Im Freiamt gibt es Olympiateilnehmer, von denen kaum jemand weiss. Das liegt daran, dass sie geistig oder mehrfach behindert sind. Deswegen sind sie aber nicht weniger motiviert als die Spitzensportler der regulären Olympischen Spiele.

Im Gegenteil, ihnen sieht man die Freude über die Nomination noch viel mehr an als all den grossen Namen. Drei Freiämter Sportlerinnen und ein Sportler plus zwei Trainer wurden nominiert, im März an den World Games oder Special Olympics in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten teilzunehmen. Dafür haben sie jetzt ihr Trainingspensum erhöht. Die AZ Freiamt hat sie besucht.

Er will den orangen Gürtel

Der Waltenschwiler Markus Schaarschmidt trainiert zweimal wöchentlich im Judo & Aikido Club Wohlen: einmal mit anderen Sportlern mit Behinderung, einmal mit solchen ohne. Er kam vor acht Jahren zum Judo, als er einem Freund beim Training zuschaute. «Mir gefällt das Kämpfen, und ich finde es toll, dass ich hier lerne, mich zu wehren, falls mich jemand angreift», sagt der 20-Jährige. Er trägt den gelben Gürtel, für die Spiele will er sich aber den Prüfungen für den orangen stellen. «Auf Abu Dhabi freue ich mich sehr. Vor allem auch, einmal ohne Eltern wegzufahren. Ich bin aber schon ein bisschen nervös.»

Seine Trainerin, Barbara Bortoluzzi, ist überzeugt, dass er das schafft. Sie erklärt, was bei den Special Olympics anders ist: «Es wird normal gekämpft, jedoch mit ein wenig eingeschränkten Regeln. Man darf sich nicht im Nackenbereich berühren, da es gerade bei Menschen mit Down-Syndrom vorkommen kann, dass sie zwischen den obersten Wirbeln eine Lücke aufweisen. Wenn man sie dort trifft, besteht das Risiko einer Tetraplegie. Abgesehen davon gelten aber die normalen Judo-Regeln.» Allerdings werde viel weniger verbissen gekämpft. Mit einem Lächeln fügt sie hinzu: «Bei den Special Olympics freuen sich die Teilnehmer so, dass man oft gar nicht merkt, wer gewonnen und wer verloren hat. Sie jubeln einfach alle.» Schaarschmidt arbeitet in der Kantine der Integra, der Stiftung für Menschen mit Behinderung im Freiamt. «Dort muss ich nicht einmal Ferien drangeben, wenn ich zu den Special Olympics fahre», freut er sich. Auch seine Trainerin ist begeistert: «Die Integra findet, solche Leistungen seien ähnlich zu bewerten wie die Arbeit, die ihre Klienten sonst täglich leisten. Und das unterstützt die Institution grosszügig. Das finde ich wirklich schön.»

Sie schwimmt erstmals im Ausland

Die 25-jährige Elome Elshani aus Dottikon tritt zusammen mit ihren Teamkollegen Elke Lindig aus Sarmenstorf, die derzeit in Australien ist, und Sophia Hütter aus Niederrohrdorf in Abu Dhabi an. Sie sind Mitglieder des Behindertensportclubs Wohlen-Lenzburg und werden von Guido Hufschmid trainiert, der mit ihnen an die Special Olympics fahren wird. Elshani erklärt den Wettbewerb: «Wir schwimmen 25 Meter Brust, 50 Meter Crawl und 25 Meter Staffel. Aber das Brustschwimmen mag ich am liebsten.»

Hierbei zählt jedoch nicht einfach, wer der Schnellste ist. Hufschmid verdeutlicht: «Als Qualifikation gibt es bei uns immer ein Divisioning. Das bedeutet: Jeder Schwimmer schwimmt die angegebene Distanz auf Zeit, so werden alle Schwimmer in Stärkegruppen eingeteilt. Beim Wettkampf zählt dann, wer innerhalb der Gruppe am schnellsten ist. Wer allerdings mehr als 15 % schneller ist als bei der Qualifikation, ist disqualifiziert. So erreicht man, dass die Schwimmer immer ihr Bestes geben und in der Qualifikation nicht extra langsamer schwimmen, um in eine schwächere Gruppe zu kommen und dort dann zu gewinnen.» Das sei beim Schwimmen eine sehr gute Sache. Beim Langlaufen sei es aber schon passiert, dass die Qualifikation bei schlechtem Wetter stattfand, das Rennen aber bei gutem. «Da wurden viele Läufer disqualifiziert, obwohl sie nichts dafür konnten. Aber so ist das halt.»

Elshani arbeitet in der Wäscherei eines Altersheims und trainiert dreimal pro Woche. «Mir machen vor allem die Bewegung und die Fortschritte, die ich erziele, Spass. Ich freue mich riesig auf Abu Dhabi.» Sie war noch nie an einem Wettbewerb im Ausland.

Sie fährt seit über 20 Jahren

Die 38-jährige Claudia Schmidt aus Bremgarten will im Radfahren punkten. Auch sie tritt mit Teamkollegen aus dem Behindertensportclub Wohlen-Lenzburg an: Doris Steiner aus Holziken und Florenz Tanner aus Lenzburg. Trainiert und begleitet werden sie von Kari Schmidt, Claudias Vater, der neben den Aargauer Radfahrern auch die Walliser Langläufer trainiert. Sie fahren 2-Kilometer- und 5-Kilometer-Zeitfahren sowie ein 5-Kilometer-Strassenrennen in der Gruppe. Auch hier entscheidet ein Divisioning über die Startgruppe. «Ich fahre seit über 20 Jahren Velo», erzählt Claudia Schmidt. Sie trainiert drei- bis viermal pro Woche und arbeitet, wie Schaarschmidt, in der Integra Wohlen, allerdings in der Wäscherei. Auch sie freut sich sehr auf Abu Dhabi. «Ein bisschen aufgeregt bin ich schon, aber ich fahre ja mit meinen Freunden und meinem Vater, da wird das sicher super.»

Kari Schmidt erklärt: «Wir hatten ein Kontingent von drei Rad-Startplätzen, drei weitere erhielten die Berner. Meine Kriterien waren neben den Leistungen, wer am längsten dabei ist, am fleissigsten in den Trainings erscheint und die meisten Wettkämpfe absolviert hat. Ausserdem dürfen die Teilnehmer keine Flugangst haben.» Eine 50-prozentige Frauenquote sei wünschbar. «Da die Berner drei Männer mitnehmen, fand ich, gehen wir mit zwei Frauen und einem Mann.» Die AZ Freiamt wird die Sportler kurz vor den Games nochmals besuchen.