Wohlen

Verwaltungsratshonorare zur Hälfte in die Gemeindekasse?

Die Geschäftsprüfungskommission des Einwohnerrats ist dafür, dass die zwei Gemeinderäte, die im Verwaltungsrat der IB Wohlen AG sind, die Hälfte für ihres Honorars in die Gemeindekasse abliefern. Der Gemeinderat ist dagegen.

Die beiden Gemeinderäte, die im Verwaltungsrat der IB Wohlen AG sitzen, erhalten für ihr Mandat beim lokalen Energieversorger eine Entschädigung von je 16 250 Franken pro Jahr. Geht es nach einer überparteilichen Arbeitsgruppe, die sich mit den Entschädigungen für Gemeinderäte, Gemeindeammann und weitere Behördenmitglieder befasst hat, sollen sie künftig die Hälfte davon in die Gemeindekasse abliefern.

Diese Forderung, die seit der Präsentation der entsprechenden Vorlage am 15. Januar bekannt ist, unterstützt auch die Geschäftsprüfungskommission des Einwohnerrats (GPK). An ihrer letzten Sitzung sprach sich die GPK mit 4 zu 1 Stimmen für den Vorschlag der Arbeitsgruppe aus. Den Antrag des Gemeinderats, die Entschädigungen sollten wie bisher vollständig den beiden Ratsmitgliedern zukommen, lehnte die GPK mit dem gleichen Stimmenverhältnis ab.

Verwaltungsrat von Amtes wegen

«Die Kommission hat sich der Meinung der Arbeitsgruppe angeschlossen», sagt GPK-Vizepräsident Franz Wille (CVP). Die Mehrheit der Kommission sei der Meinung, der Globalbetrag von 60 000 Franken, der im Gemeinderat je nach Arbeitsbelastung aufgeteilt werden kann, biete die Möglichkeit, zusätzlichen Aufwand einzelner Ratsmitglieder auszugleichen. «Es ist ja nicht so, dass die Gemeinderatsvertreter aufgrund ihrer Leistungen oder Kompetenz in den Verwaltungsrat der IBW gewählt werden», hält GPK-Mitglied Thomas Geissmann (FDP) fest. Vielmehr
gehörten zwei Gemeinderäte von Amtes wegen dem IBW-Verwaltungsrat an. Diese Quotenregelung sei ein Unterschied zur Privatwirtschaft, betont Geissmann. «Deshalb hält es die Mehrheit der GPK für vertretbar, dass die Gemeinderäte die Hälfte des VR-Honorars in die Gemeindekasse abliefern», schliesst der Freisinnige.

Gemeinderat gegen den Vorschlag

Der entsprechende Antrag wird an der nächsten Einwohnerratssitzung vom 25. Februar behandelt. Der Gemeinderat ist gegen diesen Vorschlag und beantragt, die bisherige Regelung beizubehalten. «Sämtliche Mitglieder des Verwaltungsrats der IB Wohlen AG sollen als Verantwortungsträger gleich behandelt werden und das ihnen zustehende Verwaltungsratshonorar behalten können», schreibt er zur Begründung.

Der Wohler Gemeinderat ergänzt, es gelte zu berücksichtigen, «dass die Stadträte in jenen Städten, wo sie einen Teil ihrer Verwaltungsratshonorare in die Stadtkasse abzuliefern haben, eine höhere Basisentschädigung erhalten, als in Wohlen.» Diese beträgt für einen Gemeinderat in Wohlen 25 000 Franken pro Jahr.

Aarau hat dieselbe Regelung

Aarau kennt die Regelung, die in Wohlen nun eingeführt werden soll, seit einigen Jahren. Stadtammann Marcel Guignard und Stadtrat Beat Blattner, die derzeit im Verwaltungsrat der IB Aarau sitzen, müssen demnach die Hälfte ihres Honorars in die Stadtkasse abliefern. Ein Aarauer Stadtrat wird mit 55 000 Franken pro Jahr aber deutlich besser entschädigt als ein Wohler Gemeinderat.

In Lenzburg dürfen die zwei Stadträte, die im Verwaltungsrat der Stadtwerke (SWL) sitzen, ihr Honorar behalten. «Ein Gemeinderat erhält für sein Amt pro Jahr 39 000 Franken, das Verwaltungsratsmandat wird mit 15 000 bis 20 000 Franken entschädigt», sagt Stadtschreiber Daniel Hug.

Meistgesehen

Artboard 1