«Die Aufgabe beschäftigt uns rund zwei bis drei Jahre», sagt Daniel Rupp. Er ist stellvertretender Geschäftsführer der Firma Portmann & Partner, die seit Juli 2012 im Auftrag des Kantons Aargau mit der Vermessung Tausender Hauseingänge in der Region beschäftig ist.

Systematisch laufen die Mitarbeiter des Unternehmens jede Strasse der Gemeinden im Bezirk Bremgarten ab, lokalisieren die einzelnen Haustüren und erfassen sie elektronisch oder auf speziellen Gebäudeplänen. «Es geht darum, auf den Meter genau zu wissen, wo der Hauseingang eines Gebäudes ist», erklärt Daniel Rupp.

Das Unternehmen Portmann & Partner wurde vom Kanton mit der Vermessung von 15 Gemeinden in den Regionen Mutschellen, Kelleramt und Freiamt West beauftragt. Bislang konnte der Bremgarter Vermessungsbetrieb sechs Gemeinden komplett erfassen. Für die anderen Gemeinden sind Vorbereitungsarbeiten im Gange oder bereits abgeschlossen. Ab Montag sind die Geomatiker in den Strassen der Gemeinde Niederwil unterwegs. Bis Januar 2015 sollen alle Hauseingänge der 15 Gemeinden vermessen sein.

Derart grosse Vermessungsprojekte gehen nicht ganz unbemerkt an den Einwohnern vorbei. «Es gab schon Anrufe bei der Polizei», sagt Daniel Rupp. «Wenn sich Leute in gelben Westen auf Haustüren zu- und wieder wegbewegen, ist das nicht allen Bürgern geheuer.» Um Aufregung bei den Einwohnern zu vermeiden, wurden die Gemeinden vom Kanton beauftragt, die Bürger und auch die Lokalzeitungen von den Arbeiten in Kenntnis zu setzen.

Im Auftrag des Bundes

Doch wozu eigentlich der ganze Aufwand? Die aktuell durchgeführten Vermessungen in der Region sind Teil des Projekts GABMO («gestion des adresses de bâtiments par la mensuration officielle»), das 2001 von der eidgenössischen Vermessungsdirektion des Bundes ins Leben gerufen wurde.

Das nationale Projekt sieht vor, dass alle Kantone den genauen Standort sämtlicher Hauseingänge ihrer Gemeinden erfassen. Die so erhaltenen Daten werden dann mit den Zustelladressen der Post, den Angaben des Gebäude- und Wohnregisters, des Bundesamtes für Statistik und der amtlichen Vermessung des Bundes abgeglichen. Damit soll ein schweizweit einheitlicher Standard der Datenerfassung sichergestellt werden.

Für die exakten Koordinaten von Hauseingängen interessieren sich nicht nur öffentliche Verwaltungen, die Post, Versicherungen, industrielle Betriebe und Hersteller von Navigationssoftware. Eine unverwechselbare Anschrift der Gebäude hilft auch den Rettungsdiensten, der Feuerwehr oder der Polizei.

So können schnell ideale Wegstrecken berechnet werden, um in Notfällen möglichst rasch die richtige Haustür zu finden. Ausserdem erleichtern eindeutige Koordinaten die Aufgabenerfüllung von Bund, Kantonen und Gemeinden. Finanziert werden die Vermessungsarbeiten von den Kantonen, die Grundeigentümer kommen kostenlos weg.