Bremgarten
Tschösy hängt den Reisigbesen bald an den Nagel

Hauswart Josef Meier blickt auf seine jahrelange Tätigkeit für die Stadt Bremgarten zurück.

Dominic Kobelt
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So stellen sich viele einen Hauswart vor: Dass aber mehr dazugehört, als mit einem Reisigbesen den Platz zu wischen, hat Josef Meier in seinem langjährigen Einsatz für die Stadt Bremgarten erfahren. Dominic Kobelt

So stellen sich viele einen Hauswart vor: Dass aber mehr dazugehört, als mit einem Reisigbesen den Platz zu wischen, hat Josef Meier in seinem langjährigen Einsatz für die Stadt Bremgarten erfahren. Dominic Kobelt

Dominic Kobelt

Es war ein schwieriger Start, als Josef Meier im September 1994 in die Dienste der Stadt Bremgarten trat. «Ich war verantwortlich für den Unterhalt und die Reinigung des Promenaden-, Garten- und Bezirksschulhauses, für die Turnhalle Bärenmatte und drei Kindergärten», erinnert er sich. Zusammen mit seinem Vorgänger hatten auch sämtliche anderen Reinigungskräfte gekündigt. Da Tschösy, wie er von seinen Freunden und Bekannten seit der Jugendzeit genannt wird, bis zu seinem Amtsantritt noch einen anderen Job hatte, konnte er sich nicht selber um die Suche nach neuen Fachkräften kümmern. «Von den Schulbehörden hatte ich keine Unterstützung. Aber von meiner Frau Bea: Sie hängte Gratisinserate im Coop und Migros auf, nahm Telefonate von Interessentinnen entgegen, gab Auskunft und notierte die Personalien.»

Für Tschösy unvergesslich blieb die erste Mittwoch-Reinigung. «Ich hatte keine Ahnung von der Reinigung von grossen Gebäuden – und das restliche Personal auch nicht. Ich wusste, wie man den Staubsauger in Betrieb nimmt, mehr nicht.» Jeden Donnerstagmorgen musste Meier in die Hauswartschule. Zu dieser Zeit hatte er zwei kleine Kinder. «Es war eine sehr strenge Zeit, sowohl beruflich wie auch privat. Gegen 50 Stunden pro Woche zu arbeiten, war normal», erinnert er sich. Das Haushaltsbudget der Stadt sei auf das Jahr vor seinem Stellenantritt um 50 Prozent gesenkt worden. Und so schuftete Tschösy. «Unsere Kinder wurden gross, fast ohne, dass ich es bemerkt habe. Das war eine harte Zeit.»

Sozial engagiert

Tschösy, der von sich selber sagt, er sei wohl kein einfacher Typ, hatte immer ein Herz für andere Leute, die mit einem schwierigen Lebensabschnitt zu kämpfen hatten. Und als Robert Bamert, Ressortvorsteher Soziales, und Schwester Imeldis, Leiterin Sozialdienst, Arbeitsprojekte für Sozialhilfeempfänger ins Leben riefen, engagierte sich Meier für das Projekt. «Das war der Anfang einer heute etablierten und sehr gut geführten Einrichtung», sagt Meier. Erinnert er sich noch an die erste Klientin? «Ja. Als ich sie gesehen habe, habe ich zuerst meine Frau angerufen, damit sie ihr die Haare schneidet, sonst hätte ich sie nicht auf die Schüler loslassen können», erinnert er sich.

Obwohl bei Josef Meier auch negative Gedanken im Kopf herumschwirren, wenn er auf seine Zeit zurückblickt, verbittert ist er nicht. Denn viele Menschen wussten seinen Einsatz zu schätzen. So auch einige Schüler: «Einmal traf ich Walter Friedli von der Stadtpolizei auf dem Schulhausplatz. Er erzählte mir, dass er auf der Suche nach einem Jungen war, der ihm mit seinem frisierten Töffli davon gefahren war», erzählt Meier. Er wusste genau, um wen es ging. Also handelte er einen Deal aus: «Ich sprach mit dem Jungen und sagte ihm, er solle zur Polizei gehen und sich entschuldigen. Als Strafe musste er mir vier Nachmittage beim Putzen helfen und die Modifikationen an seinem Töffli rückgängig machen.» Hätte die Polizei ihn erwischt, hätte ihm ein Verfahren gedroht, und der begabte Bastler hätte, im schlimmsten Fall, seinen Führerschein mit 18 Jahren nicht machen können – «das wäre für ihn ein Weltuntergang gewesen», erzählt Meier.

Mehr als Putzen

Im Jahr 2003 bot sich Tschösy die Möglichkeit, von den Schulanlagen zu den Verwaltungsliegenschaften Hausdienst, Bereich Rathaus zu wechseln. Dort ist er heute noch tätig. «Es macht mir Spass, Anlässe zu organisieren», sagt er. So hat er beispielsweise schon viele Brautpaare beraten, die einen Apéro im Zeughaussaal ausrichteten. «Ich gebe den Leuten Vorlagen, auf denen sie sehen, wie sie die Bestuhlung machen könnten, und Tipps, auf was man bei der Organisation achten muss.» Ein frisch verheirateter Ehemann war ihm dafür so dankbar, dass er einige Tage nach seiner Hochzeit nochmals nach Bremgarten kam und Meier einen Umschlag überreichte. «Eigentlich nehme ich kein Geld an, aber er bestand darauf. Somit genossen wir an unserem kleinen Mitarbeiterfest bei mir zu Hause ein besonders feines Dessert.»

Unter seinem Beruf stellen sich viele nur Putzarbeiten vor. «Es ist aber viel mehr als das», stellt er klar, «wir sind Dienstleister.» Das gefalle ihm, der Kontakt mit den Kunden, und die positiven Rückmeldungen, wenn alles geklappt hat. Diese Freude vermittelt er auch seinen Lehrlingen. «Ich bilde schon Fachleute Betriebsunterhalt aus, seit es den Beruf gibt, nämlich seit 1997. Es ist aber nicht ganz einfach, Lehrlinge zu finden.» Dass Tschösy mehr macht, als zu putzen und Anlässe zu organisieren, wird während des Interviews klar: An der Parkbank auf dem Schellenhausplatz laufen immer wieder Leute vorbei – keiner, der Tschösy nicht grüsst und ihm freundlich zunickt. Einige fragen, ob sie kurz unterbrechen dürfen, und tragen ein Anliegen vor. Da fällt Tschösy ein, was ihn sein Sohn einmal gefragt hat: «Bist du eigentlich mit der Stadt Bremgarten verheiratet?»