Dicker Nebel hängt über dem Reusstal, als sich die Schüler frühmorgens in Rottenschwil treffen. Ihre Mission für die kommenden Tage: das Reusstal zu pflegen, damit seltene Tier- und Pflanzenarten weiterhin bestehen bleiben. Das klingt wie eine kinderleichte Aufgabe, doch bald stellt sich heraus: Die Arbeit hat es in sich.

Rund sechs Stunden lang häufen die Schüler unter der Anleitung von Gerhard Vonwil, Mitarbeiter des Unterhaltsdienstes, geschnittenes Schilf und Gras zu Hügeln. Diese stossen sie daraufhin in die Reuss und lassen sie bis zum Stauwehr Bremgarten-Zufikon treiben. Eine monotone Arbeit im Sinne der natürlichen Vielfalt.

Natur sich selber überlassen?

Schon bald fragen sich die ersten Schüler, wozu sie das überhaupt machen. «Wir sollten die Natur doch einfach sich selbst überlassen», meint einer. Prompt kommt die belehrende Antwort Vonwils: «Die Menschen beeinflussten die Reuss-ebene seit Jahrhunderten. Leider ist sie heute alles andere als naturbelassen». Deshalb sei es essenziell, dass sich die Menschen um sie kümmern. «Sonst verwaldet alles und viele Tiere würden ihre Brutplätze verlieren».

Am Ende des ersten Tages blicken alle erschöpft, aber stolz, auf die erledigte Arbeit. «Es ist ein tolles Gefühl, wenn man etwas Gemeinnütziges geleistet hat», sagt der Drittklässler Dorian Hyde. Allerdings lernen die Schüler auch die frustrierende Seite des Naturschutzes kennen: Sie arbeiten zwar fünf Tage lang, doch ist dieser Einsatz lediglich ein Tropfen auf den heissen Stein. Ihr Einsatz deckt nur einen Bruchteil der 2300 Hektar grossen Reussebene ab. Und sie lernen praktisch: Naturschutz ist ein Kampf, der nie endet. Jedes Jahr wächst das Schilf nach und die Arbeit beginnt wieder bei Null.

«Sensibilisierung ist wichtig»

«Wenn sich externe Leute für den Naturschutz einsetzen, ist das eine grosse Hilfe», erklärt Eddie Weibel vom Unterhaltsdienst. Die Sensibilisierung der Menschen für die Umwelt stehe dabei ebenso im Vordergrund wie die Arbeit selbst.

Damit die Schüler nicht komplett von ihren gewohnten Schulzimmern getrennt sind, gab es während der Woche mehrere Vorträge. So informierte der Rottenschwiler Biologe Goran Dusej über Reptilien in der Schweiz. Besonders die Schlangen faszinierten die Schüler – sie erfuhren: Alle Schweizer Schlangen mit schlitzartigen Pupillen sind giftig, jene mit runden nicht. Trotz dieses Wissens waren die Meisten wohl froh, dass sie während der Woche keiner Schlange begegnet sind.