Bremgarten
Verkehrsinstruktor Walter Friedli: «Ich gehe nur als Polizist in Pension»

Der Regionalbeamte Walter Friedli gibt zwar seine Uniform ab, bleibt in Bremgarten aber als Marktchef auf seinem Posten.

Christian Breitschmid
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Walter Friedli bei der letzten Veloprüfung, die er diese Woche noch in Bremgarten durchgeführt hat.Christian Breitschmid

Walter Friedli bei der letzten Veloprüfung, die er diese Woche noch in Bremgarten durchgeführt hat.Christian Breitschmid

Christian Breitschmid

Unzählige Kinder haben von ihm gelernt, wie man über die Strasse geht, vor dem Abbiegen über die Schulter zurückschaut, ein deutliches Handzeichen gibt und worauf es bei einem Velo ankommt, damit es verkehrstüchtig ist. Die ersten Kinder, die er geschult hat, sind heute selber Eltern, und deren Kinder haben ihn auch schon ins Herz geschlossen, Walter Friedli, den freundlichen Regionalpolizisten mit dem Lächeln auf den Lippen und mit Roby, seinem Assistenten, an seiner Seite.

Roby ist eine Handpuppe, die Friedli vor ein paar Jahren auf dem Markt in Bremgarten gekauft hat. Sie hat ihm seither gute Dienste geleistet, wenn er in den elf Gemeinden, die er als Verkehrsinstruktor betreute, die Kindergärtler auf die Gefahren im Verkehr aufmerksam machte. «Roby war dann einer von ihnen», erzählt der stolze Vater von drei Töchtern und mittlerweile auch schon vierfache Grossvater. «Er trug dasselbe Leuchtdreieck wie sie und hatte auch ein eigenes Chindsgitäschli.» Mit Begeisterung erzählt Friedli vom stufenmässigen Aufbau der Verkehrsinstruktion, den ersten Lektionen im Kindergarten bis zum krönenden Abschluss, der Veloprüfung in der vierten Klasse.

«Ja, ich bin so alt»

Am 18. Februar konnte Friedli seinen 65. Geburtstag feiern. Kaum zu glauben, dass dieser vitale Mann mit dem schon fast spitzbübischen Gesichtsausdruck nun seine Polizeiuniform für immer an den Nagel hängen soll. «Viele, die das von mir hörten, haben gestaunt und fragten mich: ‹Also: frühzeitige Pensionierung ...?› Aber es stimmt halt schon, ich bin so alt», bestätigt er mit einem Schulterzucken. «Ich wollte ja auch einen Abschiedsapéro im Trottenkeller machen, am 28. Februar. Aber dann wurde mir bewusst, dass es ja noch gar kein Abschied ist. Ich gehe nur als Polizist in Pension. Als Marktchef werde ich ja weiterarbeiten.» Eine gute Lösung, sowohl für den engagierten Verkehrsinstruktoren und Marktchef, als auch für die Stadt Bremgarten, denn Friedli hat in seinen beiden Betätigungsfeldern Wissen und Erfahrungen gesammelt, die sich seine Nachfolger erst noch aneignen müssen.

Nachfolge ist gesichert

So hat Friedli seine Nachfolgerin in der Verkehrsinstruktion, Luana Salvisberg, während der vergangenen Monate noch eingeführt und auf ihren Einsätzen begleitet. «Sie macht das sehr gut», lobt Friedli seine junge Kollegin, «und ich bin froh, dass dieser Bereich so weitergeführt wird, wie ich ihn aufgebaut habe.» Was ein hartes Stück Arbeit war, wenn man hört, in welchem Zustand der frisch ernannte Stadtpolizist Walter Friedli bei seinem Stellenantritt am 1. Oktober 1987 die Verkehrsinstruktion und das Marktwesen vorfand: «Das waren Ruinen.» Er war damals einer von nur drei Stadtpolizisten. «An der Gemeindeversammlung wurde damals eine vierte Stelle abgelehnt. Es hiess, wir sollten erst einmal die Verkehrsinstruktion und den Markt auf Vordermann bringen, bevor ein neuer Polizist angestellt werde.»

Also legte sich der vormalige Pöstler ins Zeug, besuchte die Polizeischule in Freiburg und absolvierte auch gleich noch den Verkehrsinstruktorenkurs. «Das war eine harte Zeit. Ich drückte nach 17 Jahren zum ersten Mal wieder die Schulbank. Ausserdem litt unsere jüngste Tochter sehr unter meiner Abwesenheit. Offensichtlich vermisste sie ihren Papa so sehr, dass sie unter der Woche nicht mehr essen wollte und ganze Nächte durchweinte.» Zum Glück bestand Friedli alle seine Prüfungen bestens und konnte zu seiner Familie nach Bremgarten zurückkehren.

Roby kommt mit

Mit viel Schwung und Konsequenz machte sich Friedli an seine Arbeit. Er brachte eine neue Struktur in das Bremgarter Marktwesen und sorgte dafür, dass die Märkte des Reussstädtchens zu wahren Publikumsmagneten wurden – und es bis heute geblieben sind.

Mit Stolz darf er auch auf seine Erfolge als Verkehrsinstruktor zurückblicken: «Mein grosses Ziel war es von Anfang an, Unfälle zu vermeiden. Das ist mir in all den Jahren tatsächlich gelungen.» Diese Leistung ist umso stärker zu würdigen, als das velofahrerische Können der Kinder in den vergangenen Jahren merklich schlechter geworden sei. «Kein Wunder», sagt Friedli, «viele werden halt von den Eltern im Auto rumgefahren, und sie gehen auch nicht mehr wie früher gemeinsam auf dem Velo üben.»

Am 26. Juni hat Friedli seinen Letzten. Danach wird er seine abgetragene Polizeiuniform persönlich in die Kehrichtverbrennung bringen, denn «ich will sicher sein, dass sie vorschriftsgemäss entsorgt ist», sagt er. Seinen Dienstwagen als Verkehrsinstruktor wird er, allerdings ohne die Aufkleber, als Marktchef weiter benutzen dürfen. Und auch Roby wird ihn nächste Woche in sein neues Büro, im 4. Stock des Rathauses, begleiten.

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