Villmergen

Über 400 Villmerger wollen Ökostrom – Gemeinderat hält an Atomstrom fest

André Meyer, Markus Keller, Jörg Koch und Daniel Duss (von links) lancierten im August 2012 die Energieinitiative Villmergen. FH/Archiv

André Meyer, Markus Keller, Jörg Koch und Daniel Duss (von links) lancierten im August 2012 die Energieinitiative Villmergen. FH/Archiv

Über 400 Einwohner in Villmergen möchten Ökostrom beziehen. Der Gemeinderat ist aber dagegen. Doch letztlich entscheidet das Volk. Die Bevölkerung wird an der «Sommergmeind» am 21. Juni ihre Stimme abgeben können.

Wenn es nach André Meyer, Markus Keller, Jörg Koch und Daniel Duss geht, sollen die Gemeindewerke Villmergen ihren Kunden künftig standardmässig Ökostrom liefern. Zusammen mit 400 weiteren Einwohnern haben die vier Initianten ihr Volks-begehren Ende Oktober 2012 eingereicht.

Damit kam die lokale Energieinitiative zustande – ob sie auch in der Bevölkerung eine Mehrheit findet und umgesetzt wird, entscheidet die «Sommergmeind» am 21. Juni.

Gemeinderat mehrheitlich dagegen

Klar gegen das Begehren spricht sich der Gemeinderat aus. Offenbar ist es Initiant und CVP-Gemeinderat Markus Keller nicht gelungen, seine Ratskollegen von seinem Anliegen zu überzeugen.

In einem klaren Mehrheitsentscheid hat der Villmerger Gemeinderat beschlossen, «dass die Gemeindewerke weiterhin den kostengünstigeren Atommix-Strom als Standard-Produkt» einsetzen sollen.

Der Gemeinderat ist der Meinung, dass den Konsumenten kein teureres Stromprodukt als Standard vorgegeben werden soll. Gegenüber dem bisherigen Mix wäre der Ökostrom aus erneuerbaren Quellen, den die Initiative vorsieht, gut 5 Prozent teurer.

Die Initianten sind hingegen der Meinung, für Villmergen sei es nicht mehr zu vertreten, «standardmässig Strom anzubieten, der primär aus Atomkraftwerken stammt.» Sie verweisen dabei auf den vom Parlament beschlossenen Atomausstieg und halten fest, es gebe «relativ preisgünstige Alternativen» zum Atomstrom.

Kunden können jetzt schon wählen

Weiter hält der Gemeinderat fest, dass Stromkunden bereits heute die Möglichkeit hätten, ihr Produkt frei zu wählen. Deshalb erachtet eine Mehrheit des Gemeinderats das Initiativbegehren als unnötig.

Die Initianten halten fest, ihr Vorschlag sei «weder neu noch besonders exotisch». In der Schweiz würden schon heute rund 1,3 Millionen Menschen auf diese Weise mit Strom beliefert. Der jüngste Entscheid fiel am 3. März in Windisch, wo der Souverän in einer Volksabstimmung diesem Prinzip klar zugestimmt hat.

Der Gemeinderat anerkennt die Aufklärungsbemühungen der Initianten, ist aber der Auffassung, dass den Kunden mit dem neuen Standard «in unakzeptabler Weise ein teureres Erzeugnis aufgezwungen würde».

Der Gemeinderat befürchtet, dass bei der Festlegung eines neuen, teureren Standardproduktes «bestimmt viele Stromkonsumenten diesen Wechsel nicht beachten» und deshalb ungewollt mit höheren Kosten belastet würden.

Ökostrom für Gemeindebedarf

Grundsätzlich gegen Ökostrom ist der Gemeinderat übrigens nicht. Die Behörde hat entschieden, den Eigenbedarf der Gemeinde künftig mit erneuerbarem Strom zu decken.

Die Initianten wünschen sich, dass dies bald auch für die ganze Bevölkerung gilt. Für sie stellt sich den Stimmberechtigten die Frage, was stärker gewichtet werden soll.

«Der konsequente Schritt in die Zukunft mit erneuerbarer Energie als Standardprodukt, oder das Festhalten am etwas günstigeren Atomstrom als Empfehlung der Gemeinde.»

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