Treuhänder als Opfer eines skrupellosen Firmenchefs

Revisor musste sich vor dem Bezirksgericht Muri wegen Urkundenfälschung und falschem Zeugnis verantworten.

Walter Christen
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Wie ein bis anhin unbescholtener Treuhänder durch seine Tätigkeit als Unternehmensberater und Revisor mit dem Gesetz in Konflikt geraten kann, zeigte ein Fall, den das Bezirksgericht Muri zu beurteilen hatte. Die dem Angeklagten von der Kantonalen Staatsanwaltschaft zur Last gelegten strafbaren Handlungen: mehrfache Urkundenfälschung und falsches Zeugnis.

Dafür war die Verurteilung zu einer bedingten Geldstrafe in der Höhe von 240 Tagessätzen à 1270 Franken beantragt, also ein Betrag von über 300000 Franken. Zudem eine Busse von 10000 Franken, die Bezahlung der Anklagegebühr von 9250 Franken und die Übernahme der Verfahrenskosten.

In die Mühlen der Justiz geriet der Treuhänder durch sein Mandat für ein Unternehmen, das mit dem Handel von Gütern im Mobilitätssektor tätig war, vor einer schwierigen Zukunft stand und das für seine Weiterexistenz dringend neuer Kredite bedurfte. Die Kantonale Staatsanwaltschaft stellte fest, dass der Beschuldigte als leitender Revisor den Bericht der Kontrollstelle über ein bereits einige Jahre zurückliegendes Geschäftsjahr der betreffenden Firma zuhanden deren Generalversammlung unterzeichnet und somit nach gesetzlichen Vorschriften für richtig befunden hatte. Ebenfalls positiv war der Bericht des Treuhänders über die ordentliche Revision im darauffolgenden Jahr ausgefallen.

Vermögens- und Ertrags­lage der Firma beschönigt

Der Angeklagte habe in beiden Berichten wahrheitswidrig bestätigt, dass die Warenvorräte im Lager physisch überprüft wurden und vorhanden waren, wie durch das Obligationenrecht und die Schweizer Prüfungsstandards vorgeschrieben, so die Kantonale Staatsanwaltschaft. Sie hielt weiter fest: «In Wirklichkeit jedoch hatte der Beschuldigte weder an einer von der Firma selber durchgeführten Inventur teilgenommen, noch hatte er zu einem anderen Zeitpunkt eine eigene Bestandesaufnahme angestrebt oder alternative Prüfungshandlungen in Betracht gezogen. Damit nahm er zumindest in Kauf, dass seine Bestätigung falsch war, die entsprechenden Geschäftsgrundlagen würden dem Gesetz entsprechen.»

Somit habe der Angeklagte wissen müssen, dass die Jahresrechnung auf einem überbewerteten Warenlager basierte. «Dadurch ist die Vermögens- und Ertragslage des Unternehmens deutlich besser als in Wirklichkeit dargestellt worden. Ferner musste der Revisor damit rechnen, dass der bereits völlig überschuldeten Firma, gestützt auf die unwahre Jahresrechnung und den unwahren Revisions­bericht, Kredite gewährt und infolgedessen Dritte Verluste erleiden würden», hiess es in der Anklage.

Schliesslich war der Konkurs des Unternehmens unausweichlich, und der Treuhänder musste bei der Kantonalen Staatsanwaltschaft Angaben zur Firmenbuchhaltung machen. Dabei habe sich herausgestellt, dass der Beschuldigte falsch aussagte und er laut Anklägerin auch deswegen zu verurteilen sei.

Gerichtspräsident Markus Koch wollte vom Beschuldigten wissen, was er zu den Anklagepunkten zu sagen habe. Der Treuhänder beteuerte: «Die ­Revisionen und damit die ­Rechnungsprüfungen mit der Berichterstattung an den Verwaltungsrat der Firma bezie­hungs­weise an die Generalver­samm­lung wurden stets nach bestem Wissen und Gewissen durchgeführt – ich bin mir keiner Schuld bewusst.» Er fühle sich als Opfer der Machenschaften des betreffenden Firmenchefs, der Respekt und Ehrlichkeit habe missen lassen.

«Nicht alles ist auch strafrechtlich relevant»

Im weiteren Verlauf der vierstündigen Gerichtsverhandlung gelang es dem Beschuldigten beziehungsweise seinem Anwalt, die Anklage so weit zu entkräften, dass der Gerichtspräsident schliesslich auf Freispruch entschied. Der angeklagte Treuhänder wurde in sämtlichen Punkten von Schuld und Strafe freigesprochen.

Wie sich im Zusammenhang mit der Revisionstätigkeit des Beschuldigten herausstellte, sei zwar nicht alles rechtens gewesen und habe auch nicht in allem den Richtlinien der Revisoren entsprochen, betonte Präsident Koch in seiner Urteilsbegründung. «Aber nicht alles, was man macht und das nicht ganz richtig ist, ist auch strafrechtlich relevant.»

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