Sarmenstorf

Unheilbar krebskrank: Sie erzählt, wie ihre Freundin in Würde verstarb

Josefine Krumm zeigt das Buch über ihre Freundin.

Josefine Krumm zeigt das Buch über ihre Freundin.

Josefine Krumm schrieb die Geschichte ihrer krebskranken und verstorbenen Freundin auf und lässt im Buch die Ärzte zu Wort kommen. Die Verstorbene entschied sich gegen eine Chemotherapie und wollte

Sie kannten einander schon seit ihrer Kindheit. Trotzdem mussten Walburga Neureuther und Josefine Krumm 50 Jahre alt werden, bis sich ihre Lebenswege für immer miteinander verbanden.

Das war vor zwei Jahren. Die beiden Frauen waren längst Freundinnen, als für Walburga Neureuther Himmel und Hölle zusammentrafen. Einen Tag nach ihrem 49. Geburtstag erhielt sie die schockierende Diagnose: unheilbarer Krebs.

Dass sie sich weder von der Angst beherrschen liess noch auf den beschwerlichen Zug der Chemotherapie sprang, beeindruckte ihre Freundin Josefine Krumm. Es war purer Zufall, dass diese sich zeitgleich vermehrt mit Solidarität und Würde am Lebensende auseinandersetzte.

In beiden Frauen keimte der Wunsch, der Bevölkerung zu zeigen, wie wichtig ein würdevolles Lebensende ist. Die Sarmenstorferin Josefine Krumm erinnert sich: «So kam die Idee zum Buch. Wir wollten den Betroffenen vor allem Mut machen, dass sie die Unterstützung verschiedener Dienste wie zum Beispiel Palliative Care rechtzeitig nutzen.»

Voller Engagement stürzten sie sich in das Projekt. Auf der Suche nach einem Verlag wurde ihnen klar, dass sie einen schnelleren Weg finden mussten. «Walburga sagte mir: ‹Josefine, ich habe nicht so lange Zeit.› Gibt es keine andere Möglichkeit?»

Kurzerhand wurde ein eigener Verlag gegründet und der intensive Austausch zwischen den beiden begann. Anfangs befürchteten sie, dass es an Unterstützung mangeln würde. Es brauchte finanzielle Mittel und ermutigende Worte. Doch ihre Ängste blieben unbestätigt: «Wir erhielten von überall Zuspruch, und die Spendengelder ermöglichten uns, dass das Buch professionell entstehen konnte», sagt Josefine Krumm.

Walburga Neureuther fing an, eigenständige Entscheidungen über ihre Behandlung zu treffen. «Sie wollte den gesunden Teil, der immer noch in ihr lebte, stärken», erzählt Josefine Krumm. So hielt sie es auch mit der Ernährungstherapie.

«Anstatt sich genau an die Vorschriften zu halten, gab sie sich ein Stück Freiraum. Sie zog es vor, sechs Monate kürzer zu leben, dafür das Leben intensiver aufzusaugen, etwas vorwärtszubringen und Träume oder Projekte zu verwirklichen. Da zu sein für Menschen und nicht sagen zu müssen: «Du, ich kann jetzt nicht, ich muss mir noch einen Gemüsesaft pressen.»

Mit Fachbeiträgen untermauert

Speziell an der Lektüre ist die Zweispurigkeit mit der persönlichen Geschichte einerseits und der Fachbeiträge von Ärzten andererseits. Roland Kunz ist Chefarzt der Palliative Care am Spital Affoltern und teilt die Auffassung, dass mehr und bessere Informationen bei vielen Betroffenen die Angst vor der Krankheit reduzieren und die Lebensqualität verbessern können.

Aus ärztlicher Sicht wird die Palliative Care mit folgenden Worten zusammengefasst: «Wir werden alles tun, damit Sie nicht nur in Frieden sterben, sondern auch bis zuletzt leben können.»

Für Walburga Neureuther war es wichtig, ihr Leben zu ordnen und aufzuräumen, um dann abschliessen zu können. Ihr schwebte stets die Frage vor Augen: Wie viel Lebensqualität bringe ich in das letzte Stück Zukunft? «Mit der Benennung des Todes geht auch die Furcht verloren», pflegte sie zu sagen.

Das Aufschreiben der Geschichte und die fachliche Betrachtung halfen auch Josefine Krumm an der Seite ihrer Freundin. «Wir alle tauchten in die Geschichte ein und wollten eine Botschaft versenden, damit der Ausblick aufs Lebensende breiter thematisiert wird.»

Wundersamer Abschied

Als dann vor zwei Wochen die Tausenderserie Bücher frisch gedruckt bei Josefine Krumm vor der Tür stand, beschlich sie ein mulmiges Gefühl. In vier Tagen wollte sie mit ihrer kranken Freundin den Buchdruck feiern, bis dahin sollten die Exemplare gut verpackt in der Schachtel bleiben.

Von der Unruhe getrieben, fuhr die Autorin noch am selben Abend den dreistündigen Weg zu ihrer Freundin, um ihr ein Buch in die Hand zu drücken. Diese war vor Freude überwältigt. In der darauf folgenden Nacht verstarb sie. «Sie konnte endlich abschliessen», sagt Josefine Krumm.

Ohne zu zögern, begann sie mit der Vorbereitung der Lesungen, dem Organisieren und Planen der kommenden Wochen. «Für mich ist das eine Art, die Trauer zu verarbeiten, und ich freue mich besonders auf die Vernissage.»

Die Buchvernissage findet im speziellen Rahmen statt: Mit musikalischen Beiträgen von Künstlern aus der Region und fachlichen Ausführungen von Clemens Dietrich, Präsident des Schweizerischen Vereins homöopathischer Ärzte, wird dem Buch die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt und der tapferen Kämpferin Walburga Neureuther gedacht.

Die Buchvernissage findet am 21. März, um 20 Uhr im Sternensaal Wohlen statt.

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