Muri
Versenkt und vergessen: Pflegi Muri tritt frech gegen altes Image an

Es richt komisch, es ist eng, niemand hat Zeit: Dies und mehr sind die gängigen Vorurteile, mit denen die Pflegi Muri konfrontiert wird. Mit einer Kampagne sollen diese nun ausgeräumt werden.

Eddy Schambron
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Der Neubau Löwen passt auch architektonisch in die Umgebung.

Der Neubau Löwen passt auch architektonisch in die Umgebung.

Eddy Schambron

Es sind verschiedene Gründe, weshalb der Verein Pflegi Muri mit einer Imagekampagne auftritt: Einerseits hat das Pflegeheim «immer noch das Image eines Heimes im Sinne der 1960-er-Jahre», stellt Vereinspräsident Franz Holdt fest. «Überdies haben wir absolut keine Berührungsängste mit der Öffentlichkeit». Mehr noch: «Wir haben nichts zu verstecken, sind innovativ, frech und kontern mit dieser Kampagne genau die gängigen Vorurteile». Die da zum Beispiel sind: In der Pflegi riecht es komisch. Die Platzverhältnisse sind eng, es kümmert sich zu wenig Personal um die Bewohnerinnen und Bewohner. Die Pflegi ist die definitive Endstation. Die Klischees würden sich deshalb so hartnäckig halten, glaubt Holdt, «weil ein Pflegeheim ist, was es ist und man dort nicht nur fröhliche Leute sieht, die im Gang rumtanzen.»

Sowohl Bewohnerinnen und Bewohner als auch Besucherinnen und Besucher erleben die Pflegi heute meist anders, als sie in vielen Köpfen festgehalten ist. «Wenn wir keine Werbung oder Öffentlichkeitsarbeit machen, zementieren wir damit letztlich die Bilder, die Aussenstehende immer noch von Pflegeinstitutionen haben», ist Pflegi-Direktor Thomas Wernli überzeugt. Ein alter Mensch sollte nicht stigmatisiert werden, nur weil er in einem Pflegeheim leben muss. «Ich möchte Aussenstehenden die Zuversicht vermitteln, dass ein Aufenthalt in der Pflegi Muri nebst allen Unwägbarkeiten durchaus positive Aspekte haben kann».

Klare Ansagen

Und so wird auf Schildern stehen: «Niemand hat Zeit! Gerne widerlegen wir dieses Vorurteil.» Oder: «Hier komme ich nie wieder raus!» Und: «Meine Meinung zählt nichts mehr!» Alle diese Vorurteile, verspricht die Pflegi zu widerlegen. Wie das erfolgen soll? «Mit Aufklärung und Öffnung», erklärt Holdt. «Wir wollen die Menschen neugierig machen und zeigen, was hinter den Klostermauern abgeht – nämlich dass für uns das Wohl der Bewohnerinnen und Bewohner an erster Stelle steht.»

Vorurteile werden nicht allein mit einer Kampagne aus der Welt geschafft, weiss auch Wernli. «Wenn wir unseren Job gut machen, widerlegen sich die Vorurteile in der Regel rasch.» Entscheidend sei es, den Bewohnerinnen und Bewohnern der Pflegi Muri ein gutes Leben bieten zu können. Das gelinge in der Regel gut, aber es könne auch ab und zu zu einem Fehler kommen. «Eine gute Fehlerkultur, Begegnungen auf Augenhöhe und miteinander reden sind deshalb essenziell und führen dazu, dass wir uns weiterentwickeln, verbessern und damit die individuellen Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner immer besser erfüllen können.»

Basar als Türöffner

Eine Gelegenheit, die Pflegi zu präsentieren, gibt es am Samstag, 3. November, am Löwen-Fest mit Basar und einem Tag der offenen Tür. Mit dem Löwen-Neubau hat die Pflegi einen wichtigen Schritt in die Zukunft getan. Der Basar findet zum 50. Mal statt, übrigens ein Anlass, der schon von Anfang an dazu organisiert wurde, das Haus zu öffnen und Vorurteile abzubauen. Hier werden in der Pflegi hergestellte Produkte gezeigt und verkauft. Ein Höhepunkt wird die Illumination des Löwen-Neubaus durch den Lichtkünstler Gery Hofstetter sein.