Unterlunkhofen
Tradition mit Funkenflug ‒ Höllengilde lässt sich nicht vom Christbaumverbrennen abhalten

Seit 16 Jahren organisiert die Höllengilde in Unterlunkhofen das Christbaumverbrennen. Während fast alle umliegenden Gemeinden ihre Christbaum-Aktionen wegen Corona absagten, passten sich diese Organisatoren an und führten ihr grosses Feuer trotzdem durch.

Verena Schmidtke Jetzt kommentieren
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Mit Schwung befördern Fridolin Stutz und Armin Huber einen grossen Christbaum in das lodernde Feuer und passen auf, dass niemand den Flammen zu nahe kommt. Es knistert laut, Funken fliegen über die Köpfe der Zuschauenden hinauf Richtung Abendhimmel. Zur Sicherheit gehen einige noch ein paar Meter mehr auf Abstand.

«Siehst du, wie das brennt?», fragt ein Vater seine kleine Tochter, die staunend zum Feuer schaut. «Deswegen muss man bei Weihnachtsbäumen mit echten Kerzen immer vorsichtig sein.» Gerade die Kinder sind es, die ganz begeistert dem Verbrennen der Tannen zusehen. «Ich möchte noch nicht nach Hause, es ist so spannend hier», bekundet ein Junge, als seine Eltern aufbrechen wollen.

Schon bevor das Verbrennen am späten Samstagnachmittag beginnt, stapeln sich viele ausgediente Christbäume auf dem Feld nicht weit entfernt von der Garage von Walter Brumann in Unterlunkhofen. Kaspar Stöckli, Präsident der Höllengilde, die das Christbaumverbrennen seit Jahren organisiert, teilt mit:

«Einige haben ihre Bäume schon im Laufe des Tages gebracht. Aber die meisten kommen jetzt, am Abend, und haben ihren Weihnachtsbaum dabei.»

Schmunzelnd erzählt er, dass einige Kinder sogar ein Seil um ihre Tanne gebunden haben, um sie durch das Dorf zum Verbrennen zu ziehen.

An sich sei die Höllengilde eine Fasnachtsclique. «Das Christbaumverbrennen organisieren wir aber separat davon», erläutert der Präsident, «und das seit 16 Jahren.»

Ein Anlass, um sich zu treffen und neue Leute kennen zu lernen

Ohne die Coronapandemie hätten die Besucherinnen und Besucher des Anlasses die Möglichkeit, in den Räumen der Garage von Walter Brumann bei Grilladen und Getränken gemütlich zusammenzusitzen, um sich auszutauschen. In diesem Jahr ist das aufgrund der Beschränkungen nicht möglich. Dafür sind nun draussen einige Tische aufgestellt worden, auch auf Abstand gibt es Gelegenheiten, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Fridolin Stutz und Armin Huber werfen einen weiteren Christbaum ins grosse Feuer in Unterlunkhofen.

Fridolin Stutz und Armin Huber werfen einen weiteren Christbaum ins grosse Feuer in Unterlunkhofen.

Verena Schmidtke

Kaspar Stöckli sagt: «Der Hauptgrund für die Veranstaltung ist ja, dass die Einwohner aus dem Dorf sich treffen können. Durchschnittlich kommen um die 120 Personen vorbei, vermutlich sind es in diesem Jahr weniger als sonst. Aber wir sind ganz froh, dass es überhaupt stattfinden kann.»

Sozialer Schmierstoff und viel Faszination für die Flammen

Ihm werde nach dem Christbaumverbrennen immer wieder von Bekannten berichtet, wie schön es gewesen sei, Kollegen wiederzusehen – besonders dann, wenn man sich längere Zeit nicht getroffen habe. «Auch für Neuzuzüger ist die Veranstaltung sehr hilfreich, Leute aus dem Dorf näher kennen zu lernen. Da sind schon gute Freundschaften entstanden», führt Stöckli aus und fügt lachend hinzu:

«Das Christbaumverbrennen ist so etwas wie sozialer Schmierstoff.»
Christbaumverbrennen in Unterlunkhofen am 8. Januar 2022
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Christbaumverbrennen in Unterlunkhofen am 8. Januar 2022
Christbaumverbrennen in Unterlunkhofen am 8. Januar 2022
Christbaumverbrennen in Unterlunkhofen am 8. Januar 2022
Christbaumverbrennen in Unterlunkhofen am 8. Januar 2022
Christbaumverbrennen in Unterlunkhofen am 8. Januar 2022
Christbaumverbrennen in Unterlunkhofen am 8. Januar 2022

Christbaumverbrennen in Unterlunkhofen am 8. Januar 2022

Verena Schmidtke

Er weist auf den Besitzer der Garage, auf dessen Areal das Christbaumverbrennen alljährlich veranstaltet wird. Dabei merkt Präsident der Höllengilde dankend an: «Jedes Jahr spendiert Walter Brumann allen Besucherinnen und Besuchern ein Gratisgetränk.»

Dann macht sich Kaspar Stöckli zusammen mit seinem Enkel auf den Weg zum Feuer. Dort sind inzwischen weitere Familien mit ihren Weihnachtsbäumen eingetroffen, alle schauen gespannt dabei zu, wie Fridolin Stutz und Armin Huber die Tannen gekonnt in die Flammen befördern.

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