergewöhnlich ist auch die Geschichte des Hauses: Es gehört Riccardo Santoro. Der bekannte Autohändler hatte in der Nachbargemeinde Dintikon Luxus-Karossen zu unschlagbaren Leasing-Konditionen vermittelt. Spitzensportler und Bonus-Millionäre gingen bei Santoro ein und aus.

Wer bei «Ricci» einen Ferrari leaste, konnte diesen vor Ablauf des Leasingvertrages zurückbringen und in einen neuen Flitzer steigen. Ein Eldorado für schnell gelangweilte Liebhaber exklusiver Boliden. Rund 4000 Leasingverträge soll Santoros SAR Premium Cars AG vermittelt haben, 2011 wurde ein Umsatz von 250 Millionen Franken angepeilt.

Daraus wurde nichts. 2011 kollabierte Santoros Imperium. Seither ermittelt die Justiz. Die az hat mehrfach darüber berichtet. Die Strafuntersuchung soll nun 2017 abgeschlossen werden.

Hallenbad, Sauna und Marmor

Riccardo Santoro lebt heute in Norditalien und verkauft wieder Autos. Und erlebt nun aus der Ferne, wie das Haus seiner Familie unter den Hammer kommt. Das Betreibungsamt Dottikon versteigert sein Anwesen, das derzeit vermietet ist, im nächsten Februar an den Meistbietenden – dies auf Begehren der Aargauischen Kantonalbank (AKB). Die AKB hatte die Villa finanziert und ist Gläubigerin des Autohändlers.

Ein Blick in die Unterlagen des Betreibungsamtes zeigt: Santoros Anwesen ist prunkvoll. Versteigert wird eine luxuriöse Villa mit Hallenbad, Sauna, Weinkeller, grosser Tiefgarage und schöner Gartenanlage.

Die Böden sind aus Marmor, in einigen Räumen gibt es Wandmalereien. Das Grundstück ist mit einer Überwachungsanlage gesichert. Das alles hat seinen Preis: Die Villa mit einer Netto-Wohnfläche von 241 Quadratmetern war 2010 für knapp 5 Millionen Franken gebaut worden. Heute schätzt das Betreibungsamt die Villa auf 3,25 Millionen Franken.

Ob das Anwesen bei der Versteigerung diesen Betrag erzielt, ist jedoch fraglich. Die prunkvolle Villa im Dorfkern passt nämlich nicht in das Wohnquartier mit den vielen, eher einfachen Einfamilienhäusern.

Zudem liegen gegenüber der Villa ältere Wohnblöcke, die laut Einschätzung des Betreibungsamtes «etwas störend» sind. Und: Der geschützte Privatbereich ist zwar ruhig, hat aber keine schöne Aussicht.

«Eine Verkäuflichkeit ist nicht einfach», schreibt der Schätzungsexperte in seiner Beurteilung zuhanden des Betreibungsamtes. Der hohe Ausbaustandard füge sich nicht in die Umgebung ein. «Für solche Wohnobjekte sollte die Lage stimmen, damit ein guter Verkaufspreis erzielt werden kann.»

Garagengebäude wird versteigert

Unter den Hammer kommt ein weiteres Gebäude, das Riccardo Santoro gehört: Werkstatt-, Büro- und Ausstellungsräume einer Autogarage an der Dottiker Bahnhofstrasse. Die Garage war 1996 gebaut worden und ist seit 2009 an die Garage Paris vermietet. Der Geschäftsbetrieb der Garage Paris als solcher wird nicht versteigert und ist nicht in den Fall involviert.

Das Dottiker Betreibungsamt schätzt den Wert des Garagengebäudes auf 630 000 Franken. Riccardo Santoros Stockwerkeigentum (Wertquote 666/1000) umfasst das Unter- und Erdgeschoss. Der Wohnbereich im Obergeschoss gehört nicht Santoro.

Auch beim Garagengebäude ist «die Verkäuflichkeit nicht einfach», wie das Betreibungsamt festhält. Das Grundstück sei an einer guten Lage, aber bereits voll ausgenutzt. Eine spätere Erweiterung sei nicht möglich.

Das Garagengebäude wird – wie Santoros Villa – am 21. Februar um 14 Uhr im Gemeindehaus versteigert – ebenfalls auf Verlangen der Aargauischen Kantonalbank.