Wohlen
Trotz Überschuss: Wohler Finanzminister Roland Vogt sieht keinen Grund für Luftsprünge

Die Jahresrechnung schliesst mit einem Plus von 1,225 Mio. Franken - deutlich besser als erwartet. Dennoch kündigt der Gemeinderat an, Position für Position im Budget zu hinterfragen. Das Ziel: die Ausgaben in den Griff bekommen.

Toni Widmer
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Eine Blume (vor dem Wohler Gemeindehaus) macht noch keinen Sommer – der Gemeinderat berichtet von einem unerwartet guten Rechnungsabschluss für das Jahr 2014.

Eine Blume (vor dem Wohler Gemeindehaus) macht noch keinen Sommer – der Gemeinderat berichtet von einem unerwartet guten Rechnungsabschluss für das Jahr 2014.

Toni Widmer

Mit einem Ertragsüberschuss von 0,688 Mio. Franken hat die Gemeinde Wohlen für das Jahr 2015 gerechnet, ein Plus von 1,225 Mio. Franken kann sie jetzt ausweisen. Das sind 536 901 Franken mehr, als budgetiert worden ist. Für den neuen Finanzminister Roland Vogt sicher ein Grund zum Strahlen.

«Ja und Nein», sagt er. «Ja, weil schwarze Zahlen natürlich immer sehr erfreulich sind. Nein, weil der gute Jahresabschluss letztlich keinen Grund dafür bietet, Luftsprünge zu machen. Solche erlaubt die Finanzlage von Wohlen nach wie vor nicht.»

Hohe Ausgabendisziplin
In seiner Mitteilung zur Rechnung 2015 hebt der Gemeinderat den sparsamen Umgang mit den Finanzen besonders hervor: «Insgesamt hat die Gemeinde Wohlen die Kosten im Griff und lebt eine hohe Ausgabendisziplin. Der Nettoaufwand ist gegenüber der Rechnung 2014 mit 0,5 % oder 209 436 Fr. bescheiden angestiegen.

Die Verwaltung geht mit den budgetierten Mitteln sehr kostenbewusst um», schreibt die Behörde und dankt «allen Beteiligten für dieses positive Rechnungsergebnis.»

Massgeblich für das bessere Ergebnis sind Minderaufwendungen beim Personalaufwand, beim Sachaufwand, beim Besoldungsanteil für die Lehrpersonen sowie beim Gemeindebeitrag an die Spitex. Mehr ausgegeben als geplant worden ist bei der Pflegefinanzierung.

Die Leistungen für die Sozialhilfe, das Asylwesen und die Alimentenbevorschussung liegen laut Gemeinderat im Rahmen des Budgets. Mehr eingenommen hat die Gemeinde bei den Gebühren für Amtshandlungen, und auch der Kantonsbeitrag für die Nutzungsplanung ist gegenüber dem Budget höher ausgefallen. Die Einnahmen aus Schulgeldern sowie der Nettoertrag für die Zinsen lagen dafür etwas tiefer als geplant.

Leicht unter den Erwartungen geblieben ist auch der Steuerertrag bei den natürlichen und den juristischen Personen. Bei den Sondersteuern wurde der Voranschlag übertroffen.

Der Nettoaufwand der Gemeinde Wohlen ist gegenüber der Rechnung 2014 von 39,552 Mio. Franken auf 39,761 Mio. Franken angestiegen. Veranschlagt gewesen war ein Nettoaufwand von 41,391 Mio. Franken.

Bildung wieder grösster Posten
Mit 15,411 Mio. Franken (Budget: 16,092 Mio.) ist die Bildung beim Nettoaufwand erneut der grösste Posten. Es folgen Soziale Sicherheit mit 7,681 Mio. Franken (7,790 Mio.), Allgemeinde Verwaltung mit 4,487 Mio. Franken (4,814 Mio.), Verkehr mit 3,671 Mio. Franken (3,859 Mio.), Kultur, Sport und Freizeit mit 2,647 Mio. Franken (2,661 Mio.), Gesundheit mit 2,470 Mio. Franken (2,165 Mio.), öffentliche Ordnung mit 2,230 Mio. Franken (2,538 Mio.) und Umweltschutz/Raumordnung mit 1,160 Mio. Franken (1,469 Mio.).

Aber mit dem guten Abschluss seien die anstehenden Grossprojekte keineswegs finanziert, hält Roland Vogt deutlich fest: «Der Gemeinderat hat schon früher kommuniziert, dass die geplanten Vorhaben wie Schulraumbeschaffung, Badisanierung und Eisbahnneubau mit dem Steuerfuss gekoppelt werden müssen. Das hat sich mit den erfreulichen Zahlen aus dem Jahr 2015 nicht geändert.»

Wohlen, sagte er weiter, habe mit seiner tiefen Steuerkraft ein Strukturproblem, das man angehen müsse und auch angehen werde. «Aber», sagt der Finanzminister, «das lässt sich nicht einfach so in den nächsten paar Jahren lösen.»

Vorab, erklärt Vogt, wolle der Gemeinderat die Ausgaben in den Griff bekommen um daneben womöglich auch die Einnahmen zu steigern. «Wir müssen Position für Position in unserem Budget hinterfragen und auf der politischen Ebene entscheiden, was sich Wohlen noch leisten kann beziehungsweise leisten will.»

Wohlen steht nicht überall schlecht da

Bei den gemäss der kantonalen Finanzverordnung auszuweisenden Finanzkennzahlen stehe die Einwohnergemeinde Wohlen bei fünf von sieben Kennzahlen sehr gut da, erklärt der Gemeinderat und folgert: «Die finanzielle Situation der Gemeinde Wohlen wird schlimmer dargestellt, als sie sich tatsächlich präsentiert.»

Nimmt man die nackten Zahlen als Massstab, ist dem tatsächlich so: Der Kanton beurteilt eine Pro-Kopf-Verschuldung bis 2500 Franken als tragbar, Wohlen weist eine solche von 356 Franken aus. Der Nettoverschuldungsquotient sollte laut Kanton nicht über 150% betragen, in Wohlen liegt er aktuell bei 14,53%.

Der Zinsbelastungsanteil in Wohlen beträgt 0,68%, laut Kanton sollte er nicht über 6% liegen. Auch beim Eigenkapitaldeckungsgrad ist Wohlen bei den Kennzahlen mit 201,53% absolut dabei. Kritisch wird es laut den kantonalen Vorgaben erst, wenn dieser unter die 30-Prozent-Marke sinkt.

Doch: Der Selbstfinanzierungsanteil von Wohlen ist von 2014 bis 2015 von 3,61% auf 2,40% gefallen. Laut Kanton weist ein Selbstfinanzierungsanteil von 20% auf ein hohes Investitions- und Amortisationspotenzial, also auf eine gesunde Gemeinde hin. Unter 15% sollte dieser Wert nicht sinken.

Und auch beim Selbstfinanzierungsgrad liegt Wohlen mit 20,56% deutlich unter dem vom Kanton empfohlenen Minimalwert von 50%. Daran wird deutlich, woran Wohlen krankt. (TO)