Die Gemeinde Oberwil-Lieli stand in letzter Zeit – insbesondere in politischer Hinsicht – allzu oft in schlechtem Licht da. Dies will ein im Januar gegründeter Verein nun ändern. Sein Name ist Programm: Er heisst «Lebenswertes Oberwil-Lieli» und hat sich «eine aufbauende, faire, vielfältige und nachhaltige Politik» zum Ziel gesetzt. Damit hat er am Freitagabend bereits begonnen.

Die Organisatoren setzten ihre Erwartungen klar tief an, wurden aber umso mehr überrascht: Die Aula im Schulhaus Falter war voll. Es scheint, als seien viele Oberwil-Lieler an einer Änderung im dorfpolitischen Leben interessiert. «Wir sind vor allem stolz darauf, dass von Jung bis Alt alle vertreten waren, genauso wie von allen politischen Ausrichtungen», freute sich Vereinspräsident Siegfried Renggli.

Anstelle vieler Infos lieferten die Organisatoren vor allem eines: Raum für Diskussionen. Nach der Vorstellung des Vereins und seines Vorstandes sowie einem kurzen Referat des ehemaligen Grüne-Grossrats Martin Köchli begann die sogenannte Zukunftswerkstatt.

Ziel: faire Sachpolitik

Es sind viele Ideen vorhanden, wie Oberwil-Lieli lebenswerter gemacht werden kann. Zu den vier Themen «Raumplanung», «Dorfpolitik», «Jugend, Bildung und Familie» sowie «freie Diskussion» durften die Anwesenden ihre Ideen und Wünsche äussern. «Es wurden fast alle Themen genannt, die auch unsere Beweggründe für die Gründung des Vereins waren», so Renggli. Vor allem eine faire Politik, bei der alle Meinungen respektiert werden, eine Sach- statt Parteipolitik und eine Kooperation mit Nachbargemeinden wurden gewünscht. Im Gemeinderat solle die Vielfalt der Bewohner abgebildet werden: Darum stellt der Verein im Herbst zwei Kandidaten zur Wahl (die az berichtete). 

Neben den politischen Themen waren die Wünsche von Jung und Alt wichtig: Die Jugendlichen, von denen erstaunlich viele den Weg in die Aula gefunden haben, wünschen sich eine zweite Turnhalle, ein Jugendzentrum oder auch die Einbindung von Seniorinnen und Senioren in den Schulalltag. Die älteren Generationen beschäftigt das betreute Wohnen im Alter. Und die Generationen dazwischen wünschen sich einen Ort, wo man sich auch im Winter treffen kann, wenn es auf dem Dorfplatz zu kalt ist.

In diesem Zusammenhang kam auch das Thema Integration auf, vor allem jene von Neuzuzügern, die Oberwil-Lieli teilweise nur als Schlafdorf betrachten, wie zwischen den Zeilen herauszuhören war. «Mit den Alteingesessenen und den Neuzuzügern ist es wie mit Essig und Öl», versinnbildlichte ein Redner. «Zusammen geben sie eine wunderbare Salatsauce – allerdings nur dann, wenn man sie aktiv vermischt.»

Nach diesem ersten Auftritt des Vereins, der die Organisatoren äusserst positiv überrascht hat, planen sie für den 25. August eine überparteiliche Podiumsdiskussion zu den Gemeinderatswahlen im Herbst. «Wir haben nun viele Ideen gesammelt. Nun hoffen wir, dass sich uns möglichst viele Leute anschliessen und sich aktiv in der Gemeindepolitik einbringen möchten. Denn gemeinsam können wir viel mehr erreichen», fasste Vizepräsident Thomas Gull zusammen.