Ein Autolenker baute am 5. September 2016 zwischen Merenschwand und Aristau einen typischen Montagsunfall: Er war spät dran, wollte noch rechtzeitig zur Arbeit kommen und überholte auf der unübersichtlichen Strecke einen Sattelschlepper. Dabei stiess er mit zwei entgegenkommenden Autos zusammen. Die Lenkerin des ersten Autos überstand den Unfall unverletzt, der zweite Lenker leidet noch heute an den Folgen eines Schleudertraumas. Er habe die entgegenkommenden Autos nicht gesehen, sagte der Lenker.

Cannabisspuren in Blut und Urin

Die Staatsanwaltschaft qualifizierte das Überholmanöver als grobfahrlässig. Erschwerend kam hinzu, dass die Polizei in Blut und Urin des Beschuldigten Cannabisrückstände feststellte. Der Lenker hatte von einem früheren Vorfall einen Stempel im Führerausweis, wonach er die Cannabisabstinenz einhalten müsse. Der Beschuldigte bestritt vor dem Bezirksgericht Muri mehrmals, vor dem Unfall Cannabis geraucht zu haben. Er erklärte, man habe die Substanz nur deshalb nachweisen können, weil er den Rauch passiv in einer Runde von Kiffern eingeatmet habe.

Die Staatsanwaltschaft wollte den Lenker für zehn Monate ins Gefängnis schicken. «Ich glaube ihnen nicht, dass sie den Cannabisrauch passiv eingeatmet haben», sagte Gerichtspräsidentin Simone Baumgartner. Nach ihrer Meinung sei es eindeutig, dass der Unfallfahrer gegen das Cannabisverbot verstossen habe. Der amtliche Verteidiger forderte für seinen Mandanten eine bedingte Geldstrafe und eine Busse. Das Verschulden wiege leicht bis mittelschwer, obwohl der Lenker an dieser Stelle nie zu einem Überholmanöver hätte ansetzen dürfen. Denn die Strasse war nass und die Sicht an diesem frühen Montagmorgen nicht gut.

Trotzdem sei der Lenker kein Strassenrowdy, «der zeigen wollte, wie schnell er fahren kann», argumentierte der Verteidiger. Sein Mandant habe zwar drei Vorstrafen, darunter aber keine einschlägigen im Strassenverkehr. Die Polizei habe dem Lenker den Führerausweis entzogen. Es dürfte noch länger dauern, bis er ihn wieder erhalte. «Die Bedingungen dafür sind streng.»

«Bedingter» auf Messers Schneide

Gerichtspräsidentin Simone Baumgartner sprach den Angeklagten in allen Punkten schuldig, aber gewährte ihm «eine allerletzte Chance». Das Urteil: Acht Monate Freiheitsstrafe, bedingt auf vier Jahre, dazu eine Busse von 2500 Franken.

«Sie hofften bei Ihrem Überholmanöver einzig auf Ihr Glück.» Die Freiheitsstrafe spreche sie aus präventiven Gründen aus, der «Bedingte» sei aber «auf Messer Schneide» gestanden. «Sie haben rücksichtslos gehandelt», so Baumgartner. Wer mit dem Auto zu spät dran sei, dürfe trotz allem kein unnötiges Risiko eingehen. Die Gerichtspräsidentin empfahl dem Lenker, die Bewährungsfrist gut zu nutzen, sich eine feste Arbeitsstelle zu suchen und gut zu seiner Frau und seinen drei Kindern zu schauen.