Berikon
Umstrittener Arzt Ingo Malm praktiziert am neuen Ort ohne Bewilligung

Das Umnutzungsgesuch gegen den Freiämter Arzt Ingo Malm ist noch immer hängig. Trotzdem praktiziert er in Berikon bereits wieder. Anwalt Jean-Pierre Gallati fordert die Praxisschliessung. Der Gemeinderat erlässt eine Verfügung.

Fabian Hägler
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Im neuen Ärztezentrum Mutschellen werden Patienten behandelt, obwohl dies gesetzlich verboten ist. TO

Im neuen Ärztezentrum Mutschellen werden Patienten behandelt, obwohl dies gesetzlich verboten ist. TO

Vor knapp zwei Wochen hat Ingo Malm seine Praxis in Rudolfstetten geräumt und in neue Räumlichkeiten in Berikon gezügelt. Dort dürfte der deutsche Arzt eigentlich noch nicht praktizieren – sein Umnutzungsgesuch für das Gebäude an der alten Bremgartenstrasse 2 ist noch nicht bewilligt.

Gegen das Gesuch ist beim Gemeinderat Berikon eine Einsprache von Rechtsanwalt und SVP-Grossrat Jean-Pierre Gallati hängig.

Dieser sagt: «Gerüchteweise habe ich erfahren, dass Herr Malm in seiner Praxis am neuen Standort in Berikon schon Patienten behandeln soll.» Ob dies zutrifft, wollte die Aargauer Zeitung von Ingo Malm selber wissen. Sowohl der Arzt als auch sein Anwalt liessen entsprechende Anfragen aber unbeantwortet.

Patient befürchtet Notstand

Patientensprecher Gustav Roten bestätigt hingegen, dass Ingo Malm in Berikon bereits praktiziert. «Was soll er machen?», fragt Roten, der selber Patient bei Malm ist. Dem deutschen Arzt bleibe «nichts anderes übrig, als die akuten Fälle und auch Notfälle zu behandeln», argumentiert Roten.

Er ergänzt, es gebe keine Arztpraxis in der Umgebung, die so viele Patienten zu versorgen habe, wie dies bei Malm der Fall sei. Roten hält weiter fest: «Es sind täglich viele schwere Fälle dabei, die dringend ärztliche Hilfe benötigen.»

Gustav Roten hat diese Woche selber versucht, bei anderen Ärzten wegen einer starken Grippe einen Termin zu bekommen. «Ich bekam nur Absagen oder ein Terminangebot auf viele Tage hinaus», sagt er.

Es sei eine Tatsache, dass die anderen Ärzte in der Region fremde Patienten gar nicht innert nützlicher Frist behandeln könnten, begründet Roten.

Anwalt fordert Praxis-Schliessung

Jean-Pierre Gallati entgegnet: «Dass auf dem Mutschellen ein Notstand in der ärztlichen Versorgung bestehen soll, ist mir nicht bekannt.»

Der Rechtsanwalt, der eine frühere Angestellte von Malm juristisch vertreten und den deutschen Arzt in der TV-Sendung «Kassensturz» heftig kritisiert hatte, verlangt: «Wenn die Aussagen von Herrn Roten wirklich zutreffen, muss der Gemeinderat aus meiner Sicht aktiv werden und den Praxisbetrieb schliessen.»

Gemeindeammann Stefan Bossard hält fest, dem Beriker Gemeinderat sei bekannt, dass Ingo Malm die Praxistätigkeit am neuen Standort aufgenommen habe. «Wir werden Herrn Malm per Verfügung auffordern, den Betrieb in Berikon einzustellen», sagt Bossard.

Sollte der Arzt dieser Aufforderung nicht nachkommen, werde der Gemeinderat weitere Massnahmen prüfen, um die gesetzlichen Vorgaben durchzusetzen.

Praxisbetrieb noch nicht zulässig

Diese sind eindeutig: Solange das Gesuch, die Räumlichkeiten an der Bremgarterstrasse 2 als Arztpraxis zu nutzen, nicht rechtskräftig bewilligt ist, darf Malm dort nicht praktizieren.

Gallati hält denn auch fest, für den Arzt würden die gleichen Spielregeln gelten, wie für alle anderen Bauherren. «Herr Malm hat den Umbau in Berikon ohne Baubewilligung realisiert», gibt er zu bedenken.

Dies sei aufgrund der Situation, dass Malm seine gemieteten Räume in Rudolfstetten habe räumen müssen, noch knapp verständlich. Gallati kritisiert aber: «Kürzlich hat Herr Malm vor der neuen Praxis ohne Baubewilligung und sogar ohne Baugesuch einen Parkplatz gebaut.»

Bei einer Einigungsverhandlung, die am 18. Juni durchgeführt wurde, fanden Ingo Malm und Jean-Pierre Gallati keine Lösung. «Herr Malm musste bei der Gemeinde zusätzliche Unterlagen einreichen, wir haben jetzt bis zum 2. Juli Zeit, diese anzuschauen und Stellung zu nehmen», sagt Gallati.

Der Rechtsanwalt, dessen Kanzlei in Sichtweite des neuen Praxisstandorts liegt, lässt offen, ob er seine Einsprache aufrechterhalten wird. «Ich muss die Unterlagen zuerst im Detail prüfen, bevor ich einen Entscheid treffen kann», sagt er.

Stefan Bossard hält fest, der Beriker Gemeinderat werde das Gesuch von Ingo Malm innerhalb der gesetzlichen Fristen behandeln. «Wir werden wohl an der Sitzung vom 8. Juli darüber entscheiden», erklärt der Gemeindeammann.

Auch dieser Entscheid ist aber noch nicht definitiv. Innerhalb von 30 Tagen könnte eine allfällige Bewilligung beim Regierungsrat angefochten werden.

Patientensprecher übt harte Kritik

Malms Patientensprecher Gustav Roten kritisiert sowohl Gallati als auch den Beriker Gemeinderat scharf. «Die Einsprache zielt einzig und alleine darauf ab, mit allen Mitteln eine Übernahme der renovierten Praxis an der Bremgartenstrasse in Berikon zu verhindern», sagt er.

Gallati verwende fadenscheinige Argumente und gesuchte Einwendungen. Gustav Roten bezeichnet den Anwalt als «Demagogen, der mit Scheinargumenten alles blockiert und aus unserer Sicht vom Amtsschimmel Support bekommt.»

Gemeindeammann Stefan Bossard wehrt sich gegen die Vorwürfe. «Der Gemeinderat hat gar nicht die Kompetenz, um den sofortigen Start des Praxisbetriebs zu bewilligen, wie dies Herr Malm verlangt.» Dies teilte die Behörde Malm am Montag bereits in einem eingeschriebenen Brief mit.

Aktion pro Malm in Planung

Gustav Roten kontert: «Ich erhalte viele Telefonanrufe von Patienten, die alle in grosser Sorge sind, eventuell nicht mehr von Ingo Malm behandelt zu werden.»

Die Solidarität der insgesamt über 6000 Patienten gehe so weit, «dass viele bereit sind, auf die Strasse zu gehen, um ihrem Unbehagen über das Kesseltreiben und die Intrigen gegen Herrn Malm öffentlich Ausdruck zu verleihen.» Roten hält fest: «Wir überlegen uns bereits eine entsprechende Aktion.»