Bremgarten/Wohlen
Viel Verkehr um die Bahnsanierung

Die Strecke zwischen Bremgarten West und Erdmannlistein wird komplett saniert. Innerhalb von fünf Wochen werden auf der drei Kilometer langen Strecken Gleise, Trassee und Fahrleitungen ausgetauscht. Es ist die erste Etappe eines grösseren Projekts, das voraussichtlich bis 2018 dauert.

Dominic Kobelt
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Sie hoffen im Sommer auf gutes Wetter, damit die Bauarbeiten rasch vorankommen (v.l.): André Baumann (Projektleiter), Walter Oettli (stv. Direktor BDWM), Michelle Badertscher (Bauleitung) und Markus Burgherr (Bauingenieur). Dominic Kobelt

Sie hoffen im Sommer auf gutes Wetter, damit die Bauarbeiten rasch vorankommen (v.l.): André Baumann (Projektleiter), Walter Oettli (stv. Direktor BDWM), Michelle Badertscher (Bauleitung) und Markus Burgherr (Bauingenieur). Dominic Kobelt

Dreieinhalb Minuten hat die Bremgarten-Dietikon-Bahn vom Bahnhof Bremgarten West bis zur Haltestelle Erdmannlistein. «Für mich eine sehr lange Fahrt», sagt André Baumann von der Implenia AG. Er ist Projektleiter und in den kommenden Sommerferien dafür verantwortlich, dass auf der drei Kilometer langen Strecke Gleise, Trassee und Fahrleitungen ausgetauscht werden – ein ambitionierter Zeitplan.

Damit die Arbeiten in den fünf Wochen bewältigt werden können, sind pro Tag bis zu 150 Mitarbeiter auf dem Platz, kommen bis zu 40 schwere Baumaschinen zum Einsatz und transportieren rund 600 Lastwagen das Material – in den Spitzenzeiten kommt oder geht also alle zwei Minuten ein Lastwagen. «Die Erschliessung der Baustelle ist eine der grössten Herausforderungen», erklärt Bauingenieur Markus Burgherr. Momentan werden die Waldwege verstärkt, damit sie für die zusätzliche Belastung gerüstet sind.

Dreischienengleis verschwindet

Die Bauarbeiten, die am 1. Juli beginnen, sind die erste Etappe eines noch grösseren Projekts, das voraussichtlich bis 2018 dauert. In den drei Jahren sind die sechs Kilometer zwischen den Bahnhöfen Wohlen und Bremgarten West jeweils für fünf Wochen gesperrt. Bis vor wenigen Jahren diente das über hundertjährige Trassee nicht nur der BDWM, die SBB nutzten die Strecke für Gütertransporte. Dies bedingte ein sogenanntes Dreischienengleis, denn die BDWM fährt auf einer schmaleren Spur, als sie die SBB benutzen.

Die Entfernung dieses Dreischienengleises ist aber nicht der einzige Grund für die Streckensanierung – die Schienen haben sich grundlegend verändert. «Früher wurden sie mit Laschen zusammengehalten und hatten Spiel, damit sie sich bei heissen Temperaturen ausdehnen konnten. Durch den Spielraum zwischen den Schienenstücken entstand auch das bekannte ‹Eisenbahngeräusch›, das heute nicht mehr zu vernehmen ist, weil die Schienen geschweisst werden», erklärt Burgherr. Dadurch dehnen sich die Schienen unter starker Sonnenbestrahlung aber mehr zur Seite aus. Die Folge: «Durch den Druck der Schienen ist das Trassee an manchen Stellen zu schmal», so Burgherr.

Deshalb wird es etwa 40 cm abgetragen und dadurch verbreitert. Aufgrund der schmalen Dämme rutschte der Bahnschotter zudem über die Böschungen ab, die seitliche Halterung der Schienen ist an exponierten Stellen ungenügend. Auch die Entwässerung des Bahntrassees ist nicht überall gut, was an manchen Stellen zu einer Aufweichung des Untergrundes geführt hat. Neu wird unter den Schienen eine Sperrschicht verlegt, die das Versickern des Wassers verhindert. Entwässerungsleitungen und 40 Schächte werden das Wasser ableiten. «Im Bereich der Schutzzonen der Grundwasserfassung im Wald zwischen Bremgarten und Wohlen müssen wir der Abdichtung des Bahntrassees besondere Aufmerksamkeit schenken», erklärt Burgherr weiter.

Längere Züge und Haltestellen

Die Arbeiten erfordern gutes Wetter. «Wenn es zu viel regnet, müssen wir die Arbeiten unterbrechen, damit die Qualität gewährleistet werden kann», erklärt Walter Oettli, stv. Direktor bei der BDWM. Die Sanierung, die insgesamt rund 38 Mio. Franken kostet, soll ein Werk sein, das über Jahrzehnte hält. «Reserven haben wir keine eingeplant – im schlimmsten Fall würde die Streckensperrung noch ein bis zwei Tage länger dauern», sagt Oettli. Während der fünf Wochen verkehren Ersatzbusse (siehe Kontext).

Die Haltestelle Erdmannlistein wird im Zuge der Sanierungsarbeiten umgebaut, Wohlen-Oberdorf soll in einer späteren Etappe folgen. Bis anhin waren die Haltestellen für den zukünftigen Betrieb mit längeren Zügen zu kurz. Die BDWM möchte Dreifachtraktionen mit einer Länge von 105 Metern einsetzen.

Zudem sollen die Haltestellen behindertengerecht werden. Es ist geplant, diejenige in Wohlen Oberdorf bergwärts zu verschieben, damit die Fahrgäste nicht mehr auf der Strasse aussteigen müssen. Der Ausbau ist vergleichbar mit den Haltestellen Zufikon und Heinrüti. In dem Verfahren sind allerdings noch zwei Einsprachen hängig.

Ebenfalls noch offen ist das Plangenehmigungsverfahren für den Umbau des Bahnhofs Bremgarten-West, die Unterlagen wurden im letzten Sommer eingereicht, die Fertigstellung ist auf 2018 geplant. Auch die Fahrleitungsanlage entspricht nicht den heutigen Anforderungen und muss für den zukünftigen Betrieb mit mehr und längeren Zügen verstärkt werden. Als letzter Punkt auf der Liste der Sanierungsgründe steht die Sicherungsanlage. Sie ist veraltet und muss ersetzt werden.

Können denn die Züge auf den neuen Gleisen auch schneller fahren? «Ja, bis jetzt war die Höchstgeschwindigkeit 70 km/h, künftig dürfen wir mit 80 km/h unterwegs sein», sagt Oettli.