Unwetter im Freiamt
Der gelbe Smart stand schon wieder im Wasser: Glück im Unglück im Hochwasser

Die Feuerwehren Eggenwil und Rietenberg mussten beide am Montagabend wegen des starken Regens ausrücken. Beide haben Spezielles zu berichten: Eggenwil leitet den Pflanzerbach nun bewusst durch eine Garage, während in Villmergen die Hochwasserdämme das Dorf geschützt haben.

Andrea Weibel
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Der Pflanzerbach hat in wenigen Tagen in Eggenwil schon wieder denselben Smart erwischt.

Der Pflanzerbach hat in wenigen Tagen in Eggenwil schon wieder denselben Smart erwischt.

zvg/Biagio Incollingo

Fröhlich gelb leuchtet der gelbe Smart aus den braunen Fluten. Und das schon zum zweiten Mal innert einer Woche. Der Eggenwiler Pflanzerbach trat bereits am Mittwoch der vergangenen Woche über die Kantonsstrasse und hat die Liegenschaft darunter mit Wasser, Schlamm und Schutt eingedeckt. Dies tat er am Montagabend erneut. Feuerwehrkommandant Thomas Hausherr erklärt: «Das passierte zuletzt vor acht Jahren, darum haben wir nicht damit gerechnet, dass es gleich zweimal in einer Woche so weit kommen würde. Jetzt haben wir aber unsere Lehren daraus gezogen.»

Mit Schaltafeln haben die rund 30 bis 35 Feuerwehrleute, die am Montag in Eggenwil im Einsatz waren, den Pflanzerbach nun provisorisch so kanalisiert, dass er, sollte nochmals so viel Regen fallen, umgeleitet würde. Hausherr sagt:

«Dann leiten wir den Bach bewusst durch die Garage der Liegenschaft und zum Fenster wieder raus. Das ist das kleinere Übel, so bleibt das Haus verschont.»

Der Hausbesitzer sei damit einverstanden. Dabei werde das Haus gerade erst neu bezogen, wie Hausherr berichtet. «Der neue Bewohner wohnt noch nicht einmal da, und schon stand das Haus zweimal unter Wasser», sagt er voller Mitgefühl.

Der gelbe Smart stand am Mittwoch vor einer Woche schon einmal in den Fluten.

Der gelbe Smart stand am Mittwoch vor einer Woche schon einmal in den Fluten.

zvg / Walter Bürgi (23.6.2021)

Zwei neue Wassersauger wurden gleich im Ernstfall getestet

Jetzt müssten Kanton und Gemeinde schauen, wie das Problem dauerhaft gelöst werden kann. Vergangene Woche hatte Gemeindeschreiber Walter Bürgi dem Bauamt bereits den Auftrag erteilt, mit dem Kanton zu schauen, welche Massnahmen man umsetzen könnte, damit der Pflanzerbach auch bei starkem Regen dort bleibt, wo er hingehört. Denn zwar sei der Bachdurchlass an dieser Stelle als Hochwasserschutzmassnahme vergrössert worden, doch der Feuerwehrkommandant sagt:

«Sobald der Rechen verstopft, haben wir ein Problem.»

Dennoch kann Kommandant Thomas Hausherr auch von Glück im Unglück berichten. Nach dem ersten Einsatz am Mittwochabend bemerkten die Feuerwehrleute, dass der Wassersauger kaputt gegangen war. «Allerdings erst, als wir im Magazin noch etwas aufsaugen wollten», erzählt Hausherr lachend.

Er hat gut lachen, denn: «Am Montagabend gegen 19 Uhr kam der Vertreter mit zwei neuen Wassersaugern, um sie uns vorzuführen. Wir haben sie dann gleich im Einsatz testen können, denn ebenfalls gegen 19 Uhr kam das Unwetter.» So konnten sie damit gleich das Haus und die Garage aussaugen, die erneut Opfer des starken Regens geworden sind.

«Hochwasserschutz war teuer, zahlte sich aber aus»

Auch die Feuerwehr Rietenberg, die in Villmergen stationiert ist, musste am Montag mehrfach ausrücken. Allerdings nicht schon in der vergangenen Woche, wie ihre Kollegen in Eggenwil. Kommandant Christian Sigel berichtet: «Wir hatten sechs Einsätze, darunter zwei grössere. 15 Mann waren im Einsatz.» Dabei fanden alle sechs Einsätze in Dintikon statt.

In Dintikon liefen Bäche über die Strasse und an manchen Stellen in Keller und Tiefgaragen. Villmergen blieb hingegen verschont.

In Dintikon liefen Bäche über die Strasse und an manchen Stellen in Keller und Tiefgaragen. Villmergen blieb hingegen verschont.

zvg / Feuerwehr Rietenberg

Eine Tiefgarage stand etwa 50 Zentimeter tief unter Wasser, die angrenzenden etwa 15 Kellerräume ebenfalls 10 bis 20 Zentimeter. «Es dauerte etwa dreieinhalb Stunden, bis wir sie freigesaugt und -gepumpt hatten.» Ausserdem war ein Hang auf die Strasse gerutscht, die die Feuerwehr zusammen mit helfenden Bauern wieder freiräumte. Ein Wintergarten hatte dem Wasser nicht standhalten können, «da drang das Wasser zu allen Profilen ein. Wir konnten es gerade noch ableiten, bevor es in die Wohnung laufen konnte», so Sigel. Er hält fest: «Meistens sind in solchen Fällen Dachrinnen das Problem, die durch Laub verstopft sind.»

In Dintikon musste die Feuerwehr Rietenberg zusammen mit Bauern eine Strasse räumen, die von Schlamm und Wasser versperrt war.

In Dintikon musste die Feuerwehr Rietenberg zusammen mit Bauern eine Strasse räumen, die von Schlamm und Wasser versperrt war.

zvg / Feuerwehr Rietenberg

In Villmergen selbst, wo vielen noch die Bilder von verschiedenen Überflutungen vor einigen Jahren im Kopf geblieben sind, musste die Feuerwehr zu keinem einzigen Einsatz ausrücken. Sigel ist überzeugt:

«Die beiden Hochwasserschutzdämme, die damals viel Geld gekostet haben, haben sich ausgezahlt.»

Auch die neuralgischen Punkte, die in Vorjahren so gut wie immer überschwemmt wurden, hätten diesmal überhaupt keine Probleme gemacht, freut er sich.