Bremgarten
Versuchte Brandstiftung und Anabolika-Handel: Gefängnis für Bodybuilder

Der 33-Jährige, der sein Fitness-Center im Villmergen abfackeln wollte, hat vom Bezirksgericht Bremgarten eine dreijährige Gefängnisstrafe aufgebrummt erhalten. Die Hälfte zumindest muss er absitzen.

Aline Wüst
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Im Fitness-Studio wurde mit diesen illegal hergestellten Anabolika und Potenzmitteln gehandelt. KAPO

Im Fitness-Studio wurde mit diesen illegal hergestellten Anabolika und Potenzmitteln gehandelt. KAPO

Das Fitness-Studio war Daniels Familie (Name geändert). Er ernährte sich von Fleisch und Salat, wog 120 Kilogramm und spritzte sich alle fünf Tage Anabolika – das war 2010 die Welt des Bodybuilders.

Zwei Jahre später wollte er nur noch raus aus dieser Welt und heuerte jemanden an, der sein Fitnessstudio in Villmergen anzünden sollte. Die Versicherungssumme von über einer halben Million Franken sollte den Start in ein neues Leben verheissen.

Gestern stand der 33-jährige Daniel vor den Richtern in Bremgarten und erzählte seine Geschichte. Er kassierte eine dreijährige Freiheitsstrafe. Die Hälfte davon muss er im Gefängnis absitzen.

Traum vom eigenen Studio

2011 hatte Daniel seinen Job in der Chemie satt, wollte endlich tun, was ihm Spass macht. Über Umwege lernte er den Besitzer des Villmerger Fitness-Centers kennen, der sein Geschäft verkaufen wollte – Daniel kaufte es. Sein Traum wurde wahr.

Übernommen hatte er von seinem Vorgänger allerdings nicht nur eine 800 Quadratmeter grosse Fläche mit Fitnessgeräten, sondern noch ein paar «VIP-Kunden». Darunter auch S., der legal Eiweiss-Präparate verkauft und illegal Anabolika und Potenzmittel. Die illegalen Geschäfte machten den IV-Bezüger so reich, dass in seiner Garage gleich fünf Luxusautos standen. Auch Bargeld im Wert von 1,5 Millionen Franken wurde bei ihm gefunden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn.

Das Fitnessstudio in Villmergen wurde zum Drehpunkt für den Handel mit illegalen Substanzen. Hier traf sich S. mit Grosskunden. Wenn er nicht da war, übernahm Daniel die Übergabe von Anabolika im Tausch gegen Bargeld. Unzählige Fläschchen und Ampullen lagerten in den Kühlschränken des Fitnessstudios.

Daniel bekam von S. zwei zinslose Darlehen über 27 500 Franken in bar. Für die Staatsanwaltschaft ist klar, dass dies nicht Darlehen, sondern Daniels Lohn war.

Gefährliche Nebenwirkungen

Alle vertriebenen Substanzen, darunter winzige rosarote, herzförmige Tabletten, sind verschreibungspflichtig, nicht zugelassen und stark gesundheitsgefährdend.

Gerichtspräsident Lukas Trost las Daniel eine lange Liste von möglichen Nebenwirkungen vor: Leberschäden, Depression, Hepatitis, Schlaganfall, Wachstum von Brüsten und Schrumpfen der Hoden. «Haben Sie keine Angst gehabt?», fragte er. Daniel erzählte, dass sich auch bei ihm die Haut verfärbte und die Hoden schrumpften, aber wenn man den Erfolg beim Sport sehe, sei das egal.

Doch dann lief das Studio immer schlechter. Die normalen Kunden schreckte der offensichtliche Handel mit illegalen Substanzen im Studio zusehends ab. Daniel sagt, er sei damals unter Druck gesetzt worden von Männern, die «so breit wie hoch» gewesen seien. «Ich bin nicht so hart, wie ich aussehe», sagte der ehemalige Bodybuilder vor Gericht. Er habe Angst gehabt, nicht mehr weitergewusst, habe einfach nur sein altes Leben zurückgewollt.

Was dann passiert ist, schilderte sein Verteidiger so: Daniel sagte zu einem Kollegen: «Ich habe die Schnauze voll.» Kollege: «Warum zünden wir das Center nicht an. Ich bin ein Jugo, ich kann das.» Daniel: «Du würdest es machen?» Kollege: «Nein, aber Freunde von mir.» Daniel: «Mach doch, mir ist alles egal.» Der Staatsanwalt hingegen ist überzeugt, dass alles von langer Hand geplant war. Daniel sei bloss zu feige gewesen, die Tat selber auszuführen. So oder so: Das Haus brannte nicht – obwohl die nach wie vor unbekannte Täterschaft im April 2012 rund 15 Liter Treibstoff im Studio auskippte, ein Frotteetuch an einer Hantelstange befestigte und dieses anzündete.

Trotzdem erstattete Daniel Anzeige, mimte den Unwissenden. Die Polizei kam ihm auf die Schliche und deckte im Laufe der Ermittlungen den Handel mit den illegalen Substanzen auf. Die Staatsanwaltschaft forderte eine 6-jährige unbedingte Freiheitsstrafe. Daniel, der heute noch 80 Kilogramm wiegt, mit seiner Ehefrau eine gute Beziehung führe und «sich ein ganz normales Leben wünscht», ist froh, dass er nicht sechs Jahre hinter Gitter muss. Das liess sein Verteidiger nach der Urteilsverkündung ausrichten.