Rottenschwil
«Unüberbrückbare Differenzen»: Zwei Rücktritte im Gemeinderat geben zu reden

Anfang 2014 hat der neue Gemeinderat von Rottenschwil die Amtszeit begonnen – und schon sind zwei Mitglieder zurückgetreten. Gemeindeammann Anna Hoppler weist die Vorwürfe zurück. Die Rücktritte hätten nichts mit einer schlechten Stimmung zu tun.

Toni Widmer
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Gabriela Hartmann und Christoph Mathis.

Gabriela Hartmann und Christoph Mathis.

zvg

In Rottenschwil sind ein Gemeinderat und eine Gemeinderätin per sofort zurückgetreten.

Christoph Mathis war seit fünf Jahren im Amt, sein Rücktritt ist vom Departement Volkswirtschaft und Inneres per heute Freitag bewilligt worden. Als offizielle Begründung für den sofortigen Rücktritt hat Mathis seinen Wegzug aus der Gemeinde angegeben.

Gabriela Hartmann, nach wie vor amtierende Präsidentin der Schulpflege, war erst seit 1. Januar im Amt. Sie durfte den Gemeinderat per sofort verlassen, weil sie beim Departement ein Arztzeugnis eingereicht hat.

Zusammenarbeit schwierig

Wie gestern bekannt geworden ist, haben Mathis und Hartmann ihre Rücktritte zum gleichen Zeitpunkt eingereicht. Mathis machte ihn auch umgehend öffentlich. Der Rücktritt von Hartmann ist erst vorgestern, durch die offizielle Mitteilung des Gemeinderates, bekannt geworden.

Mathis erklärte seinen Rücktritt gegenüber der az am 2. Mai mit unüberbrückbaren Differenzen im Gemeinderat. Gesprächskultur und Umgang in der Behörde hätten sehr zu wünschen übrig gelassen.

Mehr will er dazu auch heute nicht sagen. Für ihn sei die Sache abgeschlossen und er fasse im Hinblick auf eine berufliche Veränderung ohnehin einen Wegzug aus der Gemeinde ins Auge.

Gabriela Hartmann spricht ebenfalls von unüberbrückbaren Differenzen im Gremium und sagt: «Es geht auch um unterschiedliche Arbeitsweisen.» Die Schwierigkeiten im Gemeinderat hätten sie krankgemacht. Weiter wolle sie sich jedoch nicht äussern, sondern sich auf ihr Amt als Schulpflegepräsidentin konzentrieren: «Dieses Amt will ich behalten, da gibt es für mich noch genug zu tun.»

Frau Gemeindeammann Anna Hoppler weist die Vorwürfe ihrer ehemaligen Amtskollegin und ihres ehemaligen Amtskollegen ins Reich der Fabel: «Die Rücktritte haben nichts mit einer schlechten Stimmung im Gemeinderat oder mit meiner Führung zu tun», sagt sie.

Es gehe viel mehr darum, dass Christoph Mathis und Gabriela Hartmann in einer für sie sehr wichtigen Angelegenheit vom Gemeinderat überstimmt worden seien: «Damit konnten die beiden nicht umgehen und haben den Rücktritt erklärt. Sie können demokratisch gefällte Entscheide offenbar nicht akzeptieren.»

Schule und Wahlkampf

Ob das stimmt, was Frau Gemeindeammann denkt, oder ob die Zusammenarbeit im Rottenschwiler Gemeinderat wirklich so schwierig geworden ist, wie Mathis und Hartmann sagen, bleibt offen.

Viele wollen etwas wissen, aber niemand sich gegenüber der az konkret zur Situation äussern. Nach mehreren Gesprächen hat sich jedoch gezeigt, dass in der seit Januar neu zusammengesetzten Behörde von Anfang an Konfliktpotenzial vorhanden gewesen ist.

So haben sich Anna Hoppler und Christoph Mathis im Herbst einen Wahlkampf um das Amt des Gemeindeammanns geliefert, den allenfalls beide nicht ganz verdaut hatten.

Bei Gabriela Hartmann scheint das Doppelmandat als Schulpflegepräsidentin und Gemeinderätin nicht die optimale Konstellation gewesen zu sein. Zumal sie in der Behörde das Ressort Schule übernommen hat. Beziehungsweise übernehmen musste.

Denn in Rottenschwil hat es vor dem Amtsantritt des neuen Gremiums nicht wie üblich eine konstituierende Sitzung gegeben. Vielmehr hat der «alte» Gemeinderat im Dezember beschlossen, wer im «neuen» Gemeinderat welche Ressorts zu übernehmen hat. Gabriela Hartmann war an dieser Sitzung nicht dabei.

Ebenfalls der alte Gemeinderat hat Hartmann auch als Abgeordnete in den Gemeindeverband Kreisschule Kelleramt delegiert. Als die Abgeordnetenversammlung Interessenkonflikte der Schulpflegepräsidentin befürchtete, löste Anna Hoppler Gabriela Hartmann kurzerhand im Verband ab. Gegen deren Willen.