Etwas scheu treten die Kinder, die Hälfte erst seit Montag in der Schule, an das heruntergelassene Autofenster. «Wir möchten, dass Sie auf uns aufpassen«, sagen sie zur Fahrerin oder zum Fahrer. Oder: «Wir bitten Sie, beim Fussgängerstreifen ganz anzuhalten.»

Unterstützt werden sie in Abtwil von einem der ebenfalls anwesenden Regionalpolizisten. Die allermeisten Autofahrerinnen und -fahrer reagieren positiv auf den kleinen Unterbruch ihrer Fahrt. Sie nehmen dafür ein kleines Präsent mit nach Hause.

Einzigartige Aktion

Die Aktion der Regionalpolizei Muri ist zumindest im Freiamt, wenn nicht im ganzen Kanton, in dieser Form einzigartig: Die Polizisten machen zum Schulbeginn mit Erst- und Zweitklässlern eine «Verkehrskontrolle», um die Automobilistinnen und Automobilisten auf die neuen, besonders gefährdeten Verkehrsteilnehmer aufmerksam zu machen.

«Die Botschaft kommt besser an, wenn sie von den betroffenen Kindern direkt kommt», ist Erich Holliger, Chef der Repol Muri, überzeugt. In Abtwil haben die Erst- und Zweitklässler von Liliane Hirschi die angehaltenen Autofahrer mit ihrem Anliegen bekannt gemacht.

Eigentlich ist es ganz einfach: Wenn Kinder unterwegs sind, sollen Autofahrer besondere Rücksicht nehmen, die Geschwindigkeit reduzieren und eben vor dem Fussgängerstreifen ganz anhalten.

«Unsere Verkehrsinstruktoren bringen den Kindern bei, dass sie erst über den Fussgängerstreifen gehen sollen, wenn die Räder der Autos stillstehen», macht Holliger klar.

Deshalb sei es wichtig, dass dies auch die Autofahrerinnen und -fahrern wissen. Die Polizistin Evelyne Matzinger und die Polizisten Markus Baumgartner und Andreas Zeder winkten die Automobilisten in Abtwil auf einen Parkplatz, erklärten die Verkehrskontrolle, die eigentlich keine war, und liessen die Kinder sprechen.

«Wir kontrollieren dabei das Fahrzeug nicht, weil die Aufmerksamkeit ganz auf den Schulbeginn und die Kinder gerichtet sein soll», unterstreicht Holliger.

Die Aktion kam bei den Verkehrsteilnehmenden gut an, und auch den 20 Kindern in den vom TCS gesponserten Leuchtjacken gefiel es, einmal mit der Polizei am Strassenrand zu stehen. Neben dieser Aktion – im Bezirk Muri übrigens jetzt zum 8. Mal durchgeführt – ist die Repol während dreier Wochen zum Schulbeginn besonders an den schwierigen Strassenüberquerungen in allen Gemeinden präsent. Die Aktion Schulbeginn soll auch den Kindern den Einstieg in die Gefahrenwelt des Verkehrs erleichtern.

Gar nichts hält Holliger von «Eltern-Taxis» zum und vom Schulhaus. «Der Schulweg ist für die Sozialkompetenz und für die Erlebniswelt der Kinder wichtig.»

Dass er gewisse Gefahren vor allem durch den Strassenverkehr birgt, weist der Repol-Chef nicht von der Hand. Aber er macht deutlich, dass man den Kindern einen schlechten Dienst erweist, sie aus Überbesorgnis zur Schule zu fahren. Sie lernen so nämlich nicht, mit alltäglichen Situationen und Gefahren umzugehen.