Das Trinkwasser, unser wichtigstes Lebensmittel, ist im Grunde genommen überall sehr günstig zu haben. Trotzdem bestehen teilweise markante regionale Preisunterschiede.

Im Kanton Aargau zahlt ein 3-Personen-Haushalt mit einem jährli-chen Wasserverbrauch von 200 Kubik ( = 200 000 Liter) durchschnittlich rund 270 Franken. Viel besser kommt der 3-Personen-Haushalt in Bremgarten weg. Im Reussstädtchen kosten die 200 Kubik alles in allem bloss 100 bis 150 Franken. Deutlich teurer wird es auf dem Mutschellen. Der 3-Personen-Vergleichshaushalt muss in Widen und Zufikon mehr als 400 Franken lockermachen. Günstiger ist das Wasser in den beiden Mutscheller Nachbargemeinden Berikon und Rudolfstetten. Hier zahlt der Vergleichshaushalt 300 bis 350 Franken für die 200 Kubik.

Diese Zahlen stammen aus dem kantonalen Leitbild Wasserversorgungen der Abteilung für Umwelt; die erwähnten Haushaltkosten umfassen sowohl die Verbrauchsgebühren als auch eine jährliche Grundpauschale, die von fast allen Wasserversorgungen im Aargau erhoben wird.

Fremdwasserkosten variieren

Wie erklären sich die hohen regionalen Preisunterschiede? Zum Teil mit den unterschiedlichen Anlagestrukturen der einzelnen Wasserversorgungen betreffend Leitungsnetze und bauliche Anlagen wie Reservoirs, Pumpwerke, Steuerungen etc. Preislich stark zu Buche schlagen die lokal vorhandenen Trinkwasservorkommen. Bremgartens Situation ist komfortabel. So kann Bremgarten genügend und kostengünstig Quell- und Grundwasser aus dem eigenen Boden nutzen.

Im Gegensatz zu Bremgarten verfügen die Mutschellengemeinden nicht über sehr viel eigenes Wasser. Sie sind angewiesen auf Wasserlieferungen aus Bremgarten sowie auf aufbereitetes Zürichsee-Wasser vom Verband GALM. Bremgarten stellt sein Wasser günstig zur Verfügung. Rund 50 Rappen je Kubik (1000 Liter) muss der Regionale Wasserverband Mutschellen dafür zahlen. Der Bezug des aufbereiteten Zürichseewasser kommt den Verband Mutschellen deutlich teurer zu stehen, er beträgt rund Fr. 1.30 pro Kubik.

Konflikt um Maxialmenge

Wie viel des preiswerten Bremgarter Wasser darf der Mutscheller Verband täglich maximal beziehen? Die Festlegung der höchstmöglichen Bezugsmenge (=Optionsmenge) steht im Zentrum eines Konflikts zwischen der Stadtbehörde Bremgarten und dem Wasserverband Mutschellen (AZ vom 11.3.). Bremgarten will die aktuelle Mutscheller Optionsmenge von täglich 1500 Kubik verkleinern.

Gemäss Berechnungen im Rathaus Bremgarten könnte das Bremgarter Wasser bald einmal knapp werden; die Berechnungen fussen auf der baulichen Entwicklung im Reuss-städtchen, auf den Lieferverpflichtungen gegenüber dem Mutschellen, gegenüber Eggenwil und Hermetschwil-Staffeln sowie auf einer stattlichen Reserve von 100000 Kubik, die für ausserordentliche Verbrauchsjahre zur Verfügung stehen sollte.

Der jährliche Bremgarter Gesamtwasserverbrauch beträgt aktuell knapp 1 Million Kubik im Schnitt. Kalkuliert man die Optionsmengen ein, müsste die Wasserversorgung – abzüglich der Netzverluste – schon heute mehr als 1,2 Mio. Kubik zur Verfügung stellen können. Das kann sie nicht, es fehlen 50000 Kubik.

Neue Lösung muss her

Der Verband Mutschellen will eine Kürzung der Optionsmenge um mehrere 100 Kubik nicht akzeptieren. Seiner Ansicht nach ist die geplante Reduktion unnötig und nicht nachvollziehbar. Spätestens in zwei Jahren müssen die zwei Kontrahenten Bremgarten/Mutschellen eine einvernehmliche Lösung finden. Ende März 2013 läuft nämlich der bestehende Wasserliefervertrag mit der Optionsmenge 1500 Kubik ab. Beide Seiten signalisieren grundsätzlich Bereitschaft zur Erneuerung des Vertrags.