Freiamt
Verkehrsexperte sagt: «Bahn entlastet Strasse»

Fredy Zobrist sieht einen Zusammenhang zwischen mehr Bahnpassagieren auf der Strecke durchs Freiamt und weniger Autos am Kreisel in Dintikon. Zobrist, Mitglied der öV-Gruppe Freiamt, lobt die SBB für stabilere Fahrpläne und bessere Pünktlichkeit.

Fabian Hägler
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Seit der Einführung der Flirt-Züge, hier im Bahnhof Wohlen, sind die Passagierzahlen auf der Bahnlinie durchs Freiamt angestiegen.es/Archiv

Seit der Einführung der Flirt-Züge, hier im Bahnhof Wohlen, sind die Passagierzahlen auf der Bahnlinie durchs Freiamt angestiegen.es/Archiv

«Seit dem Fahrplanwechsel vom 12. Dezember 2010 ist der öffentliche Verkehr in der Region im Aufwind», stellt Fredy Zobrist von der Freiämter öV-Gruppe fest. Damals kamen auf der Bahnlinie durch das Freiamt zum ersten Mal die modernen Flirt-Triebwagen zum Einsatz. Das dritte Gleis zwischen Lenzburg und Gexi ermöglichte zusätzliche Züge, dadurch verbesserte sich die Anschlusssituation in Lenzburg markant. Der Bevölkerung wurde diese grosse Aufwertung des öffentlichen Verkehrs vor gut zwei Jahren mit Festivitäten in Lenzburg, Wohlen, Muri und Sins sowie einer Werbekampagne der SBB in der ganzen Region bekannt gemacht.

Verbesserungen seit 2010

«In der Zwischenzeit ist es um den öffentlichen Verkehr im Freiamt still geworden», stellt Zobrist fest. Und er fragt: «Haben sich die grossen Investitionen überhaupt gelohnt?» Der öV-Experte aus Bremgarten gibt die Antwort gleich selber: «Regelmässige Zugpassagiere stellen stabilere Fahrpläne, eine bessere Pünktlichkeit der Züge und sichere Anschlüsse fest.»

Zobrist ergänzt, auch die Auslastung im öffentlichen Verkehr habe überdurchschnittlich zugenommen. Er hat als Basis einer kleinen Analyse die durchschnittlichen Tagesfrequenzen der Bahnlinie 653 durchs Freiamt und des Strassenverkehrs beim Zählpunkt 919 vor dem Kreisel Dintikon herausgesucht und verglichen.

Dem Entwurf des Mehrjahresprogramms «öV 2013» kann laut Fredy Zobrist entnommen werden, dass sich die durchschnittlichen Tagesfrequenzen zwischen Hendschiken und Lenzburg von 5060 Fahrgästen im Jahr 2010 auf 6030 im Jahre 2011 erhöhten. Das entspricht einer Steigerung auf dieser Strecke von 19 Prozent. «Und dies, nachdem die Tagesfrequenzen in den vorherigen Jahren stagnierten oder oft sogar leicht rückläufig waren», betont Zobrist.

Strassenverkehr rückläufig

Betrachtet man die Entwicklung des motorisierten Individualverkehrs auf der Kantonsstrasse bei der Zählstelle vor dem Kreisel in Dintikon, so zeigt sich ein gegenteiliges Bild. Bis ins Jahr 2010 nahm dort die durchschnittliche Tagesfrequenz regelmässig zu, damals erreichte sie ein Maximum von 19342 Fahrzeugen pro Tag. Doch dann kam die Wende: «Im Jahr 2011 wurden noch 19218 Fahrzeuge gezählt, was einem Rückgang von knapp 1 Prozent entspricht», rechnet Zobrist vor. Und er folgert: «Da das Freiamt ein überdurchschnittliches Bevölkerungswachstum aufweist, zeigen die Zahlen klar, dass viele Pendler vom besseren Angebot des öV profitieren und neu auf die Zuverlässigkeit der Bahn vertrauen.»

Im oberen Freiamt war die Frequenzsteigerung beim öV prozentual noch markanter, zwischen Oberrüti und Rotkreuz wurde eine Zunahme der Fahrgäste auf den Schienen von 23 Prozent ausgewiesen. Zobrist freut sich: «Kanton und SBB honorieren dies ab dem Fahrplanwechsel vom 9. Dezember am späten Abend mit einer kleinen Verbesserung, fahren die letzten Züge zwischen Rotkreuz und Muri doch eine Stunde später.»

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