Wohlen

Trotz Einwendungen: Die Baubewilligung für das «Rebberg Village» ist erteilt

Der Rebberg in Wohlen soll erschlossen werden.

Der Rebberg in Wohlen soll erschlossen werden.

202 Wohnungen in 20 Mehrfamilienhäusern dürften bald eine der letzten grossen Bauflächen in Wohlen bedecken. Der Aufschrei um diese Bebauung war gross.

Gut anderthalb Jahre hat es gedauert, jetzt ist die Baubewilligung da: Am Rebberg in Wohlen, an bester Lage, dürfen 20 Mehrfamilienhäuser mit total 202 Wohnungen und fünf Tiefgaragen gebaut werden. Der Aufschrei war gross, als im Februar 2019 das Bauvorhaben öffentlich wurde und die Baupläne bei der Gemeinde angeschaut werden durften. Parteien, Privatpersonen und neue Gruppierungen gaben sich auf der Bauverwaltung die Klinke in die Hand, es gab viele Einwendungen. Wie viele, gibt Marc Meier, Leiter Abteilung Baugesuche des Bereichs Planung, Bau und Umwelt, nicht bekannt: «Gegen das Baugesuch gingen Einwendungen ein, welche im üblichen Ablauf behandelt wurden. Eine Änderung gab es in Bezug auf die Erschliessung welche mit der Projektänderung C behandelt und wie bekannt genehmigt wurde», schreibt er als Antwort.

Gestern Donnerstag publizierte der Gemeinderat die Baubewilligung, alle bisherigen Einwendungen sind also bereinigt. Nun muss die Bauherrschaft, die eigens dafür geschaffene Rebberg Village AG, noch die obligate Beschwerdefrist von 30 Tagen abwarten, dann darf sie mit der grossen Kelle anrühren.

Keine reichen neuen Steuerzahler am Rebberg

Der Aufschrei galt damals, im Februar 2019, vor allem der Lage und der überaus dichten Auslastung der 2,7 Hektare grossen Brache am Fusse des Rebbergs. Viele Wohlerinnen und Wohler hatten sich Einfamilienhäuser auf dem Land erhofft, das eine der letzten grossen bebaubaren Flächen im Dorf darstellt. Diese sollten reiche Neuzuzüger anlocken und viel Geld in die gebeutelte Wohler Gemeindekasse spülen. Doch es ist, wie es ist: In der Wohnzone W2 sind Mehrfamilienhaussiedlungen gestattet, das Projekt ist rechtens, das ist alles, was der Gemeinderat zu prüfen hatte.

Ein Dorf im Dorf: 356 neue Einwohner für Wohlen

In das Projekt will die Rebberg Village AG, in deren Besitz sich alle drei Parzellen des Baulands befinden, 59,4 Mio. Franken investieren. Entstehen sollen 202 Wohnungen, die zwischen 1,5 und 4,5 Zimmern umfassen. Umgerechnet bedeutet das: In dem neuen Dorf im Dorf sollen bis zu 356 Einwohner Platz finden. Der kantonale Richtplan sieht vor, dass es in der Zone W2 mindestens 90 Personen pro Hektare sein sollen. Hier sind es 132. «Die Forderung nach einer haushälterischen Nutzung des Bodens ist mit der erzielten Ausnützung und der erreichten Personendichte erfüllt», schrieben externe Gutachter vor anderthalb Jahren zum Projekt. Sie fügten jedoch hinzu: «Der Wert von 132 Einwohnern/ha ist allerdings für eine Zone W2 sehr hoch.»

Eine der letzten grösseren Lücken wird geschlossen

Auf die Frage, was diese doch sehr markante Überbauung für Wohlen bedeutet, schreibt Bauverwalter Meier: «Selbstverständlich hat das Bauvorhaben eine Bedeutung für die Gemeinde Wohlen, eine der letzten grösseren Lücken innerhalb der Bauzone wird mit dem Vorhaben geschlossen und führt zu der vom Gesetzgeber geforderten Verdichtung nach innen.» Mehr gibt er nicht bekannt. Auch war die Bauherrschaft gestern Donnerstag nicht für eine Auskunft erreichbar.

Die Baubewilligung wird in 30 Tagen rechtskräftig, so lange läuft die Beschwerdefrist noch. Danach hat die Rebberg Village AG zwei Jahre Zeit, um mit dem Grossprojekt zu starten. Dabei muss auch der Ortsbildschutz beachtet werden, zumindest was einige Punkte ausserhalb der markanten neuen Siedlung betrifft. Einerseits muss der Gösliker Kirchenweg erhalten bleiben, andererseits wird dem unter Schutz stehenden Häuserensemble beim «südlichen Auftakt der Siedlung», gegen die Steingasse zu, besonderes Interesse geschenkt. Letzteres «bildet ortsbaulich eine Torsituation aus», hiess es damals im Fachbericht. So soll die dort zugehörige Scheune in Absprache mit der Gemeinde als Gemeinschaftsraum für die Bewohner der Siedlung ausgebaut werden.

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