Mühlau

Ungewöhnliche Idee: 25 Werke mit Sichtbeton am Dorfrand

Künstler Andreas Camenisch (rechts) und Hausherr Fugo Diethelm vor einem Landschaftsbild in Grün- und Gelbtönen.Cornelia Bisch

Künstler Andreas Camenisch (rechts) und Hausherr Fugo Diethelm vor einem Landschaftsbild in Grün- und Gelbtönen.Cornelia Bisch

Ölbilder und Acrylbilder von Andreas Camenisch sind in einem bewohnten Haus in Mühlau ausgestellt. Bei den Bildern stehen die Emotionen im Vordergrund, so der Künstler.

Die ungewöhnliche Idee, ein bewohntes Haus in eine Galerie zu verwandeln, haben der Künstler Andreas Camenisch und der Hausbesitzer Fugo Diethelm erfolgreich umgesetzt.

Die Türklingel ist ausser Betrieb, man darf einfach eintreten, sich ungeniert in sämtlichen Räumen des dreistöckigen, am Dorfrand von Mühlau gelegenen Hauses umsehen. An den grosszügigen Sichtbetonwänden der Zimmer, Gänge und des Treppenhauses hängen Öl- und Acrylbilder des Künstlers Andreas Camenisch, jedes bewusst an einem ganz bestimmten Ort platziert. Sie stehen im Dialog zur Architektur, profitieren vom lebendigen Umfeld der Einrichtung und schaffen ihrerseits Atmosphäre.

Kontrastreich und vielschichtig

Andreas Camenisch ist experimentierfreudig, seine Kunst vielseitig und kontrastreich. Die rund 25 ausgestellten Werke sind in den letzten vier Jahren entstanden. Der Künstler malt mit Öl- oder Acrylfarben auf Leinwand, manchmal auch auf raue Jute. «Ölbilder können immer wieder überarbeitet werden. Viele meiner Gemälde sind vielschichtig und über einen langen Zeitraum hinweg entstanden», erklärt der Künstler.

Es gibt naturalistische Darstellungen spielender Kinder, badender oder sich sonnender Menschen von naiver, unbeschwerter, manchmal humoristischer Heiterkeit. Kleinformatige Momentaufnahmen verschiedener urbaner Schauplätze – Szenen, Augenblicke in einem Bistro, auf der Strasse, im Park – fesseln durch ihre fokussierte, abstrakte Form. Die Porträts lachender Menschen, mit groben Pinselstrichen in starken Farben gemalt, faszinieren durch die Lebendigkeit ihres Ausdrucks. «Hier stehen die Emotionen im Vordergrund, weniger die Menschen an sich. Ich wollte ihr Gefühl, ihr Lachen einfangen», betont Camenisch. Besonders eindrücklich sind verschiedene grossformatige Landschafts-, Licht- und Wetterstimmungen, bei denen der Maler mutig mit teilweise fast grellen Farben experimentiert. Eine tiefrote Meerlandschaft, klar als solche erkennbar, aber in gewisser Weise traumtänzerisch entrückt. Die vage Andeutung einer sanften Flusslandschaft, die sich am fernen Horizont verliert, hell erleuchtet von der Abendsonne.

Unterwegs mit der Kamera

Der 39-jährige Künstler ist Lehrer für Bildnerisches Gestalten an der Bezirksschule Sins. Er hat Bündner Wurzeln, ist aber in Kriens aufgewachsen und lebt seit vielen Jahren in Luzern, wo er auch das Lehrerseminar und die Kunstgewerbeschule besuchte. Andreas Camenisch ist froh, dass er nicht von seiner Kunst leben muss. «Das gibt mir die Freiheit, auszuprobieren, worauf immer ich Lust habe.» Momentan absolviert er einen Lehrgang in Fotografie und lässt die gewonnenen Erkenntnisse, die differenzierte Wahrnehmung von Licht- und Bildkompositionen, von Menschen und Situationen in seine künstlerische Arbeit einfliessen.

Auf Ausflügen in die Natur hat Andreas Camenisch meist eine kleine Fotokamera dabei. «Oft bilden Fotografien die Grundlage für meine Bilder», erklärt er. «Ich übernehme die Motive nicht eins zu eins, sondern verwende Ausschnitte, baue darauf auf, spiele mit den diversen Farben und Formen.» Schön sei für ihn, wenn der Betrachter die Stimmung eines Bildes auf Anhieb erfasse.

Öffnungszeiten: 27. und 29. Mai, 18–20 Uhr. Finissage: 12. Juni, 18–21 Uhr. Stefan Diethelm, Obsthallenweg 5, Mühlau

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1