Beinwil
Viehausstellung auf dem Horben: «Muuuh miteinander, ich bin Elea»

Die 44. Braunviehausstellung auf dem Horben lockte nicht nur Bauersleute an. Ein Bericht aus Sicht von Kuh Elea.

Eddy Schambron
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44. Braunviehausstellung auf dem Horben
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Vor der Auktion werden die Tiere von den Bauern genau begutachtet.
Wie hoch steigt der Preis?

44. Braunviehausstellung auf dem Horben

Eddy Schambron

Ich heisse Elea. Ich komme jetzt in einen neuen Stall. Mein Bauer hat mich am Mittwoch auf der Braunviehauktion auf dem Horben verkauft. Ob mir das etwas ausmacht? Nun, mir hats am alten Ort eigentlich gefallen. Aber mein Bauer wollte mich loswerden, obwohl wir immer ein gutes Verhältnis hatten. So ist das Leben als Kuh nun mal. Familie verliere ich durch den Umzug nicht wirklich. Meinen Vater – Scherma Blooming Biver, was für ein stolzer Name! – habe ich nie persönlich kennen gelernt.

Ich weiss einfach: Ich habe viele, viele Geschwister, die ich aber auch nicht kenne. Gut möglich, dass ich eines von ihnen zufällig im neuen Stall kennen lerne. Jetzt ist meine Gefühlslage durchzogen: Einerseits herrscht etwas Wehmut, weil ich meine angestammte Wiese verlassen muss, andererseits auch Vorfreude auf den neuen Ort, auf neue Begegnungen, neue Wiesen.

Mir gefällt es, wenn man mich am Kopf streichelt. Das hat mein Vorbesitzer immer mal gemacht. Was ich gar nicht mag, ist, wenn man mir auf den Hintern tätschelt. Nach der ganzen «MeToo»-Debatte sollte das eigentlich kein Thema mehr sein. Aber die Bauern machen das an der Auktion in aller Öffentlichkeit, zum Beispiel dann, wenn wir im Ring nicht weitergehen, sondern die vielen Leute ansehen wollen. Die beobachten uns schliesslich auch ziemlich ungeniert. Zum Glück haben uns die Bauern hübsch zurechtgemacht. Wir sind sauber und adrett, ohne aufgedonnert zu wirken. Mein Bauer hat am Morgen im Stall mein ganzes Fell gestriegelt. Das hat mir richtig gut getan. Vielleicht ist auch deshalb mein Preis auf 3500 Franken hochgeklettert. Klar, es gibt noch andere Schöne und Gute. Aber man sollte uns nicht einfach aufs Euter reduzieren!

Der Mann da vorne am Mikrofon, das ist ein toller Kerl. Bruno Furrer heisst er, und sie sagen ihm – vielleicht ein Übername – auch Gantrufer. Er muht nicht einfach in der Gegend rum, sondern lockt die Leute mit seinem geschliffenen Mundwerk. Und er tut so, als würde er uns alle persönlich kennen, was natürlich nicht stimmt. Ich jedenfalls hatte vorher nie mit ihm das Vergnügen. Aber wenn ich ihn mir vom Ring aus so ansehe, denke ich, wäre das ein Stier und kein Mensch, mit dem würde ich auch gerne allein auf der grünen Wiese sein. Über mich hat der Gantrufer gesagt: «Sie ist eine der besten an diesem Tag.» Das hat mir schon sehr geschmeichelt.

Mein neuer Bauer wird mit mir zufrieden sein. Ich kann mit schönen Massen aufwarten und bin voll motiviert. Ich frage mich nur, ob ich als Braune in einen Stall nur mit Braunen kommen werde oder ob da auch andere stehen. Die schwarz-weissen Kolleginnen gefallen mir nämlich auch, und ich habe keine Berührungsängste mit Andersfarbigen. Wir leben schliesslich längst in einer Multikulti-Welt, was ich persönlich eher als Bereicherung denn als Problem sehe. Oder würden Sie, Hand aufs Herz, einen Unterschied zwischen der Milch einer Braunen oder einer Schwarzweissen sehen oder schmecken? Eben.

Am Mittwoch wurden gegen 30 meiner Art aufgeführt, wobei das Hauptaugenmerk auf den ganz Jungen lag. Hugo Abt, der Präsident von Braunvieh Aargau, zeigte sich zufrieden, dass die Auktion durchgeführt werden konnte. Eine Zeit lang war nämlich nicht so sicher, ob dieser Freiämter Traditionsanlass eine Zukunft haben würde. Auch ich bin zufrieden. Eigentlich habe ich nur einen Wunsch, neben frischem Frühlingsgras selbstverständlich: dass der Milchpreis steigt und der Metzgpreis sinkt.

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