Diese Versteigerung ist absolut ungewöhnlich und wohl auch ziemlich einmalig: In Wohlen kommen am Freitag, 17. August, um 14 Uhr in der Bleichi am Hofmattenweg, mehrere zum Teil historische Karussellpferde und andere Rössliriiti-Tiere unter den Hammer.

Die Gant organisiert das Regionale Betreibungsamt Wohlen. Über die Herkunft der angebotenen, durchweg bestens erhaltenen Figuren, darf dessen Leiter Gerold Brunner aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes keine konkreten Angaben machen: «Die Karussellpferde waren in einem gemieteten Raum eingelagert. Die Person, der sie gehörten, bleibt jedoch die Miete schuldig und deshalb kam es zur Pfändung. Wir hoffen nun, mit der Steigerung etwas vom geschuldeten Geld hereinzuholen zu können», sagt der Betreibungsbeamte.

Zum Teil hoher Sammlerwert

Die Steigerungsbedingungen sowie Bilder der Karussell-Tiere – elf Pferde, ein Hase, ein Eisbär, ein Tiger und sogar ein Reh – können auf der Website der Gemeinde eingesehen werden. Wer Interesse an einer der Figuren hat, kann bis zum 16. August beim Regionalen Betreibungsamt Wohlen ein schriftliches Angebot einreichen, muss dabei aber den gebotenen Betrag hinterlegen. Was Rössli, Hase, Tiger und Eisbär wert sind, ist offen: «Wir wollten die gepfändeten Gegenstände schätzen lassen, aber das wäre zu teuer geworden. Schliesslich soll am Ende der Steigerung ja für den Gläubiger noch etwas übrig bleiben», erklärt Gerold Brunner.

Erfahren hat er bei seinen Recherchen immerhin, dass einige der Figuren wohl deutlich über 100 Jahre alt sind und zum Teil einen erheblichen Sammlerwert haben: «Eine Sammlerin aus Deutschland hat bereits Interesse bekundet und uns erklärt, dass solche Karussellpferde zum Teil für mehrere tausend Franken gehandelt werden.» An der Steigerung können sie von Liebhabern jetzt allenfalls zum Schnäppchenpreis erworben werden.

Ursprung in Reiterspielen

Die Mindestgebote für die einzelnen Figuren, die am Steigerungstag mündlich bekannt gegeben werden, bewegen sich mit 200 bis 500 Franken auf relativ tiefem Niveau. Je nachdem, wie gross das Interesse ist, könnten diese Gebote dann aber auch rasch steigen.

Wer die «Rössliriiti» erfunden hat, ist nicht exakt verbrieft. Verschiedene Quellen sehen den Ursprung in den Reiterspielen im Mittelalter. Um dafür zu trainieren, hätten sich die Ritter auf ein drehendes Rad gesetzt und versucht, darum herum aufgehängte Ringe mit ihrer Lanze zu durchstechen. Später habe man auf die Scheibe dann noch Pferdefiguren montiert.

Überliefert sind Angaben über erste Karussells im deutschsprachigen Raum bereits aus dem 18. Jahrhundert, die aber noch von Hand betrieben werden mussten. Angaben über die ersten von Motoren angetriebenen Karussells mit Pferden und anderen Figuren datieren aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ab etwa 1880 haben sich die Pferde dann, basierend auf der Erfindung eines Landmaschinenmechanikers, auf dem Karussell auch auf und ab bewegt.