Wohlen
Verleumdungsvorwürfe gegen SVP-Präsident Vogt waren verfrüht

Das Verfahren gegen SVP-Ortsparteipräsident Roland Vogt wurde zum zweiten Mal eingestellt. Ihm wurde vorgeworfen, verleumderische Kommentare im Forum «Wohlen-Online» publiziert zu haben.

Toni Widmer
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Roland Vogt konnte sich offenbar glaubhaft verteidigen.

Roland Vogt konnte sich offenbar glaubhaft verteidigen.

Sarah Künzli

Auch die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm konnte dem Wohler Einwohnerrat und SVP-Parteipräsidenten Roland Vogt nicht nachweisen, dass er verleumderische und ehrverletzende Einträge im Forum «Wohlen-Online» gemacht hat. Wie die Aargauer Zeitung erfahren hat, wurde ein entsprechendes Verfahren gegen Vogt bereits im vergangenen Frühling eingestellt.

Noch ist Vogt allerdings nicht aus dem Schneider. Der Kläger und ehemalige Wohler Gemeinderat Harold Külling hat die Beschwerde weiter gezogen. Wie gross dabei die Aussicht auf Erfolg ist, bleibt offen. Denn für Vogt ist die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm bereits der zweite Erfolg im Ermittlungsverfahren.

Vogt bestreitet Vorwürfe

Bereits im September 2012 hatte die Staatsanwaltschaft befunden, Vogt könnten die ihm zur Last gelegten Verleumdungen und Ehrverletzungen nicht nachgewiesen werden und hatte deshalb die weitere Untersuchung gar nicht erst an die Hand genommen. Dem nächsten Akt des unendlichen Dramas schaut der Angeschuldigte relativ gelassen entgegen: «Ich habe überhaupt nie Einträge in diesem Forum gemacht, geschweige denn ehrverletzende. Das habe ich schon immer gesagt und dabei bleibe ich», erklärt Roland Vogt.

In Gang gebracht hat das Verfahren Harold Külling im Juni 2012. Er ist aufgrund eines von ihm in Auftrag gegebenen Gutachtens nach wie vor davon überzeugt, dass Vogt an einer schmutzigen Kampagne beteiligt gewesen war, die gegen ihn im Forum «Wohlen-Online» inszeniert worden ist und sich über Monate und Jahre hingezogen hat. Külling wurde damals in anonymen Einträgen dutzendfach aufs Übelste beschimpft und mehrerer Verfehlungen in seinem Amt als Gemeinderat bezichtigt. Schliesslich zeigte Külling den Betreiber des Forums «Wohlen-Online» an. Auf beschlagnahmten Datenträgern wollen Spezialisten schliesslich auch Einträge gefunden haben, die sich klar dem SVP-Parteipräsidenten zuordnen lassen.

Einträge nicht personenspezifisch

Im Laufe der weiteren Untersuchung hat sich gezeigt, dass besagte Einträge zwar aus dem beruflichen Umfeld von Vogt stammen könnten beziehungsweise aus einem EDV-Netz, auf das er als Zürcher Stadtpolizist Zugriff hat. Allerdings mit mehreren tausend anderen Nutzern zusammen. Einem bestimmten Computer oder gar einer bestimmten Person zuordnen lassen sich die Einträge nicht. Man hat vonseiten der Klägerschaft aber offenbar den Schluss gezogen, die Einträge könnten nur von Vogt stammen, weil er als Nutzer dieses Netzes auch einen Bezug zur Wohler Politik hat.

Inzwischen konnte Roland Vogt offenbar auch belegen, dass er bei der Mehrheit der Einträge, die ihm zur Last gelegt werden, zur fraglichen Zeit gar keinen Zugriff auf einen Computer im besagten Netzwerk hatte. Die Anklage gegen ihn steht somit wohl auch weiterhin auf wackligen Beinen.

Vogt hat selber geklagt

Weil er sich in einem Artikel im «Wohler Anzeiger» bereits als Täter verurteilt sah, hat Roland Vogt im September 2012 selber Klage gegen zwei Redaktoren der Lokalzeitung eingereicht und ist auch an den Presserat gelangt. Weil das Verfahren gegen Vogt noch immer nicht abgeschlossen ist, sind diese beiden Klagen allerdings vorderhand sistiert. Festhalten lässt sich dennoch bereits jetzt, dass die öffentlichen Verurteilungen des SVP-Parteipräsidenten zumindest etwas verfrüht lanciert worden sind. Auf den weiteren Verlauf der unsäglichen Angelegenheit darf man gespannt sein.

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