Muri

Umbau für eine halbe Million: Nur der Glockenturm blieb stehen

Das Kirchenschiff der Pfarrkirche St. Goar ist gar nicht alt, sondern entstand erst vor 80 Jahren.

Das Kirchenschiff der Pfarrkirche St. Goar ist gar nicht alt, sondern entstand erst vor 80 Jahren.

Vor 80 Jahren erfuhr die Pfarrkirche St. Goar eine grosse Umgestaltung. Die lange gewünschten Umbauarbeiten konnten endlich erfüllt werden.

Vor 80 Jahren, am Bettag 1936, kam der Afrika-Missionar Bischof Burkard Huwiler in einer besonderen Mission nach Muri: zur Einweihung des neuen Kirchenschiffes der Pfarrkirche St. Goar. Dem Zürcher Architekten Walter Bosshard gelang das Kunststück, das neue Kirchenschiff architektonisch so zu gestalten, dass nur geübte Fachleute erkennen konnten, dass das Schiff – jetzt etwas grösser – nicht mehr das alte aus dem 17. Jahrhundert war, sondern von Grund auf neu.

Den Turm und den Chor liess Architekt Bosshard stehen. Hingegen mussten die daneben stehende Lourdeskapelle und das Beinhaus dem Neubau der Kirche St. Goar weichen.

Alter Plan in die Tat umgesetzt

Schon 1919 hatte die Katholische Kirchgemeinde Muri sich mit dem Plan befasst, die für die vielen Gottesdienstbesucher zu klein gewordene Pfarrkirche umzubauen. Doch damals scheiterten diese Absichten noch an den beschränkten finanziellen Möglichkeiten der Pfarrei.
1931 nahm dann eine Baukommission den Faden wieder dort auf, wo ihn die vorherige Generation hatte liegen lassen müssen.

Die Kommission unterbreitete den beabsichtigten Umbau der Kirchgemeinde vor, die den Anträgen der Kirchenpflege folgte. 1934 erhielt Architekt Walter Bosshard, ein ausgewiesener Kirchenspezialist, den Bauauftrag. Am Goarstag, am 7. Juli 1935, fand der letzte Gottesdienst in der alten Kirche statt. Bereits am Tag darauf begannen die Abbrucharbeiten am Kirchenschiff, an der nebenliegenden Lourdeskapelle und am Beinhaus.

Bauzeit lediglich rund ein Jahr

Am 15. September 1935 setzte man den Grundstein für das neue Kirchenschiff. Schon ein Jahr später konnte Bischof Burkard Huwiler das neu gestaltete Gotteshaus einweihen. Im Kirchturm läuteten zum ersten Mal die fünf neuen Glocken.

Sie waren in der Glockengiesserei Rüetschi in Aarau entstanden. Mit Pferdefuhrwerken holten junge Landwirte aus Muri und Aristau die Glocken in Aarau ab, allen voran der Lindenwirt Jakob Rütimann, der als Meldereiter fungierte. Rütimann hatte den Auftrag erhalten, Pfarrherren und Kirchensiegristen in den Dörfern, die man zwischen Aarau und Muri durchfuhr, rechtzeitig zu informieren. So hatten diese genügend Vorlaufzeit, um die Glocken nach altem Brauch mit Geläut zu begrüssen. Am 4. Juli 1937 folgte auch die Weihe der neuen Metzler-Orgel.

Die Baukosten für die erweiterte Kirche betrugen 508 649.25 Franken. Den grössten Teil trug die Bevölkerung mit Legaten und Geschenken bei. Sie beliefen sich auf 386 802.60 Franken. Während der Bauzeit nahm man ein Kirchenopfer auf. Dieses brachte 16 752.70 Franken. 28 000 Franken wurden aus der Kirchenkasse zugeschossen.

Das Kirchenschiff gestalteten namhafte Künstler. So erstellte Albert Schweri aus Bern das Glasfenster mit dem Kreuzigungsmotiv beim Hochaltar, der Bildhauer Albert Schilling aus Zürich die beiden Plastiken von Maria und Josef und das Mosaikbild an der Westfassade, der Kunstmaler August Frey aus Zürich die Fresken bei den Seitenaltären und der aus Sins stammende Bildhauer Eduard Spörri aus Wettingen die Stationenbilder.

Sanierung in den 80er-Jahren

1961 folgte die Renovation der Taufkapelle. Der Murianer Künstler Rico Galizia schuf dafür ein neues Wandgemälde. Weiter renovierte Hans Fischer aus Bern die Kreuzigungsgruppe und stellte sie an einem neuen Ort beim rechten Seitenaltar auf. Nach der Renovation der Orgel (1964) und des Turmes (1966) musste die Kirche 1986-88 nach den Plänen des Luzerner Architekten Walter Spettig innen und aussen umfassend restauriert werden.

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