Wohlen

Urs Müller: «Verdichtet bauen heisst keinesfalls, dass wir einfach die Zentren zupflastern»

Die Lenzburger Zeughaus Immobilien AG, die auch das gegenüberliegende Areal der ehemaligen Bäckerei Kuhn überbauen wird, will die 1868 erbaute und später mehrmals erweiterte erste Wohler Post abbrechen und dort ein Wohn- und Geschäftshaus errichten.

Das Projekt hat den Wohler Architekten Urs Müller und sein Team gefordert: «In der Wohler Kernzone gibt es keine Ausnützungsziffer, und weil die Liegenschaft an der Kantonsstrasse liegt, ist für einen Neubau eigentlich ein Abstand von sechs Metern zur Fahrbahn erforderlich», erklärt er zu den Plänen für das 11-Millionen-Projekt am Postplatz. Hier eine Überbauung zu realisieren, die ins Wohler Zentrum passe und trotzdem eine wirtschaftliche Ausnützung erlaube, habe einiges an Planungsaufwand erfordert, erklärt er.

Auf dem Areal des ersten Wohler Postgebäudes ist ein 19 Meter hoher Bau mit zwei Untergeschossen. Das obere soll als Tiefgarage dienen, im unteren sind Keller- und Technikräume vorgesehen. Im Erdgeschoss wird es einen rund 300 m2 grossen Laden geben, in den vier darüber liegenden Geschossen sind je sechs Wohnungen mit 2 1/2 und 3 1/2 Zimmern geplant, zuoberst gibt es ein Attika-Geschoss mit weiteren vier Wohnungen.

Ganzheitliche Betrachtung

Urs Müller, dem die Entwicklung von Wohlen seit je sehr am Herzen liegt, untersuchte als Basis für die Planung des Neubaus am Postplatz vorerst das bauliche Umfeld im Quartier sowie die Verkehrssituation: «Uns ging es bei dieser städtebaulichen Analyse um eine ganzheitliche Betrachtung. Das ermöglicht uns unter anderem auch eine Sicht auf die spätere Entwicklung im direkten Umfeld des geplanten Neubaus», erklärte der Architekt.

Das gleiche Vorgehen haben Müller und sein Team schon beim Projekt «Bäckerei Kuhn» gewählt: «Ich will nicht einfach Häuser nur bauen, sondern meine Projekte jeweils so planen und realisieren, dass sie der Entwicklung im Dorf und im entsprechenden Quartier förderlich sind beziehungsweise eine solche begünstigen», sagt Müller.

Das werde unter den Vorzeichen der aktuellen Raumplanung immer wichtiger: «Heute reden alle vom verdichteten Bauen, aber längst nicht allen ist klar, was das bedeutet. Verdichtet bauen heisst keinesfalls, dass wir einfach die Zentren zupflastern, weil die Einzonung von zusätzlichem Land schwieriger geworden ist. Wir müssen unsere Kernzonen baulich, gestalterisch und verkehrstechnisch so konzipieren, dass trotz optimaler Ausnützung der zur Verfügung stehenden Flächen genügend Freiräume bleiben. Das geht allerdings nur, wenn wir die einzelnen Bauprojekte jeweils nicht isoliert betrachten, sondern – wie bereits erwähnt – einer möglichst ganzheitlichen Betrachtung unterziehen.»

Konkret heisst das: Müller will seine Projekte so konzipieren, dass sie die weitere bauliche Entwicklung im Quartier möglichst nicht behindern, sondern dieser in allen Belangen möglichst dienlich sind. Dabei gehe es nicht nur um die bestmögliche gestalterische Einbettung des Baukörpers in das Quartier, sondern ebenso um dessen Erschliessung. Damit die angestrebten Ziele erreicht werden können, braucht es Kompromisse. Beim Neubau werden deshalb drei Ausnahmebewilligungen beantragt.

Kleinerer Grenzabstand

Die erste betrifft den Abstand zur Kantonsstrasse. Das bestehende Gebäude prägt den Strassenraum am Postplatz entscheidend mit. Das soll so bleiben und für den Neubau deshalb ein kleinerer Grenzabstand erlaubt werden. Bei der zweiten Ausnahmebewilligung geht es um die Spielplatzpflicht. Die Bauherrschaft will sich davon befreien lassen und die erforderliche Ersatzabgabe leisten, weil auf der engen Parzelle der Platz beschränkt ist.

Und schliesslich geht es zum Dritten um die Gebäudehöhe. Erlaubt sind in der Kernzone 16 Meter, die tolerierte Firsthöhe liegt bei 19 Metern. Weil ein Attikageschoss geplant ist, braucht es auch hier einen Kompromiss. Diesen hat man auf der gegenüberliegenden Strassenseite bereits gefunden. Die bewilligte neue Überbauung am Platz der Bäckerei Kuhn bekommt ebenfalls ein Attikageschoss und darf 19 Meter hoch werden. Laut Urs Müller würden die beiden Bauten auch in dieser Beziehung gestalterisch optimal miteinander korrespondieren.

Und gemeinsam zur Aufwertung des Ortsbildes beitragen, ist der Architekt überzeugt. Für den Neubau der Liegenschaft Kuhn ist die Baubewilligung 2018 erteilt worden. Zurzeit laufe eine Investorensubmission, die bis im Frühling entschieden sein werde, erklärte Urs Müller.

Café in ehemaliger Bäckerei?

Mit dem Baubeginn rechnet er im Laufe von 2019. Nach wie vor sei es sein Traum, dass am Platz der ehemaligen Feinbäckerei allenfalls wieder ein Café eingerichtet werden könne, allenfalls zusammen mit einem kleinen Bücherladen. Auch mit der Postliegenschaft will die Zeughaus Immobilien AG zügig vorwärtsmachen. Laut Müller ist die Nachfrage sowohl nach den geplanten Kleinwohnungen als auch nach Büro- und Praxisräumlichkeiten vorhanden. Vorerst läuft jetzt aber noch das Bewilligungsverfahren für den Neubau. Das Baugesuch liegt bis zum 18. Januar auf der Bauverwaltung in Wohlen auf.

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