Wohlen
Vier Trümpfe waren einfach vier zu viel

Der Wohler Amtsvormund Daniel Rohrer wollte im Appenzellerland seinen Titel als Jass-Champion im «Samschtig-Jass» verteidigen. Daraus wurde leider nichts. Rohrer schied aus. Aber er gewann wenigstens 100 Franken.

Jörg Baumann
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Daniel Rohrer (stehend) mit Nationalratspräsident Hansjörg Walter (links) — und «Samschtig-Jass»-Schiedsrichter Daniel Müller. jörg baumann

Daniel Rohrer (stehend) mit Nationalratspräsident Hansjörg Walter (links) — und «Samschtig-Jass»-Schiedsrichter Daniel Müller. jörg baumann

Über Nacht wurde Daniel Rohrer (51) aus Wohlen in der ganzen Deutschschweiz berühmt: als Jass-Champion in der Fernsehsendung «Samschtig-Jass». «Ich brauche viel Glück, wenn ich den Titel verteidigen will» – das wusste Rohrer schon im Voraus. «Denn der Differenzler-Jass», der im «Samschtig-Jass» gespielt wird, ist ein Spiel für Egoisten. Jeder schaut nur auf sich und will genau so viele Punkte erreichen, wie er angesagt hat.»

Was viele Fernsehzuschauer nicht wissen: Der «Samschtig-Jass» ist keine Livesendung. Die von der Altmeisterin Monika Fasnacht moderierte Fernsehshow wird am Vortag aufgezeichnet. Das Schweizer Fernsehen baute dafür in der Partyscheune Heutili in der Appenzeller Gemeinde Haslen auf 1000 Metern über Meer das kleinste Fernsehstudio der Schweiz auf.

Unruhig wurde Rohrer nicht

Die Proben für den «Samschtig-Jass» begannen für Daniel Rohrer schon am Freitagnachmittag. «Ich bin zwar zum ersten Mal am Fernsehen. Aber nervös machen lasse ich mich deswegen nicht», sagte er Champion.

Unruhig wurde er auch nicht, als die Aufnahmeleiterin den Durchlauf mehrere Male unterbrechen musste, weil da und dort noch nicht alles stimmte. Denn Rohrer war gut vorbereitet: «Ich jasse einmal im Monat mit Kollegen. Diese Jassrunde betrachtete ich als Trainingslager für den «Samschtig-Jass».

Die ganze Erfahrung nützte Daniel Rohrer schliesslich doch nichts. Er verlor seinen Titel als Champion gegen zwei Mitjasser, die null Punkte angesagt und diese auch erreicht hatten. Rohrer bekam schwierige Jasskarten. Trumpf war Kreuz. Rohrer hatte den Trumpfbauer mit drei weiteren Trümpfen in den Händen. Da half nur noch ein Stossgebet, etwas, was dem Kirchenpfleger Daniel Rohrer wenigstens nicht fremd ist.

Zum Beten verurteilt waren auch die beiden Schlachtenbummler Urs und Christian Meier, zwei Nachbarn aus Wohlen, die Rohrer bei seinem Auftritt in Haslen begleitet hatten. Rohrer mit seinen vier Trümpfen in den Händen versuchte das Unmögliche. Er sagte 90 Punkte an, aber verfehlte das Ziel um satte 20 Punkte. «Das ist auch schwierig mit vier Trümpfen. Deine Gegner hatten ein leichtes «Kart»: So versuchte Urs Meier Rohrer zu trösten. Auch die Moderatorin Monika Fasnacht und der Schiedsrichter Daniel Müller bestätigten, dass Rohrer auf einer «Mission Impossible» gewesen sei.

Leer geschluckt

Daniel Rohrer musste nach der Aufzeichnung erst einmal leer schlucken. Nur zu gerne wäre er wieder Jass-Champion geworden. Aber ein Trost blieb ihm: «Ich bin um eine Erfahrung reicher.» Immerhin traf der Wohler Jasser im ad hoc aufgebauten Fernsehstudio einen der momentan prominentesten Schweizer Politiker: den Nationalratspräsidenten und gescheiterten Bundesratskandidaten Hansjörg Walter (SVP).

Der Nationalratspräsident war am Freitagmorgen noch in einer offiziellen Mission beim Fürsten von Liechtenstein unterwegs gewesen. Am Nachmittag fand er Zeit und Musse, sich an den Jasstisch zu setzen. «Ich bin kein besonders guter Jasser. Es hat unter meinen Kollegen sicher bessere», meinte Walter. Das war gelinde gesagt untertrieben: Walter schlug sich hervorragend.

Mit Walter über die Olma und Politik gesprochen

«Ich finde Hansjörg Walter sehr sympathisch», sagte Rohrer. «Er gab sich völlig ungezwungen. Ich konnte mit ihm über die Olma und die Politik sprechen.» Walter, sonst eher ein wortkarger Mensch, der seine Worte vorsichtig abwägt, erfand in der Sendung ein Bonmot, das an die träfen Sprüche von alt Bundesrat Adolf Ogi erinnerte: «In der Politik wird zu viel gemischelt und zu wenig gejasst.» Monika Fasnacht nützte die Chance, um Walter über seine Meinung zum Fall Philipp Hildebrand auszufragen. Walter gab das preis, was er dazu sagen wollte, und schwieg sonst – ganz der geschulte Taktiker – beredt.

Im Fernstudio begegnete Daniel Rohrer auch der Radio- und Fernsehmitarbeiterin Anna Maier. Diese tritt in der nächsten «Samschtig-Jass»-Sendung am 28. Januar auf, die ebenfalls am Freitag aufgezeichnet wurde. Von Anna Maier erfuhr Rohrer, dass diese eine halbe Wohlerin ist. Sie ist nämlich mit dem Piloten Urs Bruggisser aus Anglikon verheiratet. So fand das Jassabenteuer, das der «ganze Wohler» Daniel Rohrer erlebte, doch noch einen versöhnlichen Abschluss.