Bremgarten

Überfall auf Bäckerei Schwager: Notorischer Dieb erhält eine letzte Chance

Mit seiner Beute aus der Bäckerei Schwager rannte der Räuber vor einem Jahr in Richtung Spittelturm davon.

Mit seiner Beute aus der Bäckerei Schwager rannte der Räuber vor einem Jahr in Richtung Spittelturm davon.

Der Mann, der vor einem Jahr die Bäckerei Schwager in Bremgarten überfallen hat, muss sich einer stationären Massnahme unterziehen.

Mucksmäuschenstill war es im Saal, als Gerichtspräsident Lukas Trost nach gut einstündiger Beratung mit seinen Richterkollegen das Urteil gegen Roger (Name geändert) verkündete. Wobei man in diesem Fall wohl eher von einem Urteil für Roger sprechen dürfte, denn mit all dem, was der 31-Jährige schon auf dem Kerbholz hat, könnte ihn von Rechts wegen auch eine mehrjährige Haftstrafe treffen. «Das Strafgesetzbuch sieht zum Glück nicht nur Strafen vor», erklärte Trost in seiner Urteilsverkündung, «sondern auch Massnahmen, die es einem Beschuldigten ermöglichen sollen, sein Leben zu ändern und einen ganz neuen Weg einzuschlagen.»

Sämtliche Besucherstühle waren im Bezirksgericht Bremgarten an diesem Donnerstagnachmittag besetzt. Eine Schulklasse durfte dem Prozess beiwohnen. Dieser Anschauungsunterricht im Gericht dürfte für die meisten dieser Teenager nachhaltiger gewesen sein als eine noch so gut vorbereitete Lektion über die schlimmen Folgen des Drogenkonsums. Roger war nämlich genau im Alter dieser Schüler, als er mit dem begann, was Staatsanwalt Markus Moser in seinem Plädoyer als «klassische Drogenkarriere» bezeichnete: mit 15 die ersten Drogenerfahrungen, Abbruch der ersten Lehre als Metzger, erste kriminelle Handlungen, um seine Drogen zu finanzieren, daraus strafrechtliche Verfolgungen – und dann kein Zurück mehr. Die Hälfte seines bisherigen Lebens hat Roger, der weder über familiären Rückhalt noch einen verlässlichen Freundeskreis verfügt, damit zugebracht, Waren zu stehlen, um einerseits seinen Lebensunterhalt zu sichern, andererseits, um mit dem Erlös aus dem Verkauf des Diebesguts diverse Betäubungsmittel zu erwerben.

Der Beschuldigte bittet die Opfer um Entschuldigung

Den Gipfel seiner zweifelhaften Laufbahn erklomm Roger im vergangenen Sommer, als er am Sonntagmorgen des 15. Juli die Bäckerei Schwager in Bremgarten betrat, die Inhaberin mit einem Sackmesser bedrohte und Bargeld verlangte. Nach kurzem Gerangel mit dem Bäcker, wobei dieser am Ohr und am Oberarm verletzt wurde, entkam Roger mit der Registrierkasse des Ladens hinter den Spittelturm, wo er ein gestohlenes Fluchtauto geparkt hatte. Mit diesem geriet er ein paar Tage später in eine Polizeikontrolle, der er sich durch Flucht entziehen wollte. Noch am selben Abend wurde er festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Diese Zeit hat Roger genutzt, um sich mit sich und seiner Situation auseinanderzusetzen. «Ich will weg von diesen Substanzen», gab er mit ruhiger Bestimmtheit zu Protokoll. Er bat auch mehrfach um Entschuldigung für das, was er dem Ehepaar Schwager angetan hat. «Diese Entschuldigung müssen sie allerdings nicht an das Gericht, sondern direkt an die betroffenen Menschen richten», ermahnte ihn dabei der Gerichtspräsident.

Bei Rückfall trifft ihn das Urteil mit voller Härte

Strafmildernd wirkte sich ein psychiatrisches Gutachten aus, das dem Beschuldigten eine schwergradig gestörte Steuerungsfähigkeit attestiert. Zwischen dem Antrag des Staatsanwalts, 32 Monate Freiheitsstrafe und 500 Franken Busse, und demjenigen der Verteidigung, 18 Monate und 300 Franken, entschied das Gericht für 30 Monate und 300 Franken (plus Verfahrenskosten), ausgesetzt zugunsten einer stationären Massnahme mit dem Ziel der Drogen- und Deliktfreiheit sowie der sozialen und beruflichen Integration.

Zweimal hat Roger schon versucht, eine Lehre als Landwirt zu absolvieren. Dieses Ziel hat er immer noch. «Nutzen Sie diese Chance», riet Lukas Trost seinem Gegenüber, «denn wir erwarten eine Gegenleistung für dieses Geschenk, das wir Ihnen hier machen.» Sollte Roger rückfällig werden, dann trifft ihn das Urteil mit voller Härte.

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