Eigentlich ist es eine ganz normale Geschichte. Eigentlich. Vor 28 Jahren, am 16. Dezember 1988, schliessen A. und C. den Bund fürs Leben. Und wie es so üblich sein kann, gehen aus der Ehe zwei Kinder (1988 und 1990) hervor: ganz normal eben. Aber der Bund hält nicht fürs Leben. Am 23. September 2008 lassen sie sich scheiden. Auch das ist nicht ungewöhnlich: Die Scheidungsrate in der Schweiz liegt bei rund 52 Prozent. A. ist Grossverdiener – sein Jahresverdienst beträgt 450 000 Franken, so steht es in der Vereinbarung über die Nebenfolgen der Scheidung. Seine Exfrau C. gibt einen Lohn von 45 000 bis 73 000 Franken an. Die beiden Parteien einigen sich auf folgende Unterhaltszahlungen pro Monat: 26 250 Franken bis zum Studienabschluss des ersten Kindes, 23 770 Franken bis zum Studienabschluss des zweiten Kindes, 21 250 Franken bis zum Erreichen des AHV-Alters und 6000 Franken bis zum Tod. Im Gegenzug muss die Exfrau für Lebensunterhaltskosten und Studienkosten der Kinder aufkommen.

Irgendwann hat der Exmann aber genug: Er will keine Unterhaltskosten mehr zahlen. Am 24. Juli 2013 klagt er am Bezirksgericht in Muri. Am 15. April heisst das Gericht seine Klage gut. Das will jetzt aber die ehemalige Ehefrau nicht akzeptieren: Sie legt Berufung ein und der Fall landet beim Obergericht des Kantons Aargau. Das Obergericht beurteilt den Fall zu ihren Gunsten und weist die Klage von A. zurück.

4-Millionen-Schenkung kam zu früh

Der Ex-Mann gibt sich aber nicht geschlagen. Er zieht den Fall weiter ans Bundesgericht und beantragt, das Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau aufzuheben und die Berufung abzuweisen. A. begründet seine Klage mit einer Schenkung in der Höhe von vier Millionen an seine ehemalige Frau. Ausserdem sollen sich die Einkommensverhältnisse seiner Exfrau geändert haben. Es soll deutlich höher liegen als das im Scheidungsurteil angenommene Einkommen. Nur: Die Schenkung erfolgte am 18. Februar, also vor dem Abschluss des Scheidungsurteils. Sie kann also nicht in der Klage berücksichtigt werden. Dafür stellt sich heraus, dass das Einkommen der Exfrau tatsächlich um einiges grösser ist, als das in der Scheidungsvereinbarung genannte Gehalt von 45 000 bis 73 000 Franken.

Bei der Lohnangabe in der Scheidungsvereinbarung soll es sich lediglich um eine Prognose gehandelt haben. C. hatte ein Beratungsmandat beim Arbeitgeber von A. Beide Parteien rechneten damit, dass sie diese Aufträge verlieren werde nach der Scheidung. Tatsächlich blieb aber die Exfrau weiter beschäftigt. So betrug ihr Einkommen von 2008 bis 2012 zwischen 140 000 und 195 000 Franken jährlich.

Damit aber die Unterhaltszahlungen herabgesetzt, aufgehoben oder für eine bestimmte Zeit eingestellt werden, wie es die Klage des Exmanns fordert, muss eine erhebliche und dauerhafte Veränderung der Einkommensverhältnisse vorliegen. Das bestreitet die Exfrau und verweist auf ein Schreiben der Firma, wonach ihre Zusammenarbeit im Verlaufe des Jahres 2015 endete beziehungsweise nicht mehr im nämlichen Umfang fortgesetzt wurde.

Zurück ans Obergericht

«Unter den gegebenen Umständen ist das Bundesgericht nicht in der Lage, abschliessend zu beurteilen, ob sich die Einkommensverhältnisse der Beschwerdegegnerin erheblich und vor allem dauerhaft verändert haben», schreibt das Bundesgericht in seinem Urteil, das nun vorliegt. Es heisst die Beschwerde von A. gut und weist die Sache zurück an das Obergericht des Kantons Aargau.

Die Rückweisung an das Obergericht ist für A. zumindest ein Teilsieg. Jedenfalls haben sich die Chancen erhöht, dass dieses zu einer neuen Beurteilung kommt und der Grossverdiener seiner Exfrau nicht mehr monatlich um die 25 000 Franken zahlen muss.