Wo man hinschaut, sieht man Bäume. Es riecht nach Holz und Erde, Natur pur. Rasch mit dem Smartphone ein Bild machen, um die Stimmung festzuhalten? Fehlanzeige.

Handys sind verboten, und noch viel wichtiger: Während einer Survivalwoche mitten im Wald hat man schlichtweg Besseres zu tun.

Zum Beispiel ohne Feuerzeug und Zündhölzer Feuer entfachen. Nachdem der Überlebenscoach Dario Carrozza den Schülern vorgeführt hat, wie man mit einem Holzstock getrocknetes Gras entzündet, können diese selber Hand anlegen.

Die Hilfsmittel müssen sie selbst herstellen. Späne fliegen durch die Luft, man hört wie die Klingen das Holz bearbeiten.

«Ich wünsche mir solch konzentrierte Gesichter im Klassenzimmer», schmunzelt die Lehrerin Esther Sorg.

Keine lustige Campingwoche

Sie war es, die die Survivalwoche initiiert hat, an der Schüler der 4. Oberstufe fakultativ teilnehmen konnten.

Seit Montag sind die 17 Jugendlichen mit dem Survivalcoach Carrozza, der Psychologin Seraphina Zurbriggen und jeweils einer Lehrperson im Wald. «Es ist nicht das Ziel, eine lustige Campingwoche zu verbringen», erklärt Sorg.

Der Sinn liege tiefer: «Es geht darum, dass die Schüler merken, dass sie sich selbst helfen können. Ihr Bewusstsein für die eigenen Fähigkeiten und ihr Durchhaltewillen sollen gestärkt werden», so die Lehrerin. Vor allem, wenn die Real- und Sekschüler bald ins Berufsleben eintreten, sei das von Nutzen.

Fürs Wasser muss man laufen

Um sieben Uhr morgens geht der Tag im Wald jeweils los. «Eine kleine Gruppe muss dann Wasser holen bei einem Brunnen. Die schweren Wassersäcke müssen sie hierher tragen», so Sorg.

Sie spüre, wie die Schüler ein ganz anderes Bewusstsein für Ressourcen entwickeln. «Niemand verschwendet hier Wasser. Sie wissen, dass man dafür weit gehen muss.»

Ein Erfolgserlebnis für alle war, als man am Mittwoch gemeinsam die «Qualle», eine wasserfeste Behausung, baute. «Die Gruppendynamik war riesig», berichtet die Psychologin Seraphina Zurbriggen. «Der starke Regen hat niemanden davon abgehalten, mitzuhelfen.»

Carrozza will den Schülern vor allem zwei Dinge beibringen: «Sich der Situation anpassen und in der Lage sein zu improvisieren. Und: Im Team funktionieren.»

Ganz konkret lernten die Schülerinnen und Schüler wie man in der Wildnis Wasser findet und es trinkbar macht, welche Wildpflanzen man essen kann, wie das optimale Feuer gemacht wird und einige weitere nützliche Überlebenstricks.

Heute Abend ist die Survivalwoche zu Ende. Die Schüler freuen sich vor allem auf ihre Betten und Duschen, wie sie erzählen. «Aber wir würden auch noch ein paar Tage im Wald bleiben», sind sich die meisten einig.