Auslandshilfe
«Unterrichtsbedingungen sind nicht immer gut»: Bremgarterin setzt sich für Kinder in Südafrika ein

Tabea Pusceddu möchte armen Kinder eine bessere Zukunft bieten. Deshalb gründete sie im Mai einen Verein. Eine Crowdfunding-Kampagne wird diesen Monat gestartet.

Verena Schmidtke
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Tabea Pusceddu umgeben von Kindern und Betreuern bei einem Besuch im Township Zwelihle in Hermanus.

Tabea Pusceddu umgeben von Kindern und Betreuern bei einem Besuch im Township Zwelihle in Hermanus.

zvg

Ernst wirkt Tabea Pusceddu, als sie von den Lebensbedingungen in einem südafrikanischen Township erzählt. Dort sind fliessendes Wasser und Strom keine Normalität, die Menschen leben in Hütten aus Wellblech. «Die Kinder besuchen zwar die Schule, doch die Unterrichtsbedingungen sind nicht immer gut», berichtet sie. Wege aus der Armut gebe es kaum. Deswegen gründete die Bremgarterin im Mai den Verein «Osanalerona», um Kindern des Townships Zwelihle eine Perspektive zu bieten. Diesen Monat startet der Verein eine Crowdfunding-Kampagne.

Tabea Pusceddus Engagement für Südafrika begann aber schon einige Zeit vorher. Die Personalentwicklerin arbeitete dort vor zweieinhalb Jahren als Volontär an einer Primarschule. Dabei lernte sie Mathews Mere kennen. Sie führt aus: «Er erzählte mir von seinem Vorhaben, Kinder in seinem Township nach der Schule sinnvoll zu betreuen und ihnen Grundlagen im Umgang mit Computern vermitteln zu wollen.»

Von der Schweiz aus Spenden gesammelt

Dieses Projekt habe er bei sich zu Hause, einer heruntergekommenen Wellblechhütte, umgesetzt und dafür die «Osanalerona Foundation» gegründet – benannt nach seinem 2018 geborenen Sohn. Mere und Pusceddu blieben in Kontakt. «Von der Schweiz aus habe ich Spenden gesammelt, um das Betreuungsangebot zu unterstützen. Es hat mich nicht losgelassen», schildert die 30-Jährige. «Anfang 2020 bin ich nach Südafrika gereist, weil ich sehen wollte, wie es mit dem Projekt vorangeht.» Zudem hatte sie Laptops und Tablets im Gepäck.

Tabea Pusceddu engagiert sich gegen Armut.

Tabea Pusceddu engagiert sich gegen Armut.

Verena Schmidtke

Das Township Zwelihle gehört zur Stadt Hermanus. Auch nach Beendigung der Apartheid im Jahr 1994 sind die sozialen Unterschiede der Gesellschaft Südafrikas unübersehbar. Auf der einen Seite gut situierte Wohnviertel, schöne Ferienhäuser, auf der anderen die Townships, in denen Armut herrscht. Tabea Pusceddu dazu: «Kinder, die dort aufwachsen, haben kaum eine Möglichkeit, der Armut zu entkommen.»

«Kriminalität ist ein grosses Problem»

Als sie im Februar sah, unter welch schwierigen Bedingungen Mathews Mere und seine Frau die rund 50 Kinder betreuten, entschloss sie sich, zu handeln. «In die Hütte regnete es hinein, sie war direkt auf die Erde gebaut, immer wieder sprang eine Ratte hinter einer Ecke hervor», erinnert sie sich anschaulich. «Also rissen wir alles ab, und bauten eine grössere Hütte mit betoniertem Boden.» Möglich gewesen sei das durch Spenden aus dem privaten Umfeld von Pusceddu.

Kinder verzieren eine Wellblechhütte mit farbigen Händen.

Kinder verzieren eine Wellblechhütte mit farbigen Händen.

zvg

Nun können die Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren nach dem Schulunterricht betreut und mit Mahlzeiten versorgt werden. «Kriminalität ist in den Townships ein grosses Problem. Die meisten Eltern arbeiten den ganzen Tag, nach der Schule sind die Kinder häufig auf den Strassen anzutreffen. Im Betreuungszentrum sind sie besser aufgehoben», erklärt die engagierte Helferin. Es sei schön, mitzubekommen, wie bereits mit wenig Spenden, viel erreicht werden konnte.

Schon 30 Laptops sind zugesichert worden

Mit dem Umbau des Zentrums allein war die Arbeit noch lange nicht getan. Um dem Projekt weiterhin mit Spenden helfen können, gründete Pusceddu den Verein «Osanalerona», mittlerweile hat er zwölf Mitglieder.

Als wichtige Unterstützung wurde «Labdoo.org» gewonnen, ein gemeinnütziges Hilfsprojekt, das Kindern und Jugendlichen im In- und Ausland Zugang zu IT und Bildung ermöglicht. Labdoo habe «Osanalerona» 30 Laptops zugesichert, fünf habe Pusceddu bereits in Empfang nehmen können.

Um die Angebote auf Dauer zu gewährleisten, muss der Verein Spenden sammeln. Pusceddu: «Wir starten ein Crowdfunding auf www.crowdify.net. Ziel ist, weitere Mittel zu erhalten, um den Umbau des Betreuungszentrums fertigzustellen und die Betreuerinnen professionell auszubilden.» Zu den Plänen in naher Zukunft sagt Pusceddu: «Sobald es die Coronasituation zulässt, möchte ich nach Südafrika fliegen, um weitere Laptops zu den Kindern zu bringen.»

Weitere Infos gibt es auf www.osanalerona.org