Wohlen
Urspeter Kunz: «Es war schwer, niemandem etwas zu verraten»

Urspeter Kunz (59) und seine Frau Brigitte sind Wohlens höchste Fasnächtler. Der neue Ehrenkammerer freut sich mit seiner Frau Brigitte auf die kommende Amtszeit – Am meisten auf den Kammerball.

Lisa Stutz
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«Urspeter de Gnüsser» mit seiner Frau Brigitte. lis

«Urspeter de Gnüsser» mit seiner Frau Brigitte. lis

Er im roten Umhang, mit goldenem Zepter und Ehrenkammerer-Hut, sie im schwarzen Mantel, der von Amtsfrau zu Amtsfrau weitergegeben wird – beide haben ein Strahlen im Gesicht: «Urspeter de Gnüsser» und seine Frau Brigitte sehen aus, als ob sie schon als Ehrenkammererpaar geboren worden wären. Sie fühlen sich in ihrer neuen Rolle als Wohlens höchste Fasnächtler 2013 allem Anschein nach pudelwohl.

Herr Kunz, wie fühlt es sich an, der neue Ehrenkammerer zu sein?

Urspeter Kunz: Das fühlt sich unglaublich gut an. Ich werde seit der Inthronisation andauernd auf mein neues Amt angesprochen. Die Leute im Dorf gratulieren mir und freuen sich mit mir. Das ist wirklich toll. Dadurch, dass wir schon seit einer Ewigkeit in Wohlen leben, kennen uns viele Leute hier. Die Nachricht hat schnell die Runde gemacht.

Frau Kunz, Sie haben geweint, als an der Inthronisation bekannt gegeben wurde, dass Ihr Mann für das Amt gewählt wurde. Weshalb?

Brigitte Kunz: Natürlich wusste ich schon länger, dass Urspeter der neue Ehrenkammerer wird. Aber in diesem Moment haben mich meine Gefühle überwältigt. Es war, weil ich ahnte, wie stolz meine Mutter und mein Vater, auch «Franz de Waldmeister» genannt, in diesem Moment sein würden. Im Jahr 1990 war mein Vater Ehrenkammerer. Und auch heute noch ist er ein sehr engagierter Fasnächtler. Er organisiert zum Beispiel die alljährige Wienerliaktion der Kammergesellschaft. Ich wusste, dass er in diesem Moment unter den Gästen sitzt und mächtig stolz auf uns ist. Deshalb die Freudentränen.

Wie hat er schliesslich reagiert?

Brigitte Kunz: Er freute sich wie erwartet riesig. Aber er nannte mich «Luusmeitli», weil ich ihm im Voraus nichts verraten hatte. Er und meine Mutter haben gleich versichert, dass sie uns im Amtsjahr unterstützen werden.

Ist es denn schwer, niemandem etwas zu verraten?

Urspeter Kunz: Oh ja! Das ist unglaublich schwer. Vor allem, wenn Kollegen in einer Runde rätseln, wer wohl der nächste Ehrenkammerer sein könnte. Da muss man seine Schauspielkünste unter Beweis stellen und immer eine gute Antwort parat haben. Nur der Zeremonienmeister, der Präsident und das Ehrenkammererpaar wissen vor der Inthronisation Bescheid.

Wann und wie haben Sie dann erfahren, dass sie als neuer Ehrenkammerer ausgewählt wurden?

Urspeter Kunz: Das war Anfang September. Ich wurde von Präsident Peter Michel und Zeremonienmeister Pascal Gregor angefragt. Sie haben mich unter falschen Vorwänden zu Peter nach Hause gelockt. Ich habe vorher nichts geahnt und mich sehr über die Anfrage gefreut. Doch zuerst musste ich mich noch mit meiner Frau besprechen. Denn so ein Amt ist auch eine Kosten- und Zeitfrage. Noch in derselben Woche habe ich aber zugesagt.

Wie viel kostet das Amtsjahr das Ehrenkammererpaar denn?

Urspeter Kunz: Ich möchte keine genauen Zahlen nennen. Doch was ich sagen kann: Für gleich viel Geld könnte man richtig, richtig schöne Ferien machen. Wir haben uns jetzt für ein Jahr Ferien unter Freunden entschieden. Das ist es uns Wert.

Beschreiben Sie kurz ihre bisherige Kammergesellschafts-Karriere.

Urspeter Kunz: Ich bin im Jahr 1990 in die Kammergesellschaft Wohlen eingetreten. 1993 wurde mein Schwiegervater Zeremonienmeister und ich übernahm sein altes Amt des Säckelmeisters (Finanzen). Im Jahr 2000 trat ich als neuer Zeremonienmeister an. Fünf Jahre blieb ich in diesem Amt. Seit 2011 bin ich wieder Säckelmeister. Und jetzt Ehrenkammerer 2013.

Auf was freuen Sie sich in Ihrem Amtsjahr am meisten?

Urspeter Kunz: Ganz klar auf den Kammerball. Für mich ist das einer der schönsten Bälle. Man trifft Bekannte, die man schon länger nicht gesehen hat, und feiert ein schönes Narrentreiben. Ausserdem sieht man immer viele wunderschöne Masken. Wir sind schon auf die Umsetzung des Mottos «Schatzinsel» gespannt. Ein weiteres Highlight sind die Besuche, die wir in den Schulen, der Integra, dem Bifang und vielen weiteren Institutionen abhalten. Das wird ein riesen Spass. Mit von der Partie ist immer eine ganze Delegation aus Ehrenkammererpaar, Ex-Ehrenkammerer, Zeremonienmeister usw. Vor allem die Altersfasnacht im Chappelehof blieb mir aus meiner Zeit als Zeremonienmeister in Erinnerung: Dort wird getanzt, was das Zeug hält.

Ganz allgemein: Was ist das Schöne, das Spezielle an der Fasnacht?

Urspeter Kunz: Dass man ausgelassen, fröhlich, befreit und vor allem unbeschwert sein kann. Die Fasnacht ist nicht so ernst, nicht so stier. Man kann durch sie aus dem Alltag ausbrechen, und einfach nur eine glückliche Zeit geniessen. Und das Geniessen steht bei mir ja bekanntlich im Vordergrund.