Büttikon
Übernachten beim Arzt: in Büttikon steht die einzige Praxis mit Schlaflabor

Lungenfacharzt Gottfried Rüttimann hilft schon seit 13 Jahren seinen Patienten, nachts besser zu schlafen. Das im einzigen Schlaflabor beim Arzt zu Hause. Schon mit einfachen Mitteln kann etwas gegen eine Schlafapnoe getan werden, erklärt Rüttimann.

Andrea Weibel
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Lukas Schlatter (links) und Gottfried Rüttimann zeigen eine Atemmaske.

Lukas Schlatter (links) und Gottfried Rüttimann zeigen eine Atemmaske.

Andrea Weibel

Lautes Schnarchen und enorme Tagesmüdigkeit, vor allem aber auch kurzzeitige Atemstillstände während der Nacht – alle drei Symptome können darauf hinweisen, dass einem eine Schlafapnoe (Krankheit mit Atemstillständen und Atemschwächen während des Schlafs, siehe Kasten) das Leben schwer macht. Denn durch diese Krankheit ist man nicht nur träge, sondern sie verringert auch die Fähigkeit zu geistigen und sexuellen Leistungen und kann sogar zu Herzinfarkt oder Hirnschlag führen. «Das Schöne ist aber, dass man dagegen mit relativ einfachen Mitteln etwas tun kann», ist Lungenfacharzt (Pneumologe) Gottfried Rüttimann sichtbar fasziniert.

Schlafatemstörung: Vor allem bei Übergewichtigen

Für Schlafstörungen gibt es verschiedene psychische und physische Auslöser. «Die Schlafhygiene ist sehr wichtig. Das heisst, dass Stress, zu wenig Schlaf, Alkohol, Zigaretten, Schichtarbeit und so weiter einen daran hindern können, richtig durchzuschlafen», sagt Lungenfacharzt Gottfried Rüttimann. Er selber ist auf nächtliche Atemstörungen in unterschiedlicher Form spezialisiert. Diese Störungen werden dadurch ausgelöst, dass die Zunge und das kollabierende Schlundgewebe den Zugang zur Luftröhre einengen und so zu wenig Luft in die Lunge kommen kann. «Dadurch sendet das Hirn einen Aufwachbefehl aus. Man wacht dann zwar nicht ganz auf, aber man erreicht dadurch die Tiefschlafphase nicht mehr, die für einen gesunden Schlaf wichtig ist.» Eine Atemmaske kann dagegen ein Luftpolster im Hals erzeugen, «auf dem die Zunge schwebt, sodass sie den Schlund nicht mehr verengen kann». Resultat: Die Patienten können tief durchschlafen und sind morgens ausgeruht. Vor allem können so aber auch gefährliche Einschlafepisoden im Strassenverkehr oder bei gefährlichen Berufen verhindert werden. Die beiden Syndrome kommen bei 4 bis 5% der Männer und 2 bis 3% der Frauen vor. Übergewichtige Personen sind eher betroffen. Bei Frauen treten die Syndrome erst postmenopausal auf. «Einige Menschen können die Krankheit durch eine Lebensumstellung (mehr Sport, Verzicht auf Alkohol und Rauchen oder Gewichtsabnahme) abwenden. Doch eine nächtlich zu tragende Atemmaske ist ein kleiner Preis für eine derartige Lebensqualitätssteigerung.» (aw)

Einziges in der Schweiz

Gerade weil eine Lebensqualitätssteigerung mit einfachen Mitteln möglich ist, hat er in Büttikon ein Schlaflabor eingerichtet: schon 13 Jahre lang das einzige Schlaflabor der Schweiz, das direkt beim Facharzt zu Hause geführt wird. Seit einem Jahr wird Rüttimann vom Pneumologen und Praxiskollegen Lukas Schlatter unterstützt. An vier Tagen pro Woche sind die drei Zimmer der Wohnung belegt, die sich direkt unter jener des Arztes befindet. Und nach spätestens zwei Untersuchungsnächten können viele der Patienten nach Hause gehen, von da an die Nächte durchschlafen und die Tage erholt in Angriff nehmen.

Genauer und flexibler

Drei einfach möblierte Zimmer, zwei Badezimmer und ein Aufenthaltsraum mit Kaffeemaschine: Das ist das Reich der technischen Mitarbeiterin Heidi Meyer. Mit strahlendem Lächeln begrüsst sie die Patienten jeden Abend um 21 Uhr, bringt sie in ihre Zimmer, erklärt ihnen kompetent und beruhigend den Ablauf sowie sämtliche medizinischen Gerätschaften und wünscht ihnen eine gute Nacht. Dann lässt sie sie schlafen. Am darauffolgenden Morgen um 6 Uhr weckt sie sie wieder, nimmt ihnen die Schläuche aus der Nase und die Elektroden von den Beinen und entlässt sie nach einem frischen Kaffee.

«Diese Art der Untersuchung hat eigentlich nur Vorteile», ist Rüttimann überzeugt. Normalerweise geben die Ärzte den Patienten die Gerätschaften entweder mit nach Hause, oder die Patienten müssen im Spital übernachten. «Bei uns werden die Testergebnisse verlässlicher, weil eine Fachkraft die Geräte anschliesst. Und die Patienten müssen auch nicht extra freinehmen, sondern können bequem aus dem Labor direkt zur Arbeit fahren.» Einziger Unterschied: «Zusätzlich zur Untersuchung, die die Krankenkasse übernimmt, müssen die Patienten bei uns 80 Franken für die Hotellerie selber bezahlen.»

Nur zwei Nächte

Doch das nehmen diese gern in Kauf. In der ersten Nacht – die stets vom Hausarzt als Erstbeurteiler angeordnet werden muss – wird abgeklärt, ob überhaupt Atemstillstände oder -schwächen bestehen. Ist der Befund positiv, wird in der zweiten Nacht eine Atemmaske genau auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt, die er ab dann jede Nacht tragen muss – meist ein Leben lang. Dann ist der ganze Spuk vorbei und «die Patienten können nachts wieder durchschlafen, was ihnen tagsüber viel mehr Energie gibt». Ausserdem können dadurch auch Leiden wie Nervosität, Unkonzentriertheit und sogar Depressionen geheilt werden. «Vorausgesetzt natürlich, sie werden durch die Schlafapnoe ausgelöst», hält Rüttimann fest.

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