Niederwil
Trotz Unbehagen im Volk: Starkstromleitung soll 2019 ans Netz

Das Netzbauprojekt zwischen Niederwil und Obfelden hat den Neuanfang geschafft. Die Skepsis der Betroffenen bleibt – ob die Starkstromleitung als Freileitung oder als Erdverkabelung realisiert wird, ist noch offen.

Dean Fuss
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Philippe Meuli (r.), Abteilungsleiter Projektierung Swissgrid AG, in der Diskussion mit dem Publikum.DFS

Philippe Meuli (r.), Abteilungsleiter Projektierung Swissgrid AG, in der Diskussion mit dem Publikum.DFS

Dean Fuss

Im Jahr 2016 soll die Planeingabe für das Netzbauprojekt Niederwil–Obfelden stattfinden. Erst dann können sich von der Starkstromleitung Betroffene mit Einsprachen direkt in den Planungsprozess einbringen.

Bis dahin geht dies nur über die Gemeinde, die sich wiederum beim Kanton einschalten muss. Das ist die Haupterkenntnis einer Informationsveranstaltung der Projektantin Swissgrid AG zum Ausbau der Leitung von 220 auf 380 Kilovolt.

In Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Energie (BFE) und Kantonsvertretern hatte Swissgrid Gemeinde- und Interessenvertreter im Reusspark über das weitere Vorgehen informiert.
Abgesehen vom optimistischen Zeitplan gab es wenig Neues. Insofern sieht sich Hans Kneubühler, Präsident des Vereins Verträgliche Starkstromleitung Reusstal (VSLR), bestätigt, in seiner Vorahnung: «Ich erwartete keine bahnbrechenden, neuen Erkenntnisse.»

Ob der Abschnitt durch eine Freileitung oder die von vielen Betroffenen bevorzugte Erdverkabelung realisiert wird, ist noch nicht festgelegt.

Swissgrid: «wollen das Projekt möglichst rasch realisieren»

Mitte Juli hat Swissgrid das Sachplanverfahren für das Netzbauprojekt Niederwil-Obfelden beim Bundesamt für Energie (BFE) gestartet. Nachdem nun alle verschiedenen Projektvarianten mit einbezogen wurden, steht das Verfahren in Phase 1, wo eine Auswahl der von der Leitung betroffenen Gebietsabschnitte bestimmt werden soll. Dabei handelt es sich um breite Korridore. In Phase 2 des Verfahrens geht es danach darum, den Konsens über einen möglichst optimalen Korridor zu finden und den detaillierten Verlauf der Leitung festzulegen. Dies soll bis 2015 erledigt sein. Ein Jahr später soll 2016 die Planeingabe erfolgen, worauf das Plangenehmigungsverfahren gestartet werden kann. Gibt es keine Einsprachen, die vor Gericht verhandelt werden müssen, rechnet Swissgrid damit, dass die neue Leitung im Jahr 2018 realisiert und bereits im Jahr 2019 in Betrieb genommen werden kann. (DFS)

Schwierige Vorgeschichte

Kneubühler warf der Projektantin am Informationsanlass vor, dass sie die Freileitung in jedem Fall bevorzugen würde.
Dem widersprach Philippe Meuli, Abteilungsleiter Projektierung bei der Swissgrid AG, vehement: «Der Entscheid ist völlig offen. Wir haben keine bestimmte Vorliebe.»

Man habe bei null begonnen und wäge nun die verschiedenen Vor- und Nachteile aller Varianten ab. «Es ist unser Auftrag eine möglichst gute Lösung für alle Parteien zu finden.»

Meuli hat aber Verständnis für die vorhandene Skepsis bei den Gemeinde- und Interessenvertretern. «Das müssen wir aufgrund der schwierigen Vorgeschichte akzeptieren.»

Die Swissgrid wolle aber versuchen, durch eine offene Kommunikation die Stimmung zwischen den beteiligten Parteien zu verbessern. Dem pflichtet Werner Gander, Leiter Sektion Elektrizitäts- und Wasserrecht beim BFE, bei und fügt an: «Die Vergangenheit muss nun überwunden werden.»

Er sei überzeugt, dass dieses Projekt bald auf einen guten Weg komme und sich die verschiedenen Positionen finden würden.

Nicht so sicher ist sich da VSLR-Präsident Kneubühler: «Das ist wohl eher Zweckoptimismus.» Dass der Projektentscheid durch das neue Verfahren verzögert werde, mache die Sache nicht besser.

Dass die Projektantin die ideale Lösung suche, klinge jetzt schon gut, «aber letzten Endes muss die Leitung irgendwo durch und da wird es Betroffene geben».

Das sieht auch BFE-Vertreter Gander so: «Am Schluss, da müssen wir ehrlich sein, erwischt es zwei bis drei.» Der Strom müsse schliesslich auch irgendwie zu den Kundinnen und Kunden transportiert werden.