Auw

Urteil gefällt: Ex-Milchgold-Käser muss wegen Betrugs ins Gefängnis

Der ehemalige Käser der Milchgold Käse AG in Auw wurde wegen Betrugs verurteilt. Bild: Claudio Thoma (18. Juli 2018)

Der ehemalige Käser der Milchgold Käse AG in Auw wurde wegen Betrugs verurteilt. Bild: Claudio Thoma (18. Juli 2018)

Der Freiämter Käser steht zu den Fehlern, die er gemacht hat. Das Bezirksgericht Muri musste die Strafe nur noch absegnen.

Er versucht gar nicht, die Vorwürfe gegen ihn abzustreiten. Als ihm die Gerichtspräsidentin die Sachverhalte in der Anklageschrift vortrug, nickte der ehemalige Käser der Milchgold Käse AG mit Sitz in Auw oder sagte: «Das esch eso gsii.» Die Verhandlung fand im abgekürzten Verfahren statt. Das heisst, die Parteien hatten sich schon im Vorfeld hinter verschlossenen Türen auf einen Urteilsvorschlag geeinigt. Die Richterinnen und Richter mussten diesen Deal nur noch absegnen.

Die Vorwürfe gegen den Käser sind happig: Er hat zwischen 2012 und 2017 zu Unrecht Verkäsungszulagen bezogen. Dabei hat er gegenüber dem Bund höhere Milchmengen dokumentiert, als ihm seine Milchbauern tatsächlich geliefert haben. Es geht um fast 6 Millionen Kilogramm Milch, was einem Anteil von 7,6 Prozent der gesamten gemeldeten Milchmenge in diesem Zeitraum entspricht.

Ausserdem hat der Käser den Bund über die Art der gelieferten Milch getäuscht. Über die gesamte Zeitdauer hat er so 1,1 Millionen Franken Subventionen zu Unrecht bezogen. Mindestens 187'000 Franken hat er sich selber überwiesen und für private Zwecke verwendet. Mindestens 272'000 Franken hat er zur Zahlung von Löhnen verwendet. Die zu Unrecht bezogenen Subventionen hat der Käser dem Bund bereits im Sommer 2018 zurückbezahlt.

Zwei Millionen Kilo falscher Emmentaler produziert

Beim zweiten Anklagepunkt geht es um mindestens 1,2 Millionen Franken. Die Vorwürfe hier: Vergehen und Verbrechen gegen das Landwirtschaftsgesetz sowie betrügerischer Markengebrauch. Der Käser hat zwischen 2012 und 2017 gut zwei Millionen Kilogramm Käse produziert und unter der geschützten Bezeichnung Emmentaler AOP in den Verkehr gebracht. Dies, obwohl er bei der Herstellung die Bestimmungen des Pflichtenheftes nicht eingehalten hatte. Er verarbeitete die Milch nicht innert 24 Stunden, sondern holte sie nur alle zwei Tage bei den Lieferanten ab.

Bei all seinen Betrügereien habe der Käser darauf vertraut, dass die Falschangaben unentdeckt blieben, hält die Staatsanwaltschaft fest. Dabei kam ihm zu Gute, dass er genau wusste, wie die Branche tickt und wie die Kontrollen ablaufen. Das Tatverhalten wiege schwer, sagte der Staatsanwalt vor Gericht.

Allerdings spreche das Verhalten nach der Tat für den Käser. Er habe alles gestanden, kooperiert und die zu Unrecht bezogenen Subventionen bereits vor der Eröffnung des Strafverfahrens zurückbezahlt. Seine Reue sei aufrichtig. Der Käser selber räumte in seinem letzten Wort ein, dass er Fehler gemacht habe und nun dafür hinstehen müsse.

Seinen Ruf in der Branche hat er sich verspielt

Die Parteien hatten sich auf eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten geeinigt. Davon muss der Käser zehn Monate absitzen. Das Bezirksgericht Muri hat diesen Urteilsvorschlag gutgeheissen. Es sei ein faires Urteil, so die Gerichtspräsidentin. Den Käser treffe nicht nur die Freiheitsstrafe hart, er habe durch die Betrügereien auch sich selber ein Stück weit vernichtet. Die Branche ist nicht so gross, die Betrügereien haben längst die Runde gemacht.

Der Fall Milchgold ist trotz dieses Urteils noch nicht abgeschlossen. Ein Zivilverfahren der Sortenorganisation Emmentaler gegen die Milchgold Käse AG ist hängig. Die beiden Parteien führen im Moment Gespräche – ob es zu einer aussergerichtlichen Einigung kommt, ist allerdings unklar.

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