Wohlen
Veganes Zürigschnätzlets an der Kanti Wohlen

Was soll man ohne tierische Produkte denn essen? Miriam Dusej zeigt es in einer veganen Spezialwoche. Den Schülern schmeckten jene Gerichte am besten, welche nicht-veganem Essen am nächsten waren.

Andrea Weibel
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Veganes Zürigschnätzlets an der Kanti
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Naomi (16) schneidet Pilze.
Doreen (15) schneidet Kürbis.
Céline (17) stampft den Kartoffelstock.

Veganes Zürigschnätzlets an der Kanti

Vegan – ein Trendwort, das auf viele Leute wie ein rotes Tuch wirkt. Vegan ist in, so mancher gibt sich dadurch mondän, indem er auf tierische Produkte verzichtet. Andere wiederum finden es krank und widernatürlich, neben Fleisch auch Milch und Eier von der Nahrungsmittelliste zu streichen.

Wieder andere finden es wichtig, dass sich jeder Gedanken darüber macht, was er isst, wo sein Essen herkommt und wie es verarbeitet worden ist. Zu Letzteren gehört Miriam Dusej (21) aus Rottenschwil, die ihre Matur vor zwei Jahren an der Kanti Wohlen gemacht hat.

Als Maturarbeit hat sie eine vegane Spezialwoche für ihre Mitschüler durchgeführt – und wurde in den beiden darauffolgenden Jahren erneut um eine solche gebeten, diesmal von der Schulleitung.

An der Kanti Wohlen ist der Veganismus allerdings noch wenig verbreitet, vielleicht ein Indiz dafür, dass sie ein eher ländliches Einzugsgebiet hat. Dusej selbst ist seit gut zehn Jahren überzeugte Vegetarierin und mag auch veganes Essen sehr.

«Es geht mir aber nicht ums Missionieren, ich will den Schülern nicht sagen, dass sie vegan oder vegetarisch essen sollen», hält sie fest. «Mir ist wichtig, dass sie verschiedene Aspekte des Essens kennen lernen, sich Gedanken machen und ihre eigene Meinung dazu bilden.»

Einstiegshilfe für Nichtveganer

Als Erstes erarbeiteten sich die Schülerinnen und Schüler Grundwissen über Ernährung: Was braucht der Körper, durch welche Nahrungsmittel erhält er es, und woher stammen diese, waren die Hauptfragen. Dann wurde fast täglich vegan gekocht. Unterstützt wurden sie dabei durch verschiedene Organisationen und Firmen wie das Naturkraftwerk oder den Bioladen Salvia in Bremgarten, die viele vegane Produkte anbieten.

Im Kurs ist Dusej eines aufgefallen: «Je ähnlicher am ‹normalen› Essen die Gerichte waren, desto eher haben sie den Schülern geschmeckt. Je exotischer, desto eher rümpften sie die Nase.» Dabei sei es sehr einfach, Nichtveganern veganes Essen näherzubringen: «Manchmal ist es nur der Name.»

Das erkannte man, als die Schülergruppe an einem Tag für gut 40 Leute ein öffentliches Bankett veranstaltete, insbesondere Eltern und Freunde der Schüler waren die Gäste.

«Ein Gericht bestand aus Seitanstückchen und einer Käse-Soya-Sauce. Aber vom Geschmack und vom Aussehen her erinnert es eindeutig an Zürigschnätzlets, darum haben wir es auch so genannt. Und den Leuten hat es scheinbar geschmeckt.»

Für Veganer selbst müsse man die Gerichte nicht nach Fleischgerichten benennen, das werde nur gemacht, um Nichtveganern das Probieren zu erleichtern. Daneben gab es Altbekanntes wie Kartoffelstock, Kürbissuppe, Salat, Brötchen mit veganem Aufstrich und zum Dessert sogar Schwarzwälder- und Schwedentorte.

Noch nicht ganz begriffen

Den Schülerinnen und Schülern scheints ebenfalls geschmeckt zu haben. Obwohl einige den Sinn der Woche – also nicht nur die fleischlose Ernährung, sondern auch das Bewusstsein über die Herkunft der Speisen – noch nicht ganz begriffen zu haben scheinen: «Ich habe die ganze Woche beinahe vegan gelebt. Fleisch habe ich nie gegessen. Nur abends etwas Wurstaufstrich», gibt eine Schülerin Auskunft.

Andere fanden es interessant, mehr über die Nahrungsproduktion erfahren zu haben. «Ich werde nach wie vor Fleisch essen, aber ich weiss auch, wie wichtig es ist, auf Qualität und die Herkunft zu achten – nachdem wir einen krassen Film darüber geschaut haben, ist mir das umso mehr bewusst geworden», so Naomi (16). Beim Dokumentarfilm «Earthlings» habe eine Schülerin gar den Raum verlassen müssen, während andere tränenreich geweint hätten, berichtet Dusej.

«Eigene Meinung ist wichtig»

Die einzigen beiden männlichen Teilnehmer der Spezialwoche waren Tim Oechslin (16) und Tim Coester (18). Oechslin isst sehr häufig und gern Fleisch, kann sich beispielsweise aber vorstellen, zum normalen Sushi künftig auch mal einige vegane Happen dazuzustellen. Coester dagegen isst daheim häufig vegetarisch, weil sein Bruder Vegetarier ist.

Er hat schon vor einem Jahr an der veganen Spezialwoche teilgenommen und seither Tofu auf den Speiseplan aufgenommen. «Vegan zu leben könnte ich mir nicht vorstellen, denn man muss auf so vieles achten, um keine Mängel zu bekommen. Aber vegetarisch wäre kein Problem für mich. Ich esse höchstens ein bis zweimal pro Woche Fleisch, das finde ich ganz in Ordnung so.»

Auch wenn sie nicht missionieren will, freut sich Miriam Dusej über solche Aussagen der Schülerinnen und Schüler. Am meisten hat sie gefreut, dass eine Schülerin seit dem letzten Kurs vor einem Jahr zur Vegetarierin geworden ist. «All diese Aussagen zeigen mir einfach, dass sich die Schüler selber ihre Meinung bilden können. Das ist mir unglaublich wichtig.»

Vegan in der Mensa?

In der Mensa der Kantonsschule gibt es jeweils Fleisch- und vegetarische Menüs. Auf Veganer wird nicht speziell geachtet. «Es gibt aber immer ein Gemüse- und Salatbuffet», weiss Dusej. «Dort können sich auch Veganer bedienen, allerdings reicht es natürlich nicht, nur Gemüse zu essen, da gehören noch viele andere Sachen wie Hülsenfrüchte wegen der Proteine oder Ähnliches dazu. Während meiner Kantizeit habe ich immer selber Essen mitgebracht, das muss man als Veganer sowieso fast immer.» Doch das sei kein Problem, daran gewöhne man sich.

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